Woran Du gute Eiscreme erkennst
Es gibt doch nichts Besseres, als an einem warmen Sommertag ein erfrischendes, leckeres Eis zu schlecken. Ausgefallene Geschmacksrichtungen, appetitanregende Bilder und bunte verführerische Eisberge in Eisdielen können jedoch über darin enthaltene billige Öle, falsche Aromen oder künstliche Zusatzstoffe hinwegtäuschen. Prädikate wie "selbst gemacht" oder „aus eigener Herstellung“ sind da geschickte, wirkungsvolle Werbebotschaften. Aber verbergen sich dahinter etwa auch trügerische Mogelpackungen?
Die Temperaturen steigen, die Lust auf Eis ebenso. Fast acht Liter konsumiert jeder Deutsche pro Jahr. Der Großteil davon stammt aus dem Supermarkt, aber auch Eisdielen sind sehr beliebt. Mit einer cremigen Masse aus Sahne, Milch, Butter und Zucker hat Eis heutzutage jedoch in vielen Fällen nur noch wenig zu tun. Vor allem wenn es sich um industriell hergestelltes Eis für Supermärkte und Restaurants handelt. Stattdessen findet man darin immer häufiger billige Fette und Öle, die gute, gesunde Zutaten ersetzen. Und alles nur, um wie bei Analogkäse oder Gelschinken Geld zu sparen - auf Kosten der Verbrauer:innen. Eis aus der Eisdiele muss nicht zwingend „selbst gemacht“ sein, denn es kann auch aus Eispulver hergestellt sein.
Palmöl, synthetische Süßstoffe und künstliche Farbstoffe
Immer öfter verwenden Eishersteller anstelle von echter Butter künstliches Butteraroma und anstatt Milchfett billiges Palm- oder Kokosfett. 2021 haben wir 1.521 Eiscreme-Produkte aus unserer CodeCheck-Datenbank auf Palmöl untersucht. Das Ergebnis: 163 Produkte (10,7%) enthalten mindestens eine Palmöl-Zutat, 1.359 Produkte (89,3%) keine Palmöl-Zutaten. Dabei wurde jedoch festgestellt, dass auch viele grüne Eiscremes Zutaten der Kategorie "Kann Palmöl enthalten“ aufweisen. Dieser Status einer Zutat wird benutzt, wenn die Quelle des Palmölanteils nicht offengelegt oder nicht angegeben ist und die Möglichkeit besteht, dass es sich nicht um Bio- oder umweltfreundliches Palmöl handelt. Für Klarheit hilft nur Nachfragen beim Hersteller selbst.
Aber wie sieht es heute aus? Nach einer Umfrage von 2022 gaben vom WWF befragte Unternehmen an inzwischen nur noch zertifizierte Ware einzusetzen. Der Druck von NGOs und Verbrauchern scheint also gewirkt zu haben. Allerdings wird das Problem oft verschoben, denn stattdessen steckt oft ein vielfaches mehr an Kokosöl im Eis.
Diese Produkte besitzen eine gute CodeCheck-Bewertung, enthalten aber Inhaltsstoffe, die „aus Palmöl bestehen können“:
Neben Palmöl setzen die Hersteller von Eiscreme weitere Stoffe ein, die von der „Verbraucherzentrale Hamburg“ mit „Verzehr einschränken“ oder „nicht für den Verzehr geeignet“ eingestuft wurden. Dazu zählen vor allem künstliche Aromen und Süßstoffe oder Farbstoffe, die Du an dem Zusatz E erkennst. Mit der Zusammenführung der Gesetze in der EU stieg die Anzahl von 265 zugelassenen E-Stoffen in Deutschland auf 300. Ein häufiger Inhaltsstoff in Eiscreme ist E407 Carrageen, ein Füll- oder Quellstoff, welcher mit entzündlichen Darmerkrankungen in Verbindung gebracht wird. Bestimmte Carageene mit kleinem Molekulargewicht gelten sogar als potentiell krebserregend. Auch diese können zu einem gewissen Anteil in E407 vorhanden sein. E476 Polyglycerin-Polyricinoleat führte in Tierversuchen zur Vergrößerung von Niere und Leber. Hinter E450i verbirgt sich Phosphat, das unter anderem zu Knochenschwund (Osteoporose) und Herz-Kreislauf Krankheiten führen kann. Darüber hinaus entdeckten wir E967 Xylit, das nur eingeschränkt verzehrt werden sollte, weil es Durchfall und Blähungen verursachen kann. Weitere Inhaltsstoffe, die Du in Eiscreme vermeiden solltest sind: E950 Acesulfam-K, E150c Ammoniak-Zuckerkulör, E150d Ammoniumsulfit-Zuckerkulör und E951 Aspartam.
