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Wenn Bewegung ungesund wird: Giftige Textilien

Schädliche Stoffe in Sportmode

Wenn Bewegung ungesund wird: Giftige Textilien - Schädliche Stoffe in Sportmode

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Viele Sport-, Outdoor- oder Yogafirmen geben sich naturverbunden. Die Produkte, die sie verkaufen, passen mit dieser Philosophie jedoch oft nicht zusammen. Sportmode muss heutzutage einiges leisten, wie zum Beispiel atmungsaktiv, wind- oder wasserfest sein – was sich meist nur mit künstlichen Materialien und Spezialstoffen, sogenannten per- und polyfluorierten Chemikalien, realisieren lässt. Das tut weder dem Körper noch der Umwelt gut! Worauf Du achten solltest.

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Naturfasern wurden aus der Textilindustrie fast vollständig vertrieben. Synthetische Fasern machen heutzutage knapp 70 Prozent des Materials konventioneller Textilien aus, denn sie sind langlebig und vor allem unschlagbar günstig.

Allerdings werden synthetische Textilien aus dem Grundstoff Erdöl hergestellt. Ein nicht nachwachsender Rohstoff. Außerdem wird bei der Erzeugung einer synthetischen Faser etwa doppelt so viel Energie verbraucht, wie bei der Herstellung von Natur- wie z. B. Baumwollfasern. Auch wenn Hersteller hier zunehmend bemüht sind, diese Werte zu senken.

Synthetische Fasern sind aus Sport- oder Yogamode allerdings heute kaum mehr wegzudenken. Fasern aus beispielsweise Polyester oder Nylon sind besonders form- und reißbeständig und gelten als sehr elastisch. Zudem nehmen diese Fasern nur wenig Feuchtigkeit auf.

Gefährliche Chemikalien in Outdoormode

Auch in der Outdoormode sind die künstlichen Stoffe zu einem absoluten Muss geworden. Denn egal ob Regenjacke, Skibekleidung oder Bergsteigerequipment – Outdoorbekleidung soll Feuchtigkeit abtransportieren, windabweisend sowie wasserfest sein und zusätzlich möglichst nicht beschweren.

Diesen hohen Ansprüchen können scheinbar nur Synthetikstoffe und Spezialmembranen mit chemischen Nachbehandlungen gerecht werden, herkömmliche Naturfasern kommen dagegen fast nicht mehr an.

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Synthetik – schädlich für Mensch und Umwelt

Mit ihrer Funktionalität kann die künstliche Powerfaser also punkten, aber kann so viel Synthetik gut sein für Mensch und Umwelt?

Umweltschützer kritisieren die Techniken der Textilindustrie schon seit Langem: Denn der Einsatz giftiger Farben, bakterientötender Biozide oder Schwermetallen sei leider keine Seltenheit.

„Greenpeace“ untersuchte 2016 verschiedene Outdoorprodukte auf gefährliche Chemikalien. Die Ergebnisse sind erschreckend: Neben Weichmachern, Nonyphenolen und giftigem Antimon wurden auch vermehrt poly- und perfluorierte Chemikalien (PFCs) in qualitativ hochwertigen Markenprodukten nachgewiesen – darunter „Jack Wolfskin“, „The North Face“, „Patagonia“ oder „Mammut“.wandern2

PFCs gelten als fruchtbarkeitsschädigend

Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFCs) werden aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften – sie sind nämlich fett-, schmutz- und wasserabweisend – beispielsweise in Regenjacken, Zelten und Schuhen verwendet. Haupteinsatzgebiet sind leistungsstarke Membranen sowie wasserabweisende Beschichtungen, auch bekannt als Gore-Tex. Die Textilien werden zusätzlich zu den eingesetzten Fluor-Membranen meist auch mit Fluorgruppen tragenden Polymeren behandelt, die für eine noch bessere Wasser- und Schmutzabweisung sorgen.

So ist man zwar vor miesem Wetter gut geschützt, wird aber dafür womöglich dennoch im Regen stehen gelassen. Denn einige PFCs gelten als fruchtbarkeitsschädigend und eventuell sogar krebserregend.

Vergiftete Abwässer durch den sportlichen Look

Zudem lassen sich PFCs in Kläranlagen nicht abbauen. PFC besteht nämlich aus unterschiedlich langen Kohlenstoffketten, deren Wasserstoffatome entweder vollständig oder teilweise durch Fluoratome ersetzt wurden, wodurch die Verbindung besonders stabil wird.

Das heißt: Durch unsere gewaschene Kleidung gelangen PFCs über den Klärschlamm ins Grundwasser und somit auch in die auf den Feldern angebauten Pflanzen. Zum anderen verteilen sie sich in Flüssen und Meeren global und konnten so bereits in der Antarktis nachgewiesen werden.

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Doch es geht noch weiter: Bei der Herstellung und Verarbeitung der schicken Jacken, Fleece Pullis und Trekkingschuhe kommt es zu PFC-kontaminierten Abwässern, die vor allem in Asien und Mittelamerika die Flüsse und Trinkwasserkontingente vergiften.

Gerade in den Fabriken außerhalb der EU werden die Trennung und Aufbereitung von wassergefährdenden Chemikalien alles andere als konsequent eingehalten.

Bei der Produktion kann PFC aber auch in die Luft, den Hausstaub oder unsere Nahrung gelangen und so den Weg in unseren Körper finden. Verschiedene Untersuchungen konnten den Stoff im menschlichen Blut und sogar in Muttermilch nachweisen.

Baumwolle als Alternative?

Wer nicht gerade durch Wind, Wetter und Regen stapfen muss, könnte auf Synthetik doch eigentlich komplett verzichten. Doch sind Naturfasern wie Baumwolle die Lösung. Baumwollpflanzen brauchen sehr viel Wasser und werden gerade dort angebaut, wo dieses ohnehin knapp ist: in Zentralasien, China, Indien und Teilen der USA. Dazu benötigen Baumwollplantagen meist große Mengen Dünger und Pestizide. Außerdem stammt ein Großteil der weltweit geernteten Baumwolle aus genveränderten Pflanzen.

Bio-Baumwolle stellt eine gute Alternative dar, weil bestimmte Spritzmittel und der Einsatz von genveränderten Pflanzen verboten sind. Allerdings bezieht sich das Bio-Siegel nur auf die angebaute Baumwolle. Es sagt nichts über die Verarbeitung des Kleidungsstücks aus, mit welchen Mitteln sie gefärbt wurden und ist auch keine Gewähr dafür, dass bei der Produkten der Kleidung bestimmten sozialen Mindeststandards eingehalten wurden.

Siegel für faire und umweltverträgliche Kleidung

Hier bieten Siegel wie „Global Organic Textile Standard (GOTS)“ und die „Fair Wear Foundation (FWF)“ Orientierung. Mit dem sogenannten „Grünen Knopf“ kommt nun auch das erste staatliche Siegel für faire und umweltverträgliche Kleidung auf den Markt. 26 Sozial- und Umweltstandards müssen Produkte erfüllen, um es tragen zu dürfen. Zum Start des Grünen Knopfs sind Unternehmen wie Tchibo oder die Otto Group dabei. Kritiker bemängeln hier daher die bisher noch etwas zu laschen Bestimmungen.

Detox-Kampagne von „Greenpeace“

„Greenpeace“ rief die Detox-Kampagne ins Leben, die sich gegen die Produktionsbedingungen der konventionellen Textilindustrie richtet und sich für nachhaltige, saubere Mode einsetzt.

„Greenpeace“ fordert: Weniger schädliche Stoffe und Materialien in Kleidung! Schon 79 Unternehmen, haben sich den Detox-Verpflichtungen bereits angeschlossen und wollen dazu beitragen die gesamte Produktion bis 2020 zu entgiften.

Teil der Strategie sind auch regelmäßige Kontrollen der produzierten Kleidung, um zu überprüfen, ob die Vereinbarungen von den Unternehmen auch tatsächlich eingehalten werden.

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Mangelnde Kennzeichnung

Damit ist ein erster Schritt in die richtige Richtung getan. Doch wie kann man sich als Verbraucher sicher sein, keine Textilien zu kaufen, die schädliche Stoffe enthalten?

Etiketten geben nämlich meist keinen Aufschluss darüber, welche Chemikalien genau verwendet wurden. Laut der Textilkennzeichnungsverordnung muss nur der Textilrohstoff – also beispielsweise Kunstfaser oder Baumwolle – auf dem Etikett vermerkt sein. Mit welchen anderen Stoffen das Material behandelt wurde, ist fast nicht rauszufinden.

Einige Siegel können eben gewährleisten, das gewisse Standards bei der Produktion und der Auswahl der Materialien berücksichtigt wurden.

Am besten ist es deshalb, sich bereits im Vorfeld über nachhaltige und giftfreie Sportmodemarken zu informieren, wie beispielsweise auf der Plattform „getchanged.de“. Dort finden sich viele Hersteller,, die sich einer nachhaltigen Verarbeitung ihrer Produkte mit unbedenklichen Materialien verschrieben haben.

Alternative Membranen aus Wachs, Paraffinen oder Milch

Aber eignen sich die natürlicheren Produkte auch für den hartgesottenen Outdooralltag?

Ja – wer nicht unbedingt eine Himalaya-Expedition bestreiten möchte, wird auch bei alternativer, PFC-freier Sportbekleidung fündig. Denn meist ist eine Gore-Tex-Ausrüstung nicht einmal nötig.

Wer Outdoor-Kleidung für den durchschnittlichen Gebrauch bei Wind und Wetter verwenden möchte, ist auch mit Jacken gut beraten, die von außen imprägniert sind und eine alternative, dichte Membran in der Innenseite besitzen. Hersteller wie“ Zimtstern“ und „Vaude“ setzen beispielsweise schon auf Membranen aus Polyester oder Polyurethan.

„Vaude“ stellte sogar kürzlich sein ganzes Sortiment um und verwendet statt PFC einen Stoff namens „Qmilk“ – einer biologisch abbaubaren Faser aus Milch. Auch Wachse, Paraffine und Silikone befinden sich als Alternative zu den giftigen Stoffen bereits auf dem Markt. In Sachen Winddichte und Atmungsaktivität sind die Alternativen gleichauf mit den bedenklichen Inhaltsstoffen, nur bei der Öl- und Schmutzabweisung punktet noch das umstrittene PFC.

Auf Langlebigkeit und Qualität setzen

Klar ist er verführerisch, schnell beim einschlägigen Sportswear-Discounter Outdoor- und Sportbekleidung zum Schnäppchenpreis zu shoppen.

Das wichtigste Kriterium für eine gute Ökobilanz von Kleidung ist aber die Langlebigkeit. Denn egal, ob es sich um Stoffe aus Baumwolle, Bio-Baumwolle oder Chemiefasern handelt: Je länger Kleidung getragen wird, desto besser fällt auch die Umweltbilanz aus. Setze daher unbedingt auf Qualität, statt Schnäppchenpreise.

Ein Problem bleibt bestehen: Mikroplastik

Laut einer EU-Studie von Life Mermaids kann eine Fleece-Jacke bis zu einer Million Fasern pro Waschgang freisetzen, ein Schal aus Synthetikmaterial immerhin noch 300.000. Allein Europas Waschmaschinen spülen so jährlich 30.000 Tonnen Synthetikfasern ins Abwasser und damit in unsere Meere.

Doch es geht hier nicht nur um Sport- und Outdoor- sondern auch um unsere Alltagskleidung: Weltweit enthalten rund 70 Prozent der Kleidung Polyester- , Nylon- oder Polyacrylfasern – Tendenz steigend. Nach Angaben der „IUCN“ werden jedes Jahr 42 Millionen Tonnen synthetische Textilfasern produziert. In den Jahren 1992 bis 2010 stieg allein dieser Wert um 300 Prozent.

Erfindungen wie der „GUPPYFRIEND“ können hier eine Zwischenlösung sein: Wäsche aus Synthetikfasern wird in diesem Waschbeutel gewaschen und Mikroplastik sammelt sich in den Ecken. Die Fasern können danach im Restmüll entsorgt werden.

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Weiterführende Links:

- Jahresprognose weltweite Faserproduktion 2018

- Ist Baumwolle umweltfreundlicher als Kunstfaser?

- Greenpeace Untersuchung zu gefährlichen Chemikalien in Outdoor-Kleidung

- REACH-Einschätzung zu Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFCs)

- Besorgniserregende Eigenschaften von PFC (UBA)

- Studien zu PFC in Blut und Muttermilch

- „Detox-Kampagne“ von Greenpace

- EU Studie zu Synthetikfasern aus Kleidung

- Mode über das „Fair Fashion“ Netzwerk „Get Changed“ finden

- Link zu Gupppyfriend

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