Warum wir nicht mehr einfach offline sein können

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Warum wir nicht mehr einfach offline sein können - Digital Detox

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Die Informations- und Nachrichtenflut, die uns die moderne Kommunikation beschert, kann bei Smartphone- und PC-Nutzern zu chronischem Stress führen. Dennoch scheinen viele ihre Geräte nicht einfach mal herunterfahren zu wollen. Aus welchem Grund?

Egal ob bei der Arbeit oder in der Freizeit: Jeder Mensch, der sich dem Web nicht verschließt, bekommt regelmäßig E-Mails und Textnachrichten. Wer zudem noch bei Sozialen Medien wie Facebook oder Twitter aktiv ist, wird quasi permanent angeschrieben.

Jede Nachricht hat Stresspotential

Eine Reihe von Studien hat bereits nachgewiesen, dass sich der Stresslevel mit dem Erhalt einer Mitteilung erhöht. Sowohl die empfundene Verpflichtung, erreichbar zu sein und sofort reagieren zu müssen, als auch die Unterbrechung einer Aktivität, auf die man sich gerade konzentriert, machen Onlinern den Untersuchungen zufolge das Leben schwer. Ein britischer Psychologe hat herausgefunden, dass das Wissen um eine ungeöffnete E-Mail sogar den eigenen IQ um zehn Punkte senkt.

Nach Meinung des US-Neurowissenschaftlers Daniel J. Levitin ist der Dauerstress auf die Überlastung unseres Verstands zurückzuführen: „Das menschliche Gehirn hat sich in vergleichsweise informationsarmen Zeiten entwickelt und ist permanente Push-Meldungen nicht gewohnt. Jede Facebook-Benachrichtigung verlangt im Grunde eine Entscheidung: Jetzt oder später antworten?“, fasst das österreichische Nachrichtenportal „Der Standard“ seine Erkenntnisse zusammen. Das würde Energie kosten.

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Ständige Anspannung führt zu gesundheitlichen Problemen

Die indirekten Folgen dieser anhaltenden Belastung können vom Hervorrufen einer inneren Unruhe bis hin zur Entwicklung eines Burnouts oder einer Depression reichen. Auf lange Sicht stört das Multitasking zwischen der Online- und der Offline-Welt außerdem das Erinnerungsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit. Daher, folgert „Der Standard“, nehmen stets aufmerksame Smartphone-Nutzer „Dinge des Alltags nicht mehr bewusst wahr und behalten sie auch schlechter im Gedächtnis.“

Dopamin als Belohnung für immer neues Input

Es scheint eine simple Möglichkeit zu geben, dem entgegenzusteuern – abschalten. Doch so leicht ist das eben nicht. Denn unser Gehirn hat eine Vorliebe für Neuigkeiten. Stillen wir unsere Neugier, indem wir etwas in Erfahrung bringen, belohnen uns unsere grauen Zellen mit der Ausschüttung des Wohlfühlbotenstoffs Dopamin.

Mit der Zeit entwickelt sich ein Verlangen, das durch Dopamin hervorgerufene Glücksgefühl wieder und wieder zu verspüren. Dieser Drang nach neuen Erfahrungen und News, so formuliert es Levitin, werde durch das Piepsen am Smartphone befriedigt. Er löst gewissermaßen einen Pawlow’schen Reflex aus.

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Bloß nichts versäumen

Umgekehrt wächst die Angst etwas zu verpassen mit jeder Minute, in der der Nutzer seine Benachrichtigungen nicht checkt. Wie eine auf „Spektrum“ erörterte Studie ergab, leiden vor allem junge Erwachsene darunter. Sie befürchten, ein versäumtes Event würde sie weniger beliebt und weniger aktiv erscheinen lassen. So gesehen ist also auch der soziale Druck ein wesentliches Argument der Always-On-Vertreter, auf ihren Kommunikationswegen zu bleiben.

Mit festen Strukturen gegensteuern

Um nicht in der Nachrichtenflut zu ertrinken, ist es nach Ansicht zahlreicher Experten notwendig, eine Struktur in die Smartphone/Computer-Nutzung zu bringen. Dazu zählt die Festlegung klarer Nutzungszeiten, die Einrichtung „smartphonefreier Zonen“ und immer eine Sache nach der anderen zu erledigen.

Außerdem helfen Apps und Programme dabei, Nachrichten nach deren Priorität zu ordnen oder das Nutzungsverhalten zur Selbstkontrolle zu messen. Gegenüber „Welt“ empfiehlt Michael Knothe vom „Fachverband Medienabhängigkeit“ ein Konsumtagebuch als analoge Alternative. Darin solle festgehalten werden, „was man früher gern gemacht hat und gerne wieder mehr machen würde.“ Das helfe bei der Einschätzung, wie viel Raum das Handy einnimmt, und wecke die Lust auf andere Beschäftigungen.

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Kleine Schritte zum selbstbestimmten Umgang

Ein erster Schritt ganz vom Smartphone wegzukommen könnte der gute alte Wecker sein. Denn wer das Mobiltelefon in die Hand nimmt, um morgens den Alarm abzustellen, läuft Gefahr, doch gleich wieder die Mitteilungen durchzugehen.

Ein guter Start für einen kleinen digitalen Entzug wäre außerdem, das Handy bei Unternehmungen zu Hause zu lassen. Bei geselligen Treffen oder einem Spaziergang sollten ohnehin andere Dinge im Vordergrund stehen. Womöglich wird aus ein paar Stunden offline ganz ohne „RE:-Druck“ dann schnell ein ganzer Tag oder sogar ein ganzes Wochenende.

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