Neue Studie: Weniger Viehzucht rettet Menschen

Nachhaltigkeit

Neue Studie: Weniger Viehzucht rettet Menschen - Nachhaltigkeit

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Nur der Natur und den Tieren zuliebe? Vegetarier können ihre Argumente, warum sie auf Fleisch verzichten, um eines erweitern: dem Menschen zuliebe. Denn eine Studie zeigt, dass mit weniger Viehzucht jährlich 250.000 Menschenleben gerettet werden könnten.

250.000 Menschenleben retten durch Vegetarismus – übertrieben? Laut einer neuen Studie des Max-Planck-Instiuts für Chemie in Mainz nicht. Denn: Reduziert man die Viehzucht, wird weniger Dünger eingesetzt. Das führt zu weniger Ammoniakemissionen, was zu weniger Feinstaubpartikeln und letztendlich zu weniger verschmutzen Luft kommt – und das kann tausende Leben retten.

Todesursache: Luftverschmutzung

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern (PM2,5) in der Luft ein großes gesundheitliches Problem: Sie dringen durch die Nase in die Lunge und verursachen Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. In Gegenden mit hoher Luftverschmutzung verringert sich die Lebenserwartungen dadurch deutlich. Und nicht nur das: Laut der Studie „Global Burden of Disease“ ist Luftverschmutzung weltweitauf Platz fünf der Risikofaktoren für einen verfrühten Tod.

Doch woher kommt der Feinstaub? Er ist zumeist vom Menschen verschuldet. Das meistdiskutierte Problem: der Verkehr. Feinstaub entsteht durch die Emission aus Kraftfahrzeugen – meisten aus Dieselmotoren –, Bremsen- und Reifenabrieb, aber auch durch Aufwirbeln des Staubes der Straßenoberfläche. Regierungen rufen deshalb weltweit Fahrverbote aus. Dies kann die Feinstaubemissionen in Ballungszentren senken – jedoch hat der meiste Feinstaub in der Luft eine andere Ursache: die Landwirtschaft.

Die Viehzucht und die Düngung der Felder setzen Ammoniak frei. Es entweicht bei der Zersetzung von Gülle oder durch die Düngung von Nutzpflanzen und gelangt in die Atmosphäre. Dort reagiert es mit anorganischen Stoffen wie Schwefel- und Salpetersäure zu Ammoniumsulfat und Nitratsalzen – es entstehen Feinstaubpartikel. Feinstaub entsteht nämlich hauptsächlich durch chemische Prozesse während des Windtransports durch Ammoniakemissionen und wird so global verteilt.

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250.000 Todesfälle weniger

Senkt die Landwirtschaft also die Ammoniakemissionen, senkt das automatisch auch die Konzentration der Feinstaubteilchen in der Atmosphäre – und die Zahl der Todesfälle durch Luftverschmutzung. Die lagen 2010 bei ganzen 3,3 Million Menschen, Tendenz steigend.

Das Max-Planck-Institut fand jetzt heraus: Wenn die landwirtschaftliche Emissionen um 50 Prozent niedriger wären, könnten acht Prozent der Sterbefälle durch Luftverschmutzung reduziert werden – weltweit und pro Jahr. Das entspricht 250.000 verhinderten Todesfällen.

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Die Studie fokussiert sich hierbei auf Europa, Nordamerika, Süd- und Ostasien – genau die Regionen, die auch regelmäßig die Grenzwerte der Luftverschmutzung überschreiten. Eine Halbierung der Emissionen führt so regional zu unterschiedlich weniger Feinstaub: 11 Prozent in Europa, 19 Prozent in den USA und sogar 34 Prozent in China. Die Auswirkungen auf die Sterberaten in Europa und den USA sind besonders drastisch: Senkt man den europaweiten Ammoniakausstoß um die Hälfte, sinkt die europäische Sterberate um 20 Prozent. Das entspricht 50.000 Todesfälle durch Luftverschmutzung. In den USA sind es sogar 30 Prozent, in Ostasien hingegen nur acht Prozent und in Südasien drei Prozent. Und wenn man die ganze weltweite Ammoniakemission stoppt? Dann wären es sogar 800.000 Menschen, die gerettet werden können. Also ein Grund mehr, weniger Fleisch zu essen.

Dieser Artikel von Vanessa Giersdorf erschein zuerst im „enorm Magazin“.

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