Wie Glyphosat unsere Umwelt und Gesundheit gefährdet

Nach erneuter Zulassung

Wie Glyphosat unsere Umwelt und Gesundheit gefährdet - Nach erneuter Zulassung

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Die Karriere des meistverwendeten Unkrautvernichtungsmittel der Welt geht weiter: Die EU-Länder haben für eine Weiterzulassung von Glyphosat gestimmt. Doch das Herbizid beeinträchtigt Umwelt und Artenvielfalt massiv. Und auch für den Menschen ist es nicht ungefährlich, denn es steht in Verdacht krebserregend zu sein. Ein Überblick.

Aktuelle politische Situation

Am 15. Dezember sollte die Zulassung für Glyphosat in Europa auslaufen. Entscheidungen über dessen Wiederverlängerung waren immer wieder vertagt worden. Zuletzt im Oktober als herauskam, dass das „Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung“ (BfR) in einem – Glyphosat als nicht bedenklich einstufenden – Bericht an die „Europäische Kommission“ ganze Textpassagen von „Monsanto“-Studien einfach kopiert hatte.

Am Montag passierte es dann doch: 18 EU-Länder stimmten für eine erneute Zulassung auf weitere fünf Jahre – darunter Deutschland. Deutschland im Namen von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU), der damit eigenständig und gegen den Willen der SPD entschied und damit nun stark in der Kritik steht. Rücktrittsforderungen werden laut. Doch: Was ist Glyphosat überhaupt?

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Das Breitband Herbizid Glyphosat

Glyphosat wird als Herbizid gegen Unkraut in der Landwirtschaft oder Garten eingesetzt – dabei wirkt es nicht-selektiv gegenüber bestimmten, sondern gegen alle Pflanzen. Diese nehmen den Wirkstoff vor allem über die Blätter auf, wo er dann die die Produktion von Aminosäuren blockiert und die Pflanze absterben lässt. In Deutschland wird Glyphosat deshalb in der Regel verwendet, bevor die Nutzpflanzen ausgesät werden.

Das erste glyphosathaltige Mittel gegen Unkraut wurde unter dem Namen „Round-up“ von dem US-amerikanischen Konzern „Monsanto“ auf den Markt gebracht und dazu gentechnisch verändertes Saatgut für Nutzpflanzen angeboten, die den Wirkungen von „Round-up“ standhalten.

Mittlerweile sind die Patentrechte des Konzerns an Glyphosat ausgelaufen und so wird die Substanz von verschiedenen Unternehmen verkauft – weltweit ist es das am meisten verwendete Herbizid. In Deutschland sind 84 verschiedene glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel auf dem Markt. Kein Wunder also, dass es auf 40 Prozent der Ackerflächen hierzulande zu finden ist.

Dort sind nun teilweise resistente Unkräuter zu finden, gegen die das Mittel nicht mehr wirkt. Hier kommt das Herbizid Dicamba, ein anderes Unkrautvernichtungsmittel, zum Einsatz, das sich schnell verflüchtigt, also Gase bildet, die vom Wind in die weite Umgebung getragen werden.

Für die Landwirtschaft wird das Glyphosat als ertragssteigernd beworben – dabei gilt das Herbizid als gefährlich für den Menschen und die Umwelt, wie eine Vielzahl von Untersuchungen deutlich macht.

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Zerstörung der Artenvielfalt

Die Auswirkungen von Glyphosat auf die Pflanzenwelt der Ackerflächen sind massiv. Auch auf anliegenden Flächen können nach dem Einsatz des Herbizids keine Wildpflanzen wachsen, indirekt wird damit auch die Tierwelt beeinflusst. Denn weniger Pflanzen heißt auch weniger Nahrung und damit weniger Lebensgrundlage für die Fauna. So sind laut dem „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) 30 Prozent der auf und um Ackerflächen lebenden Vogelarten gefährdet.

Ebenfalls der Lebensraum von Insekten wird durch den Einsatz des Herbizids ebenfalls empfindlich gestört, wie ein aktuelle Studie bestätigte: In den letzten 27 Jahren gab es einen Rückgang der Fluginsekten von insgesamt 75 Prozent.

Gelangt die Substanz über den Boden und Auswaschungen in Gewässer, sind auch Wasserlebewesen von der Wirkungsweise beeinträchtigt. Laut „BUND“ sind beispielsweise in Brandenburg Kleinstgewässer nahe der Ackerflächen belastet und auch in kommunalen Kläranlagen wurde das Pflanzengift nachgewiesen.

Fleißige Biene

Gesundheitsrisiko für den Menschen

Und nicht nur über das Wasser, sondern auch als Rückstand auf Lebensmitteln, kann Glyphosat in den menschlichen Körper gelangen. Das „Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft“ schreibt: „Auch bei sachgerechter und bestimmungsgemäßer Anwendung von Pflanzenschutzmitteln können Rückstände auf dem jeweiligen Lebensmittel verbleiben.“

Laut verschiedenen Studien können bei 70 Prozent der deutschen Bevölkerung Glyphosat-Rückstände im Urin nachgewiesen werden, auch bei Personen, die keinen direkten Kontakt mit dem Pflanzengift haben. Dabei ist der für Tiere und Umwelt gefährliche Stoff auch für Menschen keineswegs unbedenklich. Landwirte klagen über Atembeschwerden und Hautausschlag. Und auch mehrere Untersuchungen zeigen: Bei einem direkten Kontakt mit „Round-up“ kam es zu Erbrechen, Durchfall oder verschwommener Sicht.

2015 stufte die „Internationalen Krebsforschungsagentur“ (IARC) der WHO Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein – damit stellte sie sich gegen die Einschätzungen vieler Einrichtungen wie dem „Deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung“ (BfR), der „Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit“ (EFSA) oder der „Europäischen Chemikalienagentur“ (ECHA).

Seitdem ist die Diskussion um Glyphosat noch heißer entflammt.

Was Du tun kannst:

Greife bei Deinem Einkauf auf Produkte aus ökologischer Landwirtschaft zurück, denn hier sind Substanzen wie Glyphosat verboten. Auch bei Deiner Gartenarbeit solltest Du auf „Roundup“ und andere glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel verzichten.

Die Organisationen „foodwatch“ und „campact“ haben zudem Appelle gestartet, wo Du Dein Nein zu Glyphosat mit Deiner Unterschrift deutlich machen kannst.

Übrigens: Frankreich hatte gegen eine erneute Glyphosat-Zulassung gestimmt und sich „nur“ für eine Weiterzulassung von drei Jahren ausgesprochen. Via Twitter kündigte Präsident Emmanuel Macron jetzt an, den Glyphosat-Einsatz – gegen die EU-Entscheidung – nach spätestens drei Jahren zu stoppen oder sogar früher, sobald eine Alternative gefunden werde.

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