Kokosöl: „Schlimmer als Schweineschmalz?“

Wie super ist das „Superfood“?

Kokosöl: „Schlimmer als Schweineschmalz?“ - Wie super ist das „Superfood“?

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„Wo ist die Kokosnuss, wo ist die Kokosuss, wer hat die Kokosnuss geklaut?“ Das freche Affenbaby? Oder etwa doch die westliche Industrie? Als vitales „Superfood“ gepriesen zaubert Kokosöl Exotik in unsere Küche und in unser Bad. Aber ist das Öl tatsächlich so gesund wie wir glauben? Ein Blick hinter die harte Schale.

Während die meisten Pflanzenöle ungesättigte Fettsäuren enthalten, enthält Kokosöl zu einem über 90 Prozent sogenannte „mittelkettigen Fettsäuren“ (auch MCTs – medium chain triglyceride). Hierbei handelt es sich um gesättigte Fettsäuren, wie sie auch in tierischen Produkten stecken. Konsistenzmäßig verhält sich Kokosöl daher ähnlich wie Butter: Bei Raumtemperatur ist es fest, schmilzt aber bei Temperaturen um die 25 °C.

Der hohe Anteil MCTs sorgt unter anderem dafür, dass

  • Kokosöl besonders hitzebeständig ist und sich deshalb gut zum Braten, Kochen und Backen eignet und
  • die enthaltene Laurinsäure (ebenfalls eine mittelkettige Fettsäure) sorgt für antivirale, antifungale und antibakterielle Eigenschaften – weshalb Kokosöl gerne bei unreiner Haut, kleinen Wunden oder im Ayurveda zum Ölziehen verwendet wird.

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Doch ist Kokosöl wirklich so gesund?

Hier scheiden sich die Geister. Besonders weil Kokosöl eben voller gesättigter Fettsäuren steckt, für die Butter und andere tierische Fette aufgrund ihrer Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel regelmäßig verteufelt werden.

Zunächst wurde davon ausgegangen, dass die mittelkettigen Fettsäuren im Gegensatz zu den langkettigen nicht in den Fettzellen eingelagert, sondern direkt vom Körper in Energie umgewandelt werden können. Besonders die enthaltene Laurinsäure sollte sogar die Produktion des gefäßschützenden, also guten HDL-Cholesterins fördern.

Doch es gibt eben auch Gegenstimmen: Mitte 2017 veröffentlichte die „American Heart Association“ eine Studie nach der die gesättigten Fettsäuren des Kokosöls eben doch das unerwünschte LDL-Cholesterin im Blut steigen ließen, welches als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt.

Ob die Laurinsäure das günstige HDL-Cholesterin nun erhöht oder auch das weniger günstige LDL-Cholesterin ist noch nicht abschließend geklärt.

Pressesprecherin Antje Gahl von der „Deutschen Gesellschaft für Ernährung“ gegenüber CodeCheck: „Kokosfett, Palmöl und Palmkernöl enthalten wie auch tierische Schmalze große Mengen an gesättigten Fettsäuren. Diese haben ungünstige Wirkungen insbesondere auf die Blutfette. Gegen einen gelegentlichen Verzehr von Kokosöl/-fett in geringen Mengen ist nichts einzuwenden. Um den Körper mit wertvollen einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu versorgen sind für den regelmäßigen Verzehr aber eher andere pflanzliche Öle, wie Raps-, Walnuss-, Soja- und Olivenöl zu empfehlen.“

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Aktuell geht ein Video viral (über 700.000 Views) in dem klar Stellung bezogen wird: Karin Michels – die an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie der Harvard University lehrt – bezeichnet Kokosöl als “reines Gift“ und “schlimmer als Schweineschmalz“.

Michels: „Die gern zitierten Studien sind aus unserer Sicht nicht geeignet, einen besonderen gesundheitlichen Nutzen von Kokosöl zu belegen.“

Auch beim Vitamingehalt schneidet das Kokosöl vergleichsweise mäßig ab – während 100 Gramm Kokosöl gerade mal 1,8 Milligram Vitamin E enthalten, stecken im heimischen Rapsöl (das sich übrigens ebenfalls zum Braten eignet) ganze 19 Milligramm.

Aufsehen erregte Kokosöl zudem in den letzten Jahren mit der Meldung es könne zur Heilung von Alzheimer beitragen. Hier gibt es aber nur vereinzelte Studien, die einen Zusammenhang vermuten.

Übrigens: Da Kokos-Produkte bisher nicht abschließend erforscht sind, sind Gesundheits-Claims für die Tropennuss in der EU bisher verboten.

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Die Schattenseiten des Tropenöls

Kokosnüsse klingen nach Urlaub. Unweigerlich tauchen Bilder von tropischen Palmenstränden auf - und genau von dort müssen sie auch zu uns gelangen. Die meisten stammen aus Indonesien, den Philippinen, Indien, Tansania, Sri Lanka, Brasilien und Papua Neuguinea.

Auch kleine Inselstaaten, wie die Fidschi oder Salomon Inseln, exportieren ihr wichtigstes Wirtschaftsgut in westliche Länder. An den enormen CO2-Ausstoß dieser langen Transportwege möchte man beim exotischen Genuss hier in Europa nicht denken.

Zusätzlich sind die Bedingungen in den Anbaugebieten überwiegend problematisch: In vielen Ländern herrscht Korruption, Menschenrechte werden missachtet, Völker für die Schaffung Quadratkilometer großer Plantagen vertrieben.

Durch die steigende Nachfrage wird auch immer mehr Regenwald abgeholzt, um Monokulturen anzupflanzen. Wichtig zu wissen in diesem Zusammenhang: Kokospalmen wachsen realtiv langsam – ein erhöhte Nachfrage bedeutet also automatisch einen wesentlich höheren Flächenbedarf.

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Und die Moral von der Geschichte ...

… klau keine Kokosnüsse? Wie bei fast allen Dingen im Leben gilt auch hier: Maß halten. Ein wenig Kokos-Süße auf dem Teller oder im Haar hat noch keinem geschadet – aber magische Kräfte haben Kokos-Produkte eben auch nicht.

Beim Kauf sollten wir kaltgepresste, native Produkte mit Bio-Siegel achten, diese bewusst genießen und hin und wieder an die Affenbande im Dschungel denken …

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Alternativen finden

Statt Kokosöl kannst Du in der Küche auch auf heimisches Rapsöl zurückgreifen – dieses eignet sich ebenfalls wunderbar zum Braten, es wächst auf heimischen Feldern und ist leicht aus Bio-Anbau zu bekommen. In der Hautpflege ist heimisches Wildrosenöl ein Gehimtipp – es ist nicht komedogen (verstopft also nicht die Poren), hat eine tolle Antiaging-Wirkung und bekämpft unter anderem Pickelmale.

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