Kinder lieben sie

Quetschies im Check: Praktisch! Auch gut?

03. Sept. 2026 von

Sie stecken in fast jeder Wickeltasche, jedem Kindergartenrucksack und Kinderwagen: Quetschies, die kleinen Quetschbeutel mit Obstmus, Joghurt oder Pudding. Kein Löffel, kein Gekleckere, sofort einsatzbereit. Kein Wunder, dass der Markt boomt – er wächst weltweit um über acht Prozent pro Jahr und macht inzwischen rund ein Drittel des globalen Marktes für Babynahrung aus.

Doch gleich mehrere aktuelle Untersuchungen zeigen: Der praktische Snack hat Schattenseiten – von Zucker über Zusatzstoffe bis hin zu Mikroplastik. Wir haben die wichtigsten Befunde für dich zusammengefasst.

„Ohne Zuckerzusatz" bedeutet nicht zuckerfrei!

Der wohl hartnäckigste Irrtum: „Ohne Zuckerzusatz" heißt nicht „ohne Zucker". Obst enthält von Natur aus Fruchtzucker – und für Zähne und Stoffwechsel macht es keinen Unterschied, ob der Zucker zugesetzt oder natürlich enthalten ist. Entscheidend ist die Gesamtmenge.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich fand in ihrem Test selbst bei Produkten „ohne Zuckerzusatz" zwischen 6,7 und 10 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Manche Quetschbeutel kommen sogar auf rund 14 Gramm Zucker – damit ist die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Tageshöchstmenge (maximal 10 Prozent der Energiezufuhr aus Zucker) je nach Alter schon fast zur Hälfte gedeckt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät ausdrücklich davon ab, Kinder an einen starken Süßgeschmack zu gewöhnen – das kann später Übergewicht, Adipositas und Typ-2-Diabetes begünstigen.

Quetschies “Ohne Zuckerzusatz”

Mehr Dessert als gesunde Mahlzeit

Besonders kritisch schneiden im AK-Test die gekühlten Varianten ab – also Quetschies mit Joghurt, Frischkäse oder Sahne aus dem Kühlregal. Sie enthalten oft deutlich weniger Frucht, dafür zugesetzten Zucker, Aromen und Zusatzstoffe wie Säureregulatoren, Stabilisatoren oder Verdickungsmittel. Ihre Kaloriendichte liegt bei bis zu 99 Kilokalorien pro 100 Gramm. Fazit der Tester: Diese Produkte sind eher ein Dessert als eine ausgewogene Mahlzeit – ernährungsphysiologisch mit einer Süßigkeit gleichzusetzen.

Am besten schnitten reine Bio-Obstpürees ohne zugesetzte Aromen, Zusatzstoffe oder Zucker ab. Auch die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass viele Beutel mehr enthalten als „nur Obst": Manche Sorten – etwa „mit Keks" oder „mit Cookies" – enthalten zusätzlich Zucker, Mehl und teils sogar Palmfett. Aus einem Obstmus wird so eine Süßigkeit.

Ein aufschlussreiches Detail: Beim Nutri-Score schneiden Quetschies je nach Einordnung sehr unterschiedlich ab. Bewertet man sie als Speise, liegen sie zwischen A und C. Bewertet man sie – wie es dem Nuckeln entspricht – als Getränk, rutschen viele auf D oder E ab. Ein weiterer Hinweis darauf, wie süß und wenig ausgewogen viele Produkte tatsächlich sind.

Mikroplastik und Chemikalien aus der Verpackung

Der jüngste und alarmierendste Befund kommt von Greenpeace: Eine im Auftrag von Greenpeace International durchgeführte Untersuchung wies in Baby-Quetschbeuteln Mikroplastik und zahlreiche Chemikalien nach. Über ein einziges „Quetschie" könnten Kinder demnach bis zu 11.000 Mikroplastik-Partikel aufnehmen. In den getesteten Produkten wurden zudem mehr als 80 Chemikalien identifiziert – darunter eine potenziell hormonell wirksame Substanz.

