Mogelpackung adé – so einfach durchschaust du Etikettenschwindel

Lebensmitteldeklaration

Mogelpackung adé – so einfach durchschaust du Etikettenschwindel - Lebensmitteldeklaration

Inhaltsstoffangaben

von

Etikettenschwindel ist bei Lebensmittel omnipräsent. Wir essen schon lange nicht mehr, was auf dem Etikett steht – leider.

Rund 700 Beispiele für intransparente Kennzeichnung haben Verbraucherschützer auf dieser Website gesammelt. Ein Beispiel? Teekanne Teemischung „Felix Himbeer-Vanille-Abenteuer“. Die Abbildung zeigt groß die Beeren, und auf der Verpackung steht, dass „nur natürliche Zutaten drin“ sind. Weit gefehlt, denn weder Himbeere noch Vanille sind tatsächlich im Tee zu finden.

Dafür Hibiskus, Äpfel und Brombeerblätter sowie einige Aromen. Deshalb unterband der Bundesgerichtshof (BGH) Anfang Dezember den Vertrieb der Teemischung. Teekanne wusste das schon seit längerem, und vertreibt das Produkt schon lange nicht mehr. Warum dürfen Produzenten den Konsumenten so hinters Licht führen?

Schummeln, wo es nur geht

Weil es keine eindeutigen Gesetze gibt. Und weil einige Lebensmittelfirmen hochwertig aussehende, aber billigst produzierte Ware verkaufen möchten. Die Welt.de berichtet, dass die obersten Gerichte bei angezeigten Täuschungen „ausloten, was gerade noch geht“.

Ausgehen wird ihnen die Arbeit wohl noch lange nicht, denn pro Woche melden Konsumenten und Verbraucherschützer rund 40 bis 50 Täuschungsvorwürfe. Die gehen ebenfalls beim Portal „Lebensmittelklarheit“ ein. Das erweckt nicht gerade Vertrauen: Nur 29 Prozent der Deutschen trauen der Lebensmittelindustrie. Was teilweise zu beobachten ist, ist eine Frechheit. Das finden auch die Verbraucherzentralen.

Himbeer-Aroma statt Himbeeren

Lebensmittelkennzeichnung verbessert? Irrtum.

Dabei sah es vor einigen Monaten noch gut aus: Die neue Verordnung zur Lebensmittelkennzeichnung will für mehr Transparenz bei Inhalt und Qualität von Lebensmitteln sorgen. Egal ob es sich um Klebeschinken oder Analogkäse handelt – der Verbraucher soll mit einem Blick auf die Zutatenliste erkennen, was drin ist.

Der Focus schreibt, was drauf muss: „Wichtige allergieauslösende Stoffe, Nettofüllmenge der Packung, Einfrierdatum sowie Herkunftskennzeichnung. Dies sind verbindliche Pflichtangaben. Allerdings gilt letzteres nicht für alle Lebensmittel, nur für einen Teil der Lebensmittel.“ Zum Beispiel Obst, Gemüse, Eier.

Doch diese neue Lebensmittelkennzeichnung hilft vor allem den Produzenten bei der Herkunftsverschleierung. Sie bedeutet schlichtweg, dass die Herkunft verarbeiteter Produkte nicht mehr angegeben muss.

Und genau da liegt das Problem: Der Verbraucher weiß häufig nicht, was alles im Produkt drin ist oder woher sie kommen – ein gutes Beispiel ist „europäische“ Apfelschorle, mit Äpfeln aus China. Oder Dosentomaten aus „Italien“ – mit Tomaten aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Lächerliche Ausreden

Doch einige Großproduzenten kennen keine Scham, weder in der Herkunftsdeklaration noch in der Lügerei. Besonders unterhaltsam oder empörend ist das Beispiel vom Alpro „Mandeldrink“: Es soll „fein-sanft“ nach gerösteten Mandeln schmecken. Dabei bestehen gerademal zwei Prozent des Getränks aus den Nüssen. Wie rechtfertigen sich da die Hersteller?

Fokus schreibt dazu, dass sich Alpro allen Ernstes folgendermaßen erklärt: „Umfragen ergaben, dass Verbraucher den feinen Geschmack und das angenehme Mundgefühl des Mandeldrinks mit zwei Prozent Mandeln besonders mögen.“

Lächerlich? Ja.

Schwarzwaldschinken aus Amerika

Doch die Täuschung geht noch weiter. Insbesondere regionale Spezialitäten sind betroffen. Beispielsweise Dresdner Stollen, Allgäuer Emmentaler Käse oder Schwarzwälder Schinken. Da sollte eigentlich drei neue EU-Gütesiegel Abhilfe schaffen, auf die der Verbraucher zählen kann. Doch die verwirren mehr, als dass sie helfen. Das einzige Siegel, dass wirklich bestand hat, ist rot:

Rotes Siegel „geschützte Ursprungsbezeichnung“

Es kennzeichnet, dass das Lebensmittel an einem bestimmten Ort oder Region, nach festgelegtem, anerkanntem Verfahren hergestellt wurde.