Etikettenschwindel mit billigen Zutaten
Auch bei der Deklaration nutzt die Eisindustrie diverse Tricks, um ihre Mogelpackungen attraktiv zu gestalten. Daher ist es umso wichtiger, die Unterschiede zwischen den einzelnen Eissorten zu kennen. Nach den Leitsätzen des "Deutschen Lebensmittelbuches für Speiseeis“ wird unter anderem zwischen Creme-Eis, Rahmeis / Sahneeis, Milcheis, Eiscreme und Fruchteis unterschieden. Während Creme-Eis mindestens 50 Prozent Milch und eine festgelegte Menge an Ei enthalten muss, sind es bei Eiscreme nur noch 10 Prozent Milchfett. „Eiscreme“ findet man tatsächlich nur noch selten in den Tiefkühltruhen. Die meisten sind als „Eis“ deklariert und fallen daher nicht unter die genannten Kategorien.
Bei Aromen wird ebenfalls gern geschummelt. Einige Hersteller mischen neben echter Vanille synthetische Aromen ins Eis. Vanillin wird aus Reis oder aus Sulfitablauge hergestellt, die bei der Zellstoff- und Papierherstellung anfällt. Eigentlich darf „Vanilleeis“ nur so bezeichnet werden, wenn es ausschließlich Aroma aus der Vanilleschote enthält. Da es sich jedoch lediglich um freiwillige Leitlinien für Speiseeis und nicht um rechtsverbindliche Verordnungen handelt, machen Hersteller von diesen Schlupflöchern gern Gebrauch. Bei Fruchteis ist beispielsweise der Fruchtanteil nicht immer so hoch wie eigentlich mit mindestens 20 Prozent Frucht vorgeschrieben.
Darauf solltest Du beim Kauf von Eiscreme achten
- Checke die Zutatenliste: Sind pflanzliche Öle und Fette enthalten, ist das ein Hinweis darauf, dass an Milch und Sahne gespart wurde.
- Steht „Eis“ auf der Verpackung, ist neben Milch und Sahne meist auch günstiges Fett enthalten. In „Eiscreme“ steckt dagegen nur teureres Milchfett. Damit ist es hochwertiger als „Eis“.
- Halte die Augen offen nach künstlichen Aromen wie Vanillin. Die typischen kleinen schwarzen Punkte in Vanilleeis müssen nicht zwingend von Vanillemark stammen, sondern können auch von gemahlenen minderwertigeren Vanilleschoten sein.
- Lass Dich von den Deklarationen und Zutaten nicht in die Irre führen. Oft ist keineswegs viel Sahne oder Milch enthalten, sondern großenteils Kokosfett.
- Beim Kauf von Fairtrade-Eis isst das gute Gewissen mit. Für die Herstellung von Eis werden hier in erster Linie Zucker, Kakao, Vanille und Bananen aus Entwicklungsländern importiert. Viele Fairtrade-Sorten sind zudem Bio und enthalten keine künstlichen Aromen, Farbstoffe, Konservierungsmittel, zusätzliche Fette oder industriell raffinierten Zucker.
- Meide Eisdielen, die viele bunte Eissorten in unnatürlichen Farben anbieten. Sie enthalten oft künstliche Farbstoffe und Industrieprodukte.
- „Aus eigener Herstellung“ oder „selbst gemacht“ sind nicht immer Qualitätsmerkmale, da sie nicht gesetzlich definiert sind. Eisdielen können Fertigpulver anrühren oder geliefertes Grundeis anreichern.
- Kunstvolle, cremige Eisberge sind ein Indiz für den Einsatz von künstlichen Emulgatoren, die dafür sorgen, dass sich das Fett nicht absetzt, sondern auch über einen längeren Zeitraum gleichmäßig verteilt. Emulgatoren werden auch gern bei Eis mit luftiger Konsistenz verwendet. Achte bei Eispackungen daher neben der Liter- auch auf die Gewichtsangabe. Eis in billigeren Packungen erhält oft eine Menge Luft.
- Wenige Sorten lassen auf handwerklich hergestelltes Eis schließen, ebenso wie kreative Sorten, die oft durchwechseln.
- Bei großen Kugeln für einen Euro solltest Du skeptisch sein, denn bei diesem Angebot muss man Fertigmischungen mit künstlichen Aromen vermuten.
- Auch die Eiswaffel kann bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten, so zum Beispiel umweltschädliches Palmöl.
- Frage in der Eisdiele Deiner Wahl nach der Zutatenliste, wenn Du sicher gehen willst. Eisdielen sind jedoch nicht dazu verpflichtet, die Inhaltsstoffe anzugeben. Nur Allergene und einige Zusatzstoffe wie Farbstoffe müssen offen kommuniziert werden.
- Eine echte Alternative ist selbstgemachtes Eis. Keine künstlichen Farb- und Aromastoffe, gesund und ganz nach Deinem persönlichen Geschmack zubereitet.
Diese Eiscremes können wir empfehlen
Wir haben für Dich unsere Datenbank gecheckt und können Dir folgende Eiscremes empfehlen. Sie enthalten weder Palmöl noch irgendwelche anderen schädlichen Stoffe.
Quellen
