So steht's um das Ende der Plastiktüte in Deutschland

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Umsonst war gestern: Seit vergangenem Jahr sagt der Einzelhandel der Gratis-Tüte den Kampf an. Seitdem liegt die Verantwortung wieder beim Konsumenten, ob und wann er die käuflichen Alternativen in den Supermärkten in Anspruch nimmt

Fast jeder kennt das Bild der Meeresschildkröte, die durch einen Plastikring erst grotesk verformt wird und dadurch letztendlich umkommt. Wie ein Mahnmal erinnert sie die Menschen daran, welchen Effekt der rücksichtslose Umgang mit Plastik im Alltag auf die Natur hat. Ansätze, der Müllflut Herr zu werden, gibt es zahlreiche: Zuletzt hat der Computer-Hersteller Dell für die Verpackung seiner Notebooks Plastik aus den Weltmeeren recycelt.

Der Großteil des deutschen Einzelhandels, darunter auch die Supermarktketten wie Rewe, Aldi oder Edeka, hat im vergangenen Jahr die Herausgabe kostenloser Plastik-Tragetaschen an der Kasse gestoppt. Allein Rewe will so 140 Millionen Plastiktüten deutschlandweit einsparen. Die Einzelhändler kommen mit dieser Selbstverpflichtung aber lediglich möglichen Maßnahmen aus Brüssel zuvor. Denn eine EU-Richtlinie sieht vor, bis 2025 den jährlichen Verbrauch von 70 Plastiktüten auf 40 Stück pro Einwohner zu reduzieren. Und da der Einzelhandel für fast alle dieser Plastiktüten verantwortlich ist, lässt sich hier der Hebel mit der größten Wirkung ansetzen.

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Dennoch kommen auch die herkömmlichen Supermärkte nicht ganz ohne Plastik aus: Die dünnen Einweg-Plastiktüten für Obst und Gemüse werden weiterhin kostenlos ausgegeben. Aber wo gibt es noch welche Plastik-Tragetaschen an den Kassen – und wo nicht? Die Verbraucherzentrale bietet eine kurze Orientierungshilfe in puncto Tragehilfen. Aber wir zeigen: Es gibt auch Alternativen.

Fest steht: Umsonst war gestern, die Zeiten der Gratis-Tüten sind vorbei. Bei Aldi Nord und Penny liegen für die Kunden drei verschiedene Arten Tragetaschen bereit. Aldi Süd, Kaufland, Lidl und Netto bieten vier, Edeka und Kaiser's fünf, Norma und Real sieben verschiedene Sorten Taschen. Der Durchschnittspreis liegt knapp über 60 Cent.

Bei Aldi Süd bekommt man die billigste Einkaufshilfe: Zehn Cent kostet dort die Schlaufentragetasche aus Plastik, die mit 52 mal 76 Zentimeter auch die größte ist. Mit 1,99 Euro haben Kaiser's und Tengelmann bislang die teuerste Tasche, die dafür jedoch aus festerem Stoff gefertigt ist. Ob das auch nach der Übernahme durch Rewe und Edeka so bleibt, wird sich zeigen. Bei Großeinkäufen empfehlen sich Permanenttaschen, die mit bis zu 14 Kilogramm belastbar sind.

Plastiktüte über Koralle

Tüten für den Regenwald – oder doch ganz ohne?

In Deutschland hat Rewe die Plastiktüten aus dem Kassenbereich verbannt. In Österreichs Supermärkten, wo laut Greenpeace pro Minute rund 2000 Plastiktüten über den Ladentisch gehen, wurde das letzte „Plastiksackerl“ erst kürzlich zu Grabe getragen. Anfang Februar wurden die letzten Plastiktüten in die Filialen der Rewe-Supermärkte Billa, Merkur und Penny gebracht. Nach Aufbrauchen der Restbestände wird es hier nur noch Papier- und Permanenttragetaschen zu kaufen geben.

Das Berliner Startup Bonsum hat auch etwas gegen Plastik, und zwar eine besondere Einkaufstasche: Die Goodbag hilft dabei, mit jedem Einkauf den Regenwald zu retten. Das System funktioniert folgendermaßen: Der eingenähte Chip in der Tasche wird an der Kasse gescannt. Pro Taschen-Scan geht eine Spende an Projekte zur Erhaltung des Regenwalds.

Auch Tüten aus „Bio-Plastik“, Maisstärke oder Gratis-Kartons sind nicht immer die beste Lösung. Interessant ist, dass Tüten aus recyceltem Kunststoff gegenüber Jute- oder Baumwolltaschen in der Ökobilanz besser abschneiden: Erst nach hundertmaliger Benutzung liegt laut Naturschutzbund der Stoff-Beutel vorne. Wer wirklich sparen und die Umwelt schonen möchte, bringt einfach seine eigene Tasche, Rucksack oder einen Einkaufskorb mit.

Gänzlich auf Plastiktüten an der Kasse verzichtet die Bio-Supermarktkette Denn's, ebenso die Bio Company. Aber auch dort sorgen die Minitüten für Obst und Gemüse für Unmut bei den Kunden, wie Denn's letztes Jahr durch eine Petition feststellen musste. Wer ganz ohne künstliche Verpackungen einkaufen will, dem seien Original Unverpackt und andere verpackungsfreie Supermärkte ans Herz gelegt: Hier lässt sich quasi jedes selbst mitgebrachte Behältnis mit Lebensmitteln füllen. Selbst wer spontan vorbeischaut, bekommt statt Plastik Stoffbeutel und Gläser gestellt.

Dieser Artikel von Maria Steinwender erschien zuerst beim „enorm-Magazin“.

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