Stromfresser Bitcoin: Spekulieren auf Kosten der Umwelt?

Jagd nach virtuellem Geld

Stromfresser Bitcoin: Spekulieren auf Kosten der Umwelt? - Jagd nach virtuellem Geld

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Die Geschichte des Bitcoin ist bemerkenswert und die Technik dahinter hat das Zeug, die Wirtschaft zu revolutionieren. Doch seinen Erfolg erkauft sich das virtuelle Zahlungsmittel zu Lasten des Klimas. Denn ein Coin hierlässt einen riesigen ökologischen Fußabdruck.

Die Grundlagen: Bitcoin ist eine Kryptowährung, also digitales Geld. Sie ist weder von Banken noch von Finanzbehörden oder deren Vorgaben abhängig. Stattdessen sind Bitcoin-Besitzer über ihr Konto untereinander vernetzt und können anonym mit On- und Offline-Händlern Geschäfte abschließen. Vom Geldgeber und -empfänger wird nur ein kryptischer Code zur Verifizierung der Transaktion bekannt.

Von 20 Euro auf 15.000 Euro

Die Anzahl der Bitcoin ist begrenzt. Dadurch bestimmen Angebot und Nachfrage den Wert einer Einheit. Anfang 2013 konnten User einen Bitcoin noch für unter 20 Euro erstehen. Nachdem die Währung mediale Aufmerksamkeit erhielt, kostete er Ende 2013 schon rund 600 Euro. Gut drei Jahre hielt die Währung dieses Niveau, bis 2017 ein regelrechter Hype entstand. Aufgrund massiver Käufe schoss der Kurs binnen elf Monaten von 800 auf über 12.000 Euro.

Mining, Blocks und Hashwerte

Der Boom ist inzwischen etwas abgeflaut, aber unter den Investoren herrscht immer noch Goldgräber-Stimmung – im wahrsten Sinne. Denn sie können Bitcoins nicht nur über spezielle Webseiten kaufen: Die Währung lässt sich auch durch sogenanntes Mining „errechnen“. Denn jede Information zu einer Transaktion kann von jedem PC betrieben werden, auf dem ein Bitcoin-Konto eingerichtet ist. Wenn das Netzwerk bei der Kontrolle keine Ungereimtheiten feststellt, gibt es das Geldgeschäft frei.

Ein verschlüsseltes Protokoll speichert dann die Einzelheiten des Handels. Um die Datei vor nachträglichen Manipulationen zu schützen, generiert das Bitcoin-System schließlich noch eine unveränderliche Zeichenfolge (Hashwert), die als Prüfsumme fungiert. Im Fachjargon wird die Kombination aus Protokoll und Hashwert als Block bezeichnet.

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Die Blockchain als Supersafe

„Auf den ersten Block mit einem bestimmten Hashwert folgt der zweite Block, der den Hashwert des ersten Blocks wiederum selbst enthält. Der dritte Block enthält nun selbst wieder den Hash des zweiten Blocks in der eigenen Prüfsumme usw.“, erklärt „computerbase.de“. So entsteht eine immer weiter wachsende Kette, die Blockchain.

Je länger sie ist, desto besser sind ihre Dateien vor einem Betrug geschützt. Allerdings wird es auch immer schwieriger, die Transaktionen zu verifizieren, da der PC immer mehr Blöcke prüfen muss, bevor er die letzte Transaktion freigeben kann.

Schürfen für eine Handvoll Bitcoins

Hier kommen die Miner ins Spiel: Über eine Software geben User nichtgenutzte Rechnerkapazitäten frei, die das Bitcoin-System zur Kontrolle der Blocks nutzt. Dafür erhalten sie Coins, wobei Computern mit starker Hardware mehr leisten und dadurch mehr Währungseinheiten schürfen.

Mit einem richtig schnellen PC können Privatanwender laut „computerbase.de“ ein paar Hundert Euro im Jahr erwirtschaften. Eine professionelle Mining-Farm mit mehreren Tausend spezialisierten Rechenanlagen macht im Monat sogar einen Millionen-Gewinn – wenn sie Tag und Nacht am Limit laufen. Das bringt natürlich einen ungeheuren Stromverbrauch mit sich. Weil es inzwischen unzählige Heim- und Profi-Miner gibt, hat der Energieaufwand alarmierende Ausmaße angenommen.

