Tchibos neue Kaffeekapsel: Antwort auf den Müll-Wahnsinn oder Problem verkannt?

Echte Innovation oder Gewissenserleichterung

Tchibos neue Kaffeekapsel: Antwort auf den Müll-Wahnsinn oder Problem verkannt? - Echte Innovation oder Gewissenserleichterung

QBO 02 FM

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Eigentlich kochen ja alle nur mit Wasser. Auch ihren Kaffee. Der steckt aber immer häufiger schön säuberlich verpackt in Kaffekapseln aus Aluminium – und die fluten unsere Müllsäcke und werden zum ernstzunehmenden Umweltproblem.

Allein in Deutschland wurden 2015 mehr als drei Milliarden Kaffekapseln verkauft und der Umsatz der Branche stieg im letzten Jahr um 17% Prozent. Ein Kaffeebecher ohne Boden.

Doch jetzt kapselt sich ein Hersteller ab: Tchibo. Seit letzter Woche macht der nämlich mit seinem neuen Premium-Kaffee-System „Qbo“ Jagd auf Konkurrent Nespresso. Dabei setzt Tchibo aber nicht einfach auf den Frauen zum Schäumen bringenden Charme von George Clooney, sondern neben moderner App-Steuerung der Kaffeemaschine auch auf Umweltschutz und gutes Image.

„Die kompakten Qbo-Würfel bestehen aus hochwertigen Kunststoff (Polypropylen), sind frei von Aluminium und zu 100% recyclebar. Die Rückführung erfolgt einfach über das Duale System und die Gelbe Tonne“, so Tchibo-Pressesprecherin Katharina Scheele gegenüber Codecheck.

Die Neuheit dabei: Glänzten bisherige Plastikkapseln mit Aludeckel oder Alubeschichtung, setzen die Tchibo-Würfel jetzt auf pure Kunststoffverarbeitung. Außerdem soll der Verzicht auf die Verwendung von zwei verschiedenen Materialien das Recycling erleichtern und die Würfelkapseln selbst dank kompakter Form bis zu 85% Verpackung einsparen.

Weiteres Zusatz-Goodie: „Alle Qbo-Kaffees sind von zertifiziert nachhaltigen Farmen (Rainforest Alliance) aus den besten Anbaugebieten Afrikas, Südamerikas und Indiens“, so Tchibo weiter gegenüber Codecheck.

Eine Lösung des Problems?

Philipp Sommer, Experte für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe, bezweifelt aber generell die gute Recyclingfähigkeit von Kapselmüll. Gegenüber der Berliner Morgenpost sagte er: „Man hat ein sehr kleines Produkt mit sehr viel Müll.“

Die Berliner Morgenpost führt weiter auf, dass eine Umweltbilanz der Kapseln mit oder ohne Alu-Anteil noch nicht vorliege. Allerdings sei die Herstellung von Aluminium deutlich teurer, verbrauche mehr Ressourcen und verursache auch mehr umweltschädliche Nebenprodukte. Die Recyclingquote für Kunststoffabfälle aus Privathaushalten läge in Deutschland aber deutlich unter denen von Aluminium.

Auch Peter Meiwald, Sprecher für Umweltpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, zweifelt in der Zeitung am Recycling als umweltfreundlichste Lösung: „Technisch kann man die Grundstoffe wiederverwerten, aber die Erfahrung lehrt, das meiste landet am Ende des Tages in der Verbrennung.“

Meinung

Egal ob umweltfreundlicherer oder gleichbleibend umweltschädlicher Kaffee-Förmchen, liegt das Problem doch anderswo: Natürlich tragen Markt und Hersteller eine Verantwortung, aber eine umweltfreundlichere Variante eines Umweltproblems als Rettung zu inszenieren, ist für mich paradox. Auch Light-Chips bleiben Chips und machen dick.

Statt dosierter Handhabung oder Verzicht erleichtert man einfach sein Gewissen. Deshalb – und das ist meine ganz persönliche Meinung – sehe ich die Kapselzukunft trotz Tchibo-Vorstoß so wie ich meine Kaffee trinke: Schwarz.

P.S.: Espressokanne.

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