Greenwashing

Diese Werbeversprechen sind jetzt verboten

08. Okt. 2026 von

Seit 27. September 2026 gilt EU-weit die „Empowering Consumers"-Richtlinie - häufig abgekürzt als EmpCo. Sie verbietet vage Umweltwerbung: pauschale Wörter wie „umweltfreundlich" ohne Beleg, „klimaneutral" allein durch CO₂-Kompensation und selbst erdachte Nachhaltigkeits-Siegel. Betroffen ist auch Kosmetik – dort wird mit genau diesen Begriffen besonders viel geworben. Dieser Artikel zeigt, welche Versprechen fallen und wie du echte von leeren Öko-Claims unterscheidest.

Was hat sich geändert?

Von der neuen „Empowering Consumers"-Richtlinie betroffen sind vor allem fünf Claims, die in der Kosmetikwerbung häufig vorkommen:

  • „Klimaneutral" allein durch Kompensation. Ein Produkt als „klimaneutral" zu bewerben, obwohl die Emissionen nicht gesenkt, sondern nur über zugekaufte Zertifikate „ausgeglichen" werden, ist künftig nicht mehr erlaubt.
  • Selbst erdachte Öko-Siegel. Nachhaltigkeits-Logos ohne dahinterstehendes, anerkanntes Zertifizierungssystem fallen weg. Orientierung geben stattdessen etablierte, unabhängig vergebene Label.
  • Pauschales „umweltfreundlich" oder „grün". Allgemeine Umweltwörter ohne nachweisbaren Beleg sind nicht mehr zulässig. Ein belegbarer, konkreter Vorteil darf benannt werden – ein pauschales Etikett nicht. „Ocean Plastic". Der Begriff wird gerne für Plastikverpackungen genutzt und ist rechtlich nicht geschützt, und das Material stammt selten tatsächlich aus dem Meer. Ohne nachvollziehbare Herkunft oder Zertifizierung ist es eine Geschichte, kein Nachweis.
  • „natürlich". „Natürlich" ist bei Kosmetik kein gesetzlich definierter Begriff und sagt für sich genommen wenig über den Inhalt. Und: „natürlich" heißt nicht automatisch unbedenklich – auch ätherische Öle enthalten bekannte Allergene wie Linalool oder Citral

„Bio" und „öko" – kann ich mich bei Kosmetik darauf verlassen?

Nein, nicht auf die Worte allein. „Naturkosmetik" und „Bio-Kosmetik" sind bei Kosmetik keine gesetzlich geschützten Begriffe – anders als bei Lebensmitteln, wo „Bio" gesetzlich geregelt ist. Ein „Bio" auf einer Creme kann deshalb auch nur ein Produktname sein, ohne dass zertifizierte Bio-Inhaltsstoffe dahinterstecken.

Was wurde aus der stärkeren Green-Claims-Richtlinie?

Die neue Richtlinie ist nicht der erste Versuch, gegen Greenwashing vorzugehen: Bereits im März 2023 hatte die EU eine andere, in vielen Punkten strengere „Green-Claims"-Richtlinie vorgeschlagen. Sie wurde fallengelassen, bevor sie Gesetz werden konnte. Der Vorschlag von März 2023 war besonders verbraucherorientiert: Umweltaussagen und Öko-Label sollten vor ihrer Verwendung belegbar, vergleichbar und unabhängig überprüfbar werden. 2025 wurde dieser Vorschlag, weitgehend ohne öffentliche Aufmerksamkeit, zur Rücknahme angekündigt; eine formale Begründung hat die Kommission bislang nicht vorgelegt. Es wird diskutiert, dass ein Grund darin lag, dass die Green-Claims-Richtlinie zu viel zusätzlichen administrativen Aufwand für Hersteller bedeutet hätte und damit zusammenhängend höhere Kosten.

Wir von CodeCheck sehen das kritisch. Dass vage Öko-Werbung nun eingeschränkt wird, ist ein wichtiger Schritt. Aber der weitergehende Anlauf, der Marken verpflichtet hätte, ihre Umweltaussagen belegbar und unabhängig geprüft zu untermauern, wurde still beerdigt, obwohl er schon auf dem Tisch lag. Für Verbraucher:innen bedeutet das: Der Nachweis, dass ein grünes Versprechen auch stimmt, bleibt vorerst schwächer geregelt als geplant. Genau deshalb bleibt der eigene Blick auf die Inhaltsstoffe und Zertifikate, zum Beispiel mit Apps wie CodeCheck, wichtig.

Woran erkenne ich echte Öko-Versprechen?

  • Der zuverlässigste Weg führt über die Rückseite: die Inhaltsstoff-Liste und empfehlenswerte Siegel sagen im Zweifel mehr aus als jedes Wort auf der Vorderseite: Anerkannte, unabhängig vergebene Umwelt-Label geben zusätzlich Orientierung , dazu zählen Ecocert, BDIH, Cosmos, NaTrue, Demeter oder Naturland. Zusätzlich nennt das Umweltbundesamt (UBA) als Beispiele den Blauen Engel und das EU-Ecolabel.
  • Ein Label ersetzt den Blick auf die Inhaltsstoffe aber nicht: Wer sicher gehen will, sieht zusätzlich selbst nach, was drinsteckt. Mit der CodeCheck-App kannst du ein Produkt scannen zum Beispiel deklarierte Duftstoff-Allergene oder Mikroplastik leicht erkennen und in deinen Produkten meiden.

Links:

Quellen: