Statt Plastikflaschen: Essbare Wasserkugeln?

Innovation zur Müllreduktion

Statt Plastikflaschen: Essbare Wasserkugeln? - Innovation zur Müllreduktion

ooho
© Skipping Rocks Lab

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Wasser zum Essen? Das könnte die Zukunft unseres Trinkverhaltens werden. Weg mit Plastikflaschen, her mit Wasserkugeln. Wir haben uns die mit Wasser gefüllten Blasen genauer angesehen und auf ihre Nachhaltigkeit geprüft.

Weltweit werden jeden Tag eine Million Plastikflaschen pro Minute gekauft. Tendenz steigend. Insbesondere die „on-the-go“-Mentalität führt zu dieser unvorstellbaren Menge an Müll aus Plastikflaschen. Eine immense Belastung für die Weltmeere, Natur und Tierwelt. Denn nicht einmal die Hälfte der Flaschen wurde trotz Pfand im vergangenen Jahr gesammelt und recycelt. Zudem wurden nur sieben Prozent der abgegebenen Flaschen zu neuen Flaschen verarbeitet.

Das Londoner Start-up „Skipping Rock Lab“ könnte nun mit seiner Innovation zur Reduktion des weltweiten Plastikverbrauchs beitragen.

Essbare H2O-Kugeln: die Lösung des Müllproblems?

Von seinen Erfindern wird „Ooho“ als „Alternative zur PET-Wasserflasche“ angepriesen. Die Idee scheint vielversprechend: essbare Wasserkugeln - ganz ohne Verpackungsmüll. Die Membran der Kugeln wird aus Braunalgen, Mineralsalz, Kalziumlaktat und Wasser hergestellt. Durch eine chemische Reaktion kann Wasser darin eingeschlossen werden. Dieses Verfahren wird bereits unter dem Namen Sphärifikation in der Gastronomie für die Herstellung von falschem Kaviar oder Bubble-Tea-Perlen eingesetzt.

Aus Hygienegründen wird eine Doppelmembran verwendet. Die äußere, die als Verpackung dient, kann abgezogen werden und zerfällt laut Hersteller in vier bis sechs Wochen. Theoretisch kann sie aber auch mitgegessen werden. Zur Flüssigkeitsaufnahme wird die glibberige Blase ganz in den Mund genommen und dort durch darauf Beißen zum Zerplatzen gebracht. Das Start-up versichert, sowohl das Wasser als auch die Membran hätten einen neutralen Geschmack.

Umweltschonendere Herstellung als PET-Flaschen

Laut den Erfindern spricht nicht nur die Verringerung des Müllproblems für „Ooho“, sondern auch die nachhaltigere Herstellung. Fünfmal weniger CO2, neunmal weniger Energie und eine kostengünstigere Produktion als PET-Flaschen sprächen für die Plastikflaschen-Alternative.

Umweltschützer sind skeptisch

Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft der „Deutschen Umwelthilfe“ (DUH), gibt zu bedenken: „Es ist unklar, welche Aufwendungen zur Algenproduktion notwendig sind und welche Umweltauswirkungen das hat.“ Zudem ist die Frage der Verpackung eines Wasserblasen-Sets zu klären. Aufgrund der geringen Füllmenge erscheint eine Blase eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein, um Durst zu löschen.

Ein weiteres Problem ist die schlechte Transportfähigkeit der Blasen. Ooho!-Erfinder Rodrigo García Gonzales äußert sich dazu: „Du hast beispielsweise eine Orange oder einen Pfirsich in Deiner Tasche. Damit musst Du etwas vorsichtig sein. Ooho! hat ungefähr dieselbe Beschaffenheit.“ Prototypen für Verpackungen aus biologisch abbaubarem Material gäbe es jedoch bereits.

Schneller Durstlöscher

Laut Aussage der Erfinder ist das Blasenwasser des Weiteren nur wenige Tage haltbar. Daher stellt sich die Frage nach der Zielgruppe. Für den schnellen „on-the-go“ Durstlöscher könnte die Blase eine echte Alternative sein. Für die Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs scheint sie jedoch nicht geeignet.

Wer also wirklich und schon jetzt Plastikflaschen aus seinem Haushalt verbannen will, sollte daher auf Leitungswasser und Wasseraufbereitungssysteme zurückgreifen. Unser Wasser aus dem Hahn besitzt eine hohe Qualität, da es deutlich strenger als Mineralwasser kontrolliert wird. Wem dies jedoch nicht schmeckt, der kann zumindest auf Mehrwegflaschen umsteigen.

Wasserblasen ab 2018 im Handel erhältlich

Der vollständig abbaubare und essbare Trinkgenuss aus der Wasserblase soll bereits nächstes Jahr in Europa in den Handel kommen. Auch für andere Getränke, Kosmetik oder Alkohol in Form der überdimensionalen Tropfen sehen die Erfinder Potenzial.

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