Anzeige
Anzeige

Verbrauchertäuschung: Ist immer vegan drin, wenn vegan drauf steht?

Ernährung

Verbrauchertäuschung: Ist immer vegan drin, wenn vegan drauf steht? - Ernährung

kühe 2

von

Ob Veganer, Vegetarier oder Flexitarier. Gesundheitlich oder religiös bedingter Fleischverzicht. Die Nachfrage nach veganen und vegetarischen Alternativen steigt von Jahr zu Jahr und mit ihr, wächst auch das Angebot.

Anzeige

So finden sich pflanzliche Ersatzprodukte nicht mehr ausschließlich in Regalen ausgewählter Biomärkte, sondern auch in konventionellen Drogerieketten und Supermärkten. Laut dem „Mintel Marktforschungsinstitut“ ist alleine in Deutschland der Anteil an Neueinführungen von veganen Lebensmitteln und Getränken, von nur 1% im Jahr 2012 auf 13% im Jahr 2016 gestiegen. Im weltweiten Vergleich ist Deutschland der größte Markt für vegane Produkteinführungen.

schnitzel vegan

Doch: „Vegan“ und „vegetarisch“ sind keine geschützten Begriffe

Das Problem ist, dass die Bezeichnungen „vegan“ und „vegetarisch“ sowie Wortkonstellationen die ebenjenes suggerieren – wie „frei von tierischen Inhaltsstoffen“ – keine von der EU geschützten sind. Sie unterliegen keinen einheitlichen gesetzlichen Regelungen, Standards und unabhängigen Kontrollmechanismen. Dies schafft eine perfekte Umgebung für Verbrauchertäuschung.

So können Hersteller vermeintlich „vegane“ und „vegetarische“ Produkte bewerben, die dennoch tierische Inhaltsstoffe beinhalten. Selbiges gilt für selbstkreierte vegane und vegetarische Gütesiegel.

Legale Umschreibungen und mangelnde Kennzeichnungspflicht

Ob Chips, Backwaren, Süßigkeiten, Fruchtsäfte, Wein, Textilien oder Kosmetikartikel. Hersteller machen es uns schwer zu erkennen, ob und welche tierischen Inhaltsstoffe in vermeintlich pflanzlichen Lebensmitteln und Pflegeprodukten enthalten sind.

Nehmen wir beispielsweise Backwaren wie Brot. Zur Beeinflussung des Teiges, wird dem Mehl die Aminosäure L-Cystei (E920) beigefügt, welche aus Schweineborsten oder Vogelfedern gewonnen wird. Anführen müssen Hersteller dies jedoch nicht.

schwein 2

Ähnlich verhält es sich bei Wein und Fruchtsäften. Dass zur Klärung des Weines oder Saftes, Gelatine oder Fischbestandteile herangezogen wurden, muss im Endprodukt nicht mehr angegeben werden – und wird es oft auch nicht.

Dies ist möglich, weil Hersteller gesetzlich nicht dazu verpflichtet sind, tierische Bestandteile zu deklarieren, so sie als Zusatz- oder Trägerstoffe, Aromen, Enzyme oder sogenannte technische Hilfsstoffe im Verarbeitungsprozess benutzt wurden. So müssen vermeintlich „vegane“ Produkte, eben doch nicht „vegan“ sein.

Forderung nach gesetzlicher Definition innerhalb der EU

Tierschutzorganisationen, Verbraucherschutzorganisationen, vegane Verbände und auch Teile der Politik fordern deshalb eine gesetzliche Definition des Begriffes „vegan“. Auf der Verbraucherschutzministerkonferenz 2016 wurde nun schließlich eine Definition für die Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ präsentiert, erarbeitet VEBU und BLL, welche es nun EU-weit umzusetzen gilt. Ob und wann dies geschieht, bleibt abzuwarten. Kritik an der Formulierung gibt es jedenfalls schon jetzt, von Seiten des „Bioveganen Netzwerkes für Landwirtschaft und Gartenbau“.

Nebeninfo: Die Kennzeichnungsdebatte wird auch auf anderer Ebene geführt. So fordern der „Deutsche Bauernverband“ und Agrarminister Christian Schmidt, ein Gesetz welches Fleischnamen für vegane Produkte verbieten soll. Bezeichnungen wie „veganes Schnitzel" oder „veganer Schinken“ seien irreführend für Verbraucher, so Schmidt.

Abhilfe schaffen Gütesiegel von unabhängigen Institutionen, Apps und Plattformen

Es ist in der Tat nicht einfach „vegane“ Lebensmittel und Produkte als solche zu identifizieren. Achte auf E-Nummern und Umschreibungen wie „Echtes Karmin“ (E 120) – das aus Läusen hergestellt wird. Eine Hilfe sind zudem ausgewählte Gütesiegel.

Als Faustregel gilt: Sind Gütesiegel von veganen Verbänden und Gesellschaften kreiert und vergeben, unterliegen sie strengen Regelungen, hohen Standards und regelmäßigen Kontrollmechanismen. Das Interesse an der Sache überwiegt in diesen Verbänden das wirtschaftliche.

Hohen Standards und strengen Kontrollen unterliegen vegane Siegel, wie:

– das V-Label

V-label

- das Vegan plus Label (welches auch eine Verpackung ohne tierischen Kleber gewährleistet)

veganplus

- oder die Veganblume der „Vegan Society“.

veganblume

Weitere Informationsquellen:

PETAzwei Einkaufsguide (Auflistung veganer Produkte und Marken)

Lebensmittelklarheit.de (Verbraucherzentrale mit allgemeinen und produktspezifischen Informationen)

Quelle: Lebensmittelklarheit, Verbraucherschutzministerkonferenz, foodwatch, Handelsblatt, Agrarheute

Ich möchte den Codecheck-Newsletter abonnieren und keine News mehr verpassen

0/5 0 Stimmen

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

jackfruit
Soja und Tofu ade? –
brot
Vegetarier aufgepasst! –

Gesunde Alternativen

Joghurt

Diese Joghurts sind keine Zuckerfalle

Während dem Fettgehalt von Joghurts vermehrt Beachtung geschenkt wird, überprüfen die wenigsten den darin enthaltenen Zuckeranteil. Bis zu elf Zuckerstücke und damit die Hälfte der Tagesmenge für Erwachsene können jedoch in nur einem Becher Joghurt versteckt sein. Mit welchen Joghurts Du nicht in eine Zuckerfalle tappst und warum Bio-Varianten nicht besser sind, wir verraten es Dir.

Synthetische Poylmere auf unserer Haut

Makeup Mikroplastik

Diese 6 Make-ups enthalten Mikroplastik

In vielen Kosmetikprodukten, von Shampoo über Peeling bis hin zu Mascara und eben auch Make-up stecken Mikroplastik oder - in flüssiger oder gelartiger Form - sogenannte synthetische Polymere. Diese Stoffe gelangen beim Abschminken über das Abwasser ins Meer und gefährden so Umwelt und Meeresbewohner. Was schmieren wir uns da eigentlich ins Gesicht?

PEGs

Duschen

Diese Duschgele trocknen Deine Haut aus

Es ist paradox: Wir duschen, um uns etwas Gutes zu tun. Doch stattdessen strapazieren wir mit jedem Gang unter die Brause regelmäßig unsere Haut. Der Grund dafür sind Polyethylenglykolverbindungen in Duschgelen, die unsere körpereigene Schutzhülle schwächen können.