Miner benötigen Unmengen an Strom

Die Informationsplattform „Digiconomist“ geht davon aus, dass das Bitcoin-Graben auf das Jahr hochgerechnet 45,4 Terawattstunden Strom frisst. Zum Vergleich: Hong Kong hat einen jährlichen Stromverbrauch von 42, Portugal von 46 Terawattstunden. Alex de Vries, Betreiber der Seite und Blockchain-Analyst, geht davon aus, dass das Bitcoin-Mining Anfang 2020 ebenso viel Strom benötigen wird wie die gesamte Welt.

Eine Bitcoin-Transaktion allein hätten im November theoretisch 215 Kilowattstunden Elektrizität benötigt. Das soll genug Strom sein, um einen durchschnittlichen US-Haushalt eine ganze Woche zu versorgen. Insgesamt würden aktuell rund 300.000 Bitcoin-Transaktionen pro Tag getätigt werden.

Und noch eine Zahl: Bis zu 40 Tonnen Kohlendioxid pro Stunde erzeugt eins der bekanntesten Bitcoin-Mining-Unternehmen. Dem Technik-Magazin „Motherboard“ zufolge müsste ein Auto mehr als 200.000 Kilometer fahren, um eine ähnliche Emissionsmenge zu produzieren.

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Günstige, schmutzige Energie aus Kohle

Auf all diese Daten verweisen Klimaschützer, wenn sie vor den Folgen des immer weiter steigenden Energieverbrauchs durch Krypowährungen warnen. Das größte Problem dabei sind die chinesischen Serverfarmen, die und gut drei Viertel aller Bitcoin-Berechungen übernehmen und, wie das angesprochene Mining-Unternehmen, ihren Strom oft von Kohlekraftwerken beziehen. Die Anlagen produzieren vergleichsweise günstig Energie aber eben auch enorme Schadstoffmengen.

Experten wie der Meteorologe Eric Holthaus fürchtet deswegen, dass die Aussicht auf eine höhere Marge die Entwicklung hin zum (teurerem) Strom aus erneuerbaren Quellen ausbremst. „Bitcoin könne uns unsere Zukunft mit sauberer Energie kosten“, überschrieb er seinen Artikel für das Umwelt-Blog „Grist“.

Aufschwung für saubere Stromlieferanten?

Analysten der US-Bank „Morgan Stanley“ sehen im Bitcoin-Mining allerdings auch eine Chance für Wind-, Wasser- und Solarstromproduzenten. Erzeugen sie einen Überschuss, könnten sie in den Bitcoin-Schürfern in Zukunft dankbare Abnehmer finden, fasst das „Handelsblatt“ eine Studie der Experten zusammen.

„Hydro-Quebec“, Kanadas größter Stromversorger, hat schon konkrete Pläne. Im Gespräch mit „Bloomberg News“ verriet ein Sprecher, dass der Konzern mit Mining-Firmen verhandelt und ihnen bis 2022 jährlich rund fünf Terawattstunden Strom aus dem Überschuss ihrer Staudämme verkaufen könnte. Dieses Geld würde dann wieder in das Ökostrom-Netz investiert, um es für die Schürfer noch attraktiver zu machen.

Am Scheideweg

Morgan Stanley“ will sich nicht festlegen, ob die Branche am Ende wirklich den alternativen Dienstleistern neue Türen öffnen oder eben doch die veraltete, schmutzige Kohleindustrie am Leben halten wird. „Es gibt zahlreiche Unwägbarkeiten, was bedeutet, dass der Energieverbrauch sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung schwanken kann“, so das Resümee der Bank.

Der kürzlich bekannt gewordene, jedoch noch nicht offiziell bestätige Plan der chinesischen Regierung, den Mining-Farmen den Zugang zu günstigem Kohlestrom erschweren, wären jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung.

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