Warum im Flugzeug Tomatensaft schmeckt

Es gibt eine logische Erklärung

Warum im Flugzeug Tomatensaft schmeckt - Es gibt eine logische Erklärung

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Gehörst Du zu den Menschen, die so lange sie festen Boden unter den Füßen haben nie – aber auch wirklich nie – einen Tomatensaft bestellen? Und sobald sie im Flieger sitzen, wird der rote Gemüsesaft für sie zum Genuss zwischen Himmel und Erde. Es gibt eine wissenschaftliche Erklärung dafür, warum so viele Menschen plötzlich Tomatensaft im Flugzeug trinken …

Laut dem „Internationalen Luftfahrtverband“ (IATA) fliegen jährlich mehrere Milliarden Fluggäste um die Welt. Täglich sind es etwa acht Millionen Passagiere weltweit, die per Flugzeug reisen. 27.000 Flugzeuge fliegen täglich über Europa. In Deutschland starteten noch vor drei Jahren drei Millionen Flugzeuge, die über 180 Millionen Fluggäste ans Ziel brachten. Frankfurt – der meistbeflogene deutsche Flughafen – beförderte laut „Focus“ allein 58 Millionen Passagiere.

Tomatensaft beliebter als Bier

Fakt ist: Es gibt einen enormen Luftverkehr und die Passagiere an Bord wollen natürlich verköstigt werden. Klar ist, die Bestellungen nach Wasser, Wein, Bier und Orangensaft gehören zum Standard und werden im Flieger gerne gewählt. Doch übermäßig häufig hört man eben auch den Satz: „Einen Tomatensaft, bitte.“ Viele Passagiere bestellen in luftiger Höhe plötzlich Tomatensaft, obwohl sie ihn im Alltag gar nicht so oft trinken, vielleicht noch nicht einmal mögen.

Als die „Deutsche Lufthansa“ vor einigen Jahren den Getränkekonsum an Bord analysierte, stellte sie fest, dass mehr Tomatensaft als Bier getrunken wird. Ungewöhnlich, gilt Deutschland als Biernation: Die Deutschen lieben ihr Bier und die deutsche Braukunst ist weltweit berühmt. Dass also bei einer deutschen Airline mehr Tomatensaft als Bier ausgeschenkt wird, überrascht. Die Analyse zeigte nämlich, dass die Passagiere ein bisschen mehr Tomatensaft getrunken haben: 1.7 Millionen Liter Tomatensaft gegenüber 1.65 Millionen Liter Bier.

tomatensaft

In der Luft schmeckt Tomatensaft besser

Um diesem Phänomen nachzugehen, beauftragte Lufthansa das „Fraunhofer-Institut“. Die Forschergruppe setzte Probanden in einen Flugsimulator – ähnlich einem Airbus A310. Der Simulator erschuf künstlich die perfekte Umgebung: Niedriger Luftdruck, Turbulenzen, Turbinenlärm; schauten die Probanden aus dem Fenster, sahen sie blauen Himmel und Wolken. In „Flughöhe“ servierte die Cabincrew Essen und Getränke und die Probanden durften bewerten, wie es denn schmeckt.

Das Ergebnis: Durch die Bank bewerteten die Probanden Tomatensaft als „wohlschmeckend und fruchtig.“ In Bodenhöhe schmeckte der Saft hingegen „erdig“ oder sogar „muffig.“ Warum?

Darum schmeckt Flugzeugessen nicht

Aroma-Chemikerin Andrea Burdack-Freitag erklärte gegenüber „Spiegel Online“, der „im Flugzeug herrschende niedrige Luftdruck“ sei verantwortlich für das Empfinden der Passagiere. Die Geruchs- und Geschmacksschwelle steigt an Bord ebenfalls an. Das bedeutet, Kräuter, Gewürze, Salz und Zucker müssen in höheren Mengen abgegeben werden, um gleich wahrgenommen zu werden, wie auf dem Boden. Im Flugzeug riecht und schmeckt man fast so, als hätte man eine Erkältung.

Ist das die Erklärung, warum wir im Flugzeug Tomatensaft überhaupt erst mögen?

Bedingt ja. Denn Salz schmeckt man in luftiger Höhe 20 bis 30 Prozent weniger, Zucker 15 bis 20 Prozent weniger. Fruchtige Aromen schmecken hingegen intensiver und leckerer. Und das ist der Grund, warum Tomatensaft in der Kabine so gut schmeckt – vorausgesetzt, man denkt an genügend Salz.

Übrigens: Die Ergebnisse des „Fraunhofer-Instituts“ nehmen die Airlines laut Spiegel als Erklärung, warum Flugzeugessen den meisten Passagieren nicht schmeckt.

Doch das könnte auch einen anderen Grund haben: Laut einer Studie, die im „Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance“ veröffentlicht wurde, beeinflussen laute Geräusche die Geschmacksnerven. Es besteht also die Möglichkeit, dass das Catering gar nicht lausig, sondern der Fluglärm nur zu laut ist. Und schon schmeckt das Essen im Flieger nicht mehr.

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