Gesichtscremes im Öko-Test

Die Guten sind günstig, die Schlechten teuer

25. Sept. 2026 von

Öko-Test hat 32 reichhaltige Gesichtscremes ins Labor geschickt. 12 schneiden „sehr gut“ ab, 10 weitere „gut“. Am Tabellenende stehen vier Cremes, die alle mehr als 20 Euro pro 50 Milliliter kosten. Eine davon ist zertifizierte Naturkosmetik und enthält trotzdem einen künstlichen Moschusduft.

Die Preise reichen von 1,65 bis 51,67 Euro pro 50 Milliliter. Jede Creme im Test, die weniger als 5 Euro kostet, schneidet „gut“ oder „sehr gut“ ab. Am günstigsten sind zwei „sehr gute“ Discounter-Eigenmarken für je 1,65 Euro.

15 der 32 Cremes tragen ein Naturkosmetiksiegel. Geprüft wurden unter anderem allergieauslösende Duftstoffe, künstliche Moschusverbindungen, Mineralölbestandteile und Konservierungsmittel. Bei Cremes mit Anti-Aging-Versprechen forderte Öko-Test Studien an, die die Wirkung belegen sollen.

Dieses Produkt erhielt von Öko-Test die Note „Sehr gut“

Künstlicher Moschus in Naturkosmetik

Die Thats me organic 24h Hyaluron Creme Aloe ist nach Natrue zertifiziert. Synthetische Duftstoffe sind damit ausgeschlossen. Das Labor fand trotzdem Galaxolid, einen künstlichen Moschusduft. Im gesamten Test war der Stoff nur noch in einer zweiten Creme nachweisbar: der Douglas Skin Focus Collagen Youth Anti-Age Rich Cream.

Öko-Test kritisiert Galaxolid auch in konventioneller Kosmetik. Der Stoff reichert sich im menschlichen Fettgewebe an und steht im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinträchtigen. Laut Öko-Test gibt es auch Hinweise auf eine leberschädigende Wirkung. Die EU prüft derzeit, Galaxolid als wahrscheinlich reproduktionstoxisch einzustufen. Das könnte ein Verbot in Kosmetik nach sich ziehen.

Der Hersteller hat den Befund mit eigenen Analysen bestätigt. Er hat den Verkauf der Creme gestoppt und die vorhandene Ware aus dem Verkehr genommen. Als Ursache nennt er eine fehlerhafte Charge einer zugekauften Duftkomponente.

Anti-Aging ohne Beleg

Sieben Cremes im Test versprechen, Falten zu mindern, die Haut zu straffen oder zu liften. Nur drei Hersteller legten überhaupt vollständige Studien zu ihrem Produkt vor. Keine davon belegt aus Sicht von Öko-Test ausreichend einen Vorteil gegenüber einer einfachen Pflegecreme. Die Cremes mussten sich in den Studien nur gegen unbehandelte Haut behaupten.

Wer gar keine Studie vorlegte, bekam bei den weiteren Mängeln vier Noten Abzug. Das trifft auch die Douglas-Creme. Zusammen mit dem Moschusfund landet sie bei „ungenügend“. Keine der sieben Cremes mit Wirkversprechen schafft ein „sehr gut“.

Diese Produkte erhielten von Öko-Test die Note „Ungenügend“ oder „Mangelhaft“

Lancôme scheitert schon an den Inhaltsstoffen

Die Lancôme Nutrix reichhaltige Creme ist die einzige Creme im Test, die allein wegen ihrer Inhaltsstoffe auf „ungenügend“ kommt. Das Labor fand die Duftstoffe Isoeugenol und Cinnamylalkohol, die Allergien auslösen können. In der Rezeptur stecken auch PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können.

Der dritte Kritikpunkt sind aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Sie können als Verunreinigung in mineralölbasierten Fetten wie Paraffinen stecken. Zu dieser Stoffgruppe gehören auch krebserregende Verbindungen. Ob MOAH über die Haut aufgenommen werden und sich im Körper anreichern, ist noch nicht abschließend geklärt.

Die Creme steckt in einem Umkarton, und der ist noch einmal in Folie eingeschweißt. Öko-Test wertet beides als unnötige Verpackung ab.

Chlorphenesin in der Kiehl’s-Creme

Bei der Kiehl’s Ultra Facial Cream bemängelt Öko-Test vor allem das Konservierungsmittel Chlorphenesin. Es kann allergische Reaktionen hervorrufen. Wie die Lancôme-Creme enthält auch sie PEG/PEG-Derivate. Bei den Weiteren Mängeln gibt es Abzug für Silikone und synthetische Polymere in der Rezeptur.

Drei Viertel stecken im Umkarton

Mehr als drei Viertel der Cremes stecken zusätzlich zu Tube oder Tiegel in einem Umkarton, der nach dem Kauf im Müll landet. Nur sechs Hersteller verzichten auf zusätzliche Verpackung. Drei von ihnen haben eine „sehr gute“ Creme im Test.

Worauf du beim Kauf achten kannst

  • Der Preis sagt in diesem Test wenig über die Qualität. Die vier Schlusslichter kosten alle mehr als 20 Euro, „sehr gute“ Cremes gibt es schon ab 1,65 Euro.
  • Anti-Aging-Versprechen kannst du mit Skepsis lesen. Kein Hersteller konnte Öko-Test ausreichend belegen, dass seine Creme mehr gegen Falten tut als eine normale Feuchtigkeitscreme.
  • Ein Naturkosmetiksiegel ist ein guter Anhaltspunkt: 12 der 15 zertifizierten Cremes schneiden „sehr gut“ oder „gut“ ab. Die Thats-me-Creme zeigt aber, dass auch ein Siegel keine Garantie ist.
  • Brauchst du UV-Schutz, reicht eine Tagescreme meist nicht. Der Lichtschutzfaktor der allermeisten Cremes liegt bei höchstens 15. Öko-Test rät, den UV-Index zu checken und bei Bedarf eine richtige Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor aufzutragen.
  • Mit der CodeCheck-App kannst du deine Gesichtscreme scannen und siehst, ob Inhaltsstoffe wie Chlorphenesin, PEG-Verbindungen oder Paraffine drinstecken. Den Moschusduft in der Naturkosmetikcreme hat erst das Labor gefunden.

Alle Testprodukte, die Testtabelle und das Gesamtergebnis findest du im Detail im ePaper von Öko-Test.

[final] Öko-Test-Logo
Öko-Test