Als Quelle gilt das Verpackungsmaterial selbst: Polyethylen, mit dem die Beutel innen ausgekleidet sind, gibt Mikroplastik und Chemikalien an den Inhalt ab. Für Babys und Kleinkinder ist das besonders heikel, weil sich ihr Hormonsystem und Stoffwechsel noch in der Entwicklung befinden und daher empfindlicher auf Schadstoffe reagieren.

Getestet wurden die Marken „Gerber" (Nestlé) und „Happy Baby Organics" (Danone):

Bei Gerber fanden die Forschenden im Schnitt bis zu 54 Mikroplastik-Partikel pro Gramm, bei Happy Baby Organics bis zu 99 pro Gramm. Der Test wurde auf dem US-Markt durchgeführt. Greenpeace fordert entsprechende Untersuchungen auch in Österreich und im deutschsprachigen Raum, da hier sehr ähnliche Verpackungen in den Regalen stehen.

Warum Kauen und Löffeln wichtig sind

Neben den Inhaltsstoffen ist auch die Art des Verzehrs ein Thema. Quetschbeutel sind so gestaltet, dass Kinder den Inhalt heraussaugen. Das hat gleich zwei Nachteile:

Zähne: Der süße Inhalt bleibt beim Nuckeln lange im Mund und umspült die Zähne. Das greift den Zahnschmelz an und begünstigt Karies – nicht umsonst weisen manche Verpackungen ausdrücklich auf regelmäßige Zahnhygiene hin.

Entwicklung: Kauen fördert bei Kleinkindern die Mund- und Zungenmotorik und unterstützt so die Sprachentwicklung. Wer nur nuckelt, übt das nicht. Die Verbraucherzentrale betont zudem: Bewusstes Löffeln und Kauen hilft Kindern, das Sättigungsgefühl besser wahrzunehmen – das kann Übergewicht vorbeugen. Spätestens ab dem Ende des ersten Lebensjahres sind pürierte Beikost-Produkte ernährungsphysiologisch nicht mehr nötig.

Teuer und viel Verpackungsmüll

Quetschies sind deutlich teurer als frisches Obst mit Joghurt – und jeder Beutel besteht aus mehreren Materialien (Verbundfolie plus Kunststoffdeckel), die sich kaum recyceln lassen. Bei mehreren Beuteln pro Woche summiert sich das schnell zu einem beachtlichen Müllberg. Die überdimensionierten Verschlusskappen mancher Produkte sollen zwar das Verschlucken verhindern, es gibt aber auch kleinere Kappen, auf die Eltern achten sollten.

Die bessere Alternative: Quetschies einfach selbst machen

Wer nicht ganz auf Quetschies verzichten möchte, hat eine einfache Lösung: wiederbefüllbare Beutel aus dem Handel, die sich mit selbst gemachtem Obstmus füllen lassen. Dafür einfach reifes Obst (z. B. Apfel, Banane, Birne, Beeren) pürieren, bei Bedarf kurz erhitzen und in den sauberen Beutel füllen. Selbst gemachtes Mus hält sich im Kühlschrank ein bis zwei Tage und lässt sich portionsweise einfrieren.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Volle Kontrolle über die Zutaten: pures Obst, ohne zugesetzten Zucker, Aromen oder Verdickungsmittel.
  • Deutlich günstiger als gekaufte Einweg-Beutel.
  • Weniger Müll, da die Beutel viele Male wiederverwendet werden können.

Fazit

Quetschies sind ein praktischer Notfall-Snack für unterwegs – aber kein Ersatz für frisches Obst, Brot oder Joghurt vom Löffel. Wer sie nutzt, sollte auf reine Obstpürees (am besten Bio, ohne Zusätze) setzen, sie bewusst als Ausnahme behandeln und danach die Zähne pflegen. Und angesichts der Mikroplastik-Funde gilt gerade bei Babys und Kleinkindern: je seltener aus dem Plastikbeutel, desto besser. Am meisten Kontrolle – über Zucker, Zusatzstoffe und Müll – hast du mit selbst befüllten Mehrwegbeuteln.

Quellen: