Mehr Natur als man denkt: Was ist eigentlich Schellack?

Er steckt in Kosmetik, Lebensmitteln, Möbeln, …

Mehr Natur als man denkt: Was ist eigentlich Schellack? - Er steckt in Kosmetik, Lebensmitteln, Möbeln, …

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Schellack ist ein harzähnliches Material, das gerne in Naturkosmetik verwendet wird, aber auch in der Lebensmittelherstellung zum Einsatz kommt. Dort ist es auch unter der Bezeichnung E903 bekannt. Es gilt jedoch als „gesundheitlich unbedenklich“ – aber was ist Schellack eigentlich?

Ein tierisches Produkt

Produzent dieses natürlichen Rohstoffs sind die fleißigen Lackschildläuse, die in Indien und Südostasien beheimatet sind. Sie leben auf Bäumen, die sie als Wirt nutzen: durch einstechen in die Rinde saugen sie den Pflanzensaft heraus und verdauen ihn anschließend. Dabei wird er fermentiert und bei der Ausscheidung bleibt dann eine lackartige Substanz übrig. Die weiblichen, nur 2 - 5mm großen Läuse hüllen sich damit ein und bilden so einen Kokon, in dem sie ihre Eier ablegen. Während sich die geschlüpften Larven aus der festen Hülle herausarbeiten, stirbt die „Mutterlaus“ in der Harzschicht. Zurück bleibt der feste Lack, der ganze Äste bedeckt.

Ernte und Verarbeitung

Um den Schellack verwenden zu können, wird er in den Herkunftsländern richtiggehend geerntet: die von den jungen Läusen verlassenen Zweige der Wirtsbäume werden abgeschnitten, der zu diesem Zeitpunkt feste „Stocklack“ wird abgeschlagen. Für ein Kilo Lack braucht man die Ausscheidungen von 300.000 Läusen!

Durch unterschiedliche Behandlungsarten können in der weiteren Verarbeitung verschiedene Qualitäten erreicht werden. Um den einfachsten, den sogenannten Körnerlack, herzustellen, wird der Lack in Wasser gelöst und von Holz und Sand gereinigt. Durch anschließendes Lufttrocknen härtet er wieder aus und kann dann leicht transportiert werden. Bei der Weiterverarbeitung ist dann entscheidend, für welchen Zweck der Lack genutzt wird: für die Verwendung in der Lebensmittelindustrie sind aufwendigere Prozesse nötig als zum Beispiel für die Beimischung in Möbellacke.

Wo Schellack überall drinsteckt

Der Lack der Schilddäuse ist ein sehr vielseitiges Produkt, das aufgrund seiner guten Eigenschaften in den unterschiedlichsten Bereichen Anwendung findet. Bei der Verwendung in Möbellacken, Polituren und Künstlerfarben kann es zumindest teilweise giftige Chemie ersetzen und die Produkte so umweltverträglicher machen. Da es ein Naturprodukt ist, wird Schellack außerdem gerne in Bio- und Naturkosmetik verwendet. In Nagellacken, aber auch in Haargel, Haarspray und Mascara findet sich der Rohstoff und wird dort auf Grund seiner festigenden und wasserabweisenden Funktion eingesetzt.

haarspray

Schellack hat zudem sehr gute filmbildende Eigenschaften, wodurch es Oberflächen vor Feuchtigkeit und UV-Strahlung schützt. Zudem ist es biologisch abbaubar, geschmack- und geruchlos – Eigenschaften, die sowohl in der Kosmetik, als auch in der Lebensmittelproduktion wichtig sind. Hier dient es unter anderem als Überzug von Äpfeln oder Zitrusfrüchten, Nüssen und Kaffeebohnen oder auch mancher Schokoladen. Der wachsartige Lack ist bei Verzehr zwar unbedenklich, auf dem Produkt muss jedoch der Hinweis „gewachst“ stehen.

Eine gute Alternative zu Chemie?

Umweltfreundlicher als Kunstharze, die meist anstelle von Schellack verwendet werden, ist das Naturprodukt allemal. Stoffe mit vergleichbaren Eigenschaften sind fast immer aus Erdöl hergestellt, und wie wenig umweltfreundlich das ist, müssen wir sicher nicht erläutern.

Schellack dagegen ist vollständig biologisch abbaubar, weder Tiere noch Pflanzen werden beim Abbau belastet. Das es zusätzlich für den menschlichen Körper so unbedenklich ist, macht es zu einer sinnvollen Alternative für Lebensmittelhändler, denn wer beißt schon gerne in einen Apfel, der mit einer aus Chemie hergestellten Wachsschicht überzogen wurde. Der einzige Wehrmutstropfen betrifft die Veganer: streng genommen ist Schellack ein tierisches Produkt, und darf deshalb nicht in veganen Lebensmitteln oder Kosmetik zum Einsatz kommen.

Quellen: olionatura.depeta2.delebensmittellexikon.de

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