Kinderfrüchtetees: Zu süss und künstlich!

Im Öko-Test

Kinderfrüchtetees: Zu süss und künstlich! - Im Öko-Test

Mädchen trinkt einen Tee

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Kinderfrüchtetee gilt bei vielen Eltern als idealer Durstlöscher für die Kleinen. Aber welche Tees sind wirklich geeignet für Kinder und welche nicht? Die Stiftung ÖKO-TEST hat nachgeforscht.

Viele Früchtetees für Kinder bestehen zum größten Teil aus getrockneten Apfelstücken und Hibiskusblüten. Das klingt im ersten Moment eigentlich ziemlich gesund. Solche Tees werden aber oft mit künstlich hergestellten Aromastoffen angereichert, damit der Tee intensiv nach Erdbeere, Kirsche oder Apfel riecht – und vor allem schmeckt. Gerade bei kleinen Kindern kann das dazu führen, dass sie sich an den künstlichen Geschmack gewöhnen und als normal akzeptieren.

Echte, natürliche Früchte werden dann als fad und langweilig wahrgenommen und verschmäht. Diese Zusatzstoffe können trotzdem als „natürliches Aroma“ deklariert werden, auch wenn sie nicht unbedingt aus echten Früchten, sondern beispielsweise unter Einsatz von Bakterien, Pilzen oder Hefen aus natürlichen Grundstoffen gewonnen werden. Der Ausdruck „natürlich“ ist bei einigen Aromen besonders weit her geholt: Ethylbutyrat , der Aromastoff für Ananas etwa, gerade in Tees für Kinder weit verbreitet, wir aus Buttersäure und Ethanol hergestellt – in reiner Form inhaliert kann er Kopfschmerzen und Erbrechen verursachen.

Ein Tee während des Spaziergangs

Aromastoffe: Das Gegenteil von dufte!

Eine gute Alternative zum Früchtetee für die Kleinen wäre Wasser. Vielen Kindern schmeckt das aber nicht, oder sie finden Wasser zu langweilig. Nichtsdestotrotz ist es enorm wichtig, dass Kinder tagsüber genügend Flüssigkeit zu sich nehmen – in möglichst kalorienarmer Form. Für Ein- bis Dreijährige mindestens 1 Liter, ältere Kinder sollten zwischen 1,5 und 1,7 Liter am Tag trinken. Natürlicher, ungesüßter Früchtetee wäre am besten. Welche industriell hergestellten Früchtetees für Kinder wirklich bedenkenlos gereicht werden können und welche eher nicht, das hat ÖKO-TEST unter die Lupe genommen und 19 Produkte in die Labore geschickt. In vier von zehn getesteten Bio-Kinderfrüchtetees führen die Aromastoffe zu einem Punkte-Abzug und einer Abwertung um eine Note. Hingegen erhielten fünf Bio-Tees das Testurteil „sehr gut“. Auch sechs der neun konventionellen Testprodukte enthalten Aromastoffe. Unter ihnen wurden die „besten“ Tees lediglich mit einem „befriedigend“ ausgezeichnet, zwei Marken sogar „ungenügend“. Alles andere als geeignete Durstlöscher für Kinder also.

Zucker und Pestizide

Zwei Kinderfrüchtetees der Marke Bebivita („Durst-Feuerwehr“ und „Tee Handelskontor Bremen Rabauken“) werden auf der Packung nur mit „Aroma“ beschrieben. Das deutet darauf hin, dass dem Lebensmittel in der Regel chemisch hergestellte Substanzen zugesetzt wurden, so das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die restlichen drei konventionellen Tees enthalten „natürliche Aromen“, die aus einer Vielzahl anderer Grundstoffe gewonnen werden können.

Bei den Bio-Tees sind alle zehn Produkte frei von Pestiziden. Ganz im Gegensatz zu den konventionellen Testprodukten: Zwei Drittel sind pestizidbelastet, fünf Kinderfrüchtetees wurden aus diesem Grund abgewertet.

Ein weiterer Kritikpunkt: Viele Tees enthalten enorm viel Zucker. Drei Granulate wurden getestet, alle drei bestehen zu mehr als 90 Prozent aus verschiedenen Zuckerverbindungen. Die Hersteller Bebivita und Humana setzen Zucker ein, der Karies verursachen kann und zusätzlich eine andere Zuckerverbindung – beide süßen sehr stark. Der Früchte-Melissen-Tee von Hipp enthält Isomaltulose, ein schwaches Süßungsmittel, das als kalorienarm gilt. Dazu kommt Maltodextrin, das eher schwach süßt, aber Zahnschäden verursachen kann. Laut Hersteller dienen diese Zuckerbestandteile allerdings nur als „Trägerstoffe“ für die anderen Zutaten der Rezeptur.

Mädchen spielt Teeparty

Zwölf der 19 getesteten Tees enthalten laut ÖKO-TEST keine oder nur unzureichende Hinweise zum Trinkverhalten und möglichen Folgeschäden für die Zähne der Kinder. Auf diesen Vorwurf reagierten die Hersteller gegenüber ÖKO-TEST durchweg ähnlich: Der DM Drogerie Markt gab als Statement an, dass die Verpackung des „Erdbärigen Tee“ der Eigenmarke „Das Gesunde Plus“ mit einem Bär, einem Igel und einer Gans, nicht für Kleinkinder und Säuglinge entwickelt wurde und auch die Verpackung daher bewusst nicht für Kleinkinder und Säuglinge konzipiert wurde. Aus diesem Grund müsse kein Hinweis zu möglichen Zahnschäden bei Dauernuckeln an der Saftflasche auf der Packung angegeben werden. Auch der Hersteller Goldmännchen, der den „Goldmännchen Kinder Früchtetee“ herstellt und ebenfalls mit einem Plüschtier und einer kleinen Ente auf der Packung wirbt, argumentiert, die Zielgruppe seien Kinder ab vier Jahren. Daher sei ein Hinweis zu Zahnschutzmaßnahmen auf der Verpackung nicht nötig.

Mit der Codecheck-App können Eltern jederzeit die Inhaltsstoffe von Kindergetränken auf bedenkliche Inhaltsstoffe checken.

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