Die beiden anderen Siegel sorgen für wesentlich mehr Spielraum bei der Herstellung:

Blaues Siegel „geschützte geografische Angabe“

Es sagt aus, dass es sich um ein Lebensmittel handelt, das vor Ort erzeugt, verarbeitet oder hergestellt wurde. Nur eine dieser Produktionsschritte muss erfüllt sein. Ein Beispiel? Schwarzwälder Schinken mit Fleisch aus den USA. Vollkommen legal.

Und noch ein blaugelbes Siegel „garantiert traditionelle Spezialität“

Es geht nur noch ums Rezept. Ein gutes Beispiel ist Feta, der heute meist „dänischer Weichkäse“ ist. Ursprünglich stammte er aus Griechenland. Feta darf aber jeder Hersteller seinen Weichkäse nennen.

Feta nicht mehr FetaSo durchschaust du den Etikettenschwindel

Die Welt.de berichtet von einem Tipp seitens Konsumentenschützern. „Nehmen Sie jedes Wort ernst. Ein Frischkäse ,mit Ziegenmilch' ist nicht dasselbe wie ein Ziegenkäse ,aus Ziegenmilch'." Bei Variante eins steckt wahrscheinlich mehr Milch von der Kuh als von der Ziege drin. Oder auch die beliebte „Kalbsleberwurst“ besteht überwiegend aus Schweineleber und Schweinefleisch. Lediglich 15 Prozent Kalb reichen, um sich mit dem Namen zu schmücken.

Auch ein Blick auf die Herstellerseite selbst lohnt oft. Dort werden die verschiedenen Produkte ausführlich dargestellt. So kann der Konsument einen direkten Vergleich mit den Version im Supermarkt ziehen.

Zahlreiche Internetseiten kümmern sich um die Anliegen der Verbraucher, wie beispielsweise Codecheck selbst oder die Verbraucherzentrale Hamburg. Auf solchen Seiten finden sich immer wieder Informationen zu Mogelpackungen oder Rückrufaktionen.

Ein Wort zu TTIP

Diese Gesetzeslücken könnten unser aller Gesundheit übrigens teuer zu stehen kommen. Denn diese Unterteilung könnte sich als fatal bei den TTIP-Verhandlungen erweisen. Die Befürworter sehen nämlich nicht ein, warum das Schweinefleisch für den Schinken oder die Milch für den Allgäuer Emmentaler NICHT von hormon- und antibiotikabelasteten Tieren aus den USA stammen sollte.

Mehr Kontrolle dank neuer Filter-Funktion in Codecheck-App

Codecheck hat neue Filter-Einstellungen in die Suchfunktion integriert. Du kannst ab sofort in allen Lebensmittel- und Kosmetikkategorien noch genauer nach deinen persönlichen Bedürfnissen filtern.

Bislang war es nicht möglich, Produkte eines Herstellers nach verschiedenen Inhaltsstoffen zu sortieren. Mit dem neuen Update hat sich das nun geändert. Ab sofort kann zum Beispiel explizit nach Fett reduzierten Bio-Pizzen oder silikonfreien Shampoo gesucht werden.

Die neue Version unser Applikation steht bereits in den Android- wie iOS-Appstores zum Herunterladen bereit.

Lass dich nicht mehr täuschen, du hast es in der Hand!

Und so funktionieren die neuen Filter-Einstellungen in den Lebensmittel- und Kosmetikkategorien:

Ich möchte den Codecheck-Newsletter abonnieren und keine News mehr verpassen

Codecheck.info
3.8/5 5 Stimmen

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

tee
Gesundheitsfördernde Effekte –
tee4
Gesundheitsgefahr Kräutertees? –
Fondue Weißwein
Schwere Mahlzeiten und Begleit-Getränke –

Ob gesund kochen oder schlemmen...

SWICA-Gesunder Gruss-Wettbewerb-650x371
Anzeige

Wettbewerb: Jetzt mitmachen und doppelt gewinnen

Eine gesunde Ernährung macht Spass und fördert das Wohlbefinden – bei SWICA gehört sie deshalb in den Bereich der Gesundheitsvorsorge. Sie unterstützt ihre Versicherten mit vielseitigen Gesundheitsangeboten rund um die Ernährung und attraktiven Präventionsbeiträgen. Hier erfährst Du, wie Du profitieren kannst. Zudem kannst Du gleich bei zwei Wettbewerben tolle Preise gewinnen.

Nachhaltigkeit im Badezimmer

seife

Diese Seifen enthalten kein Palmöl

Für die Industrie ist Palmöl günstig und vielseitig anwendbar – für die Umwelt eine Katastrophe. Grund genug, um es im Alltag zu vermeiden. Zum Beispiel beim Kauf von palmölfreien Seifen fürs tägliche Duschen. Weiterer Vorteil hier: Du sparst Verpackungsmüll und vermeidest Mikroplastik, welches nach wie vor in vielen Flüssigduschgels enthalten ist.