„Hallo, iss mich!“ – Ein Kühlschrank mit Gedächtnis

Gegen Lebensmittelverschwendung

„Hallo, iss mich!“ – Ein Kühlschrank mit Gedächtnis - Gegen Lebensmittelverschwendung

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© Verbraucherzentrale NRW / Mathias Kehren

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„Hallo, iss mich!” – manchmal wäre es hilfreich, wenn Lebensmittel rechtzeitig auf sich aufmerksam machen würden, bevor sie verderben.Ein Kühlschrankfach mit eingebauter Weckerfunktion soll nun genau das können.

Wer ist nicht schon mal beim Aufräumen des Kühlschranks auf eine böse Überraschung gestoßen: Ein angebrochenes Glas Pesto etwa, das in der hintersten Ecke vergessen wurde oder ein unauffälliger Joghurtbecher, der noch Wochen nach dem abgelaufenen Haltbarkeitsdatum sein Dasein in den Tiefen der Regale fristet. Der Kühlschrank ist zweifelsfrei eine praktische Erfindung – doch seine Lagerungsfähigkeit wird oft überstrapaziert. Eine Studie der Verbraucherzentrale ergab, dass 15 bis 46 Prozent der Lebensmittel im Kühlschrank schlichtweg vergessen werden, was an der mangelnden Übersicht in den Regalen liegt.

Bitte Aufessen! – ein Kühlschrank mit Erziehungsfunktion

In dieser Hinsicht herrscht im Kühlschrank also noch Optimierungsbedarf. Was wäre, wenn er eine eingebaute Alarmanlage hätte, die anspringt, wenn unserem Essen die Verwesung droht? Ein Kühlschrank mit Erziehungsfunktion, der uns auffordert die gekauften Lebensmittel auch wirklich zu konsumieren? Mit solchen Überlegungen beschäftigte sich die Produktdesign- Studentin Jule Bols von der Folkwang Universität Essen. Im Rahmen einer Zusammenarbeit ihrer Uni mit der Verbraucherzentrale NRW zum Thema Wertbewusstsein für Lebensmittel, wollte sie ein Produkt entwickeln, dass dem Verbraucher hilft, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken – und das zuhause, in den eigenen Kühlregalen.

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So entstand das Lightshelf

Die Kernidee bestand zunächst einmal tatsächlich darin eine Art Wecker-Funktion in den Kühlschrank zu bringen. Auf laute Signaltöne wollte Bols allerdings verzichten: ihr Produkt sollte die Menschen auf unaufdringliche Weise ans Aufessen erinnern. Deswegen beschloss Bols mit Licht zu arbeiten und vergessene Produkte auf dem Kühlschrank-Regal aufleuchten zu lassen.

Bols entwickelte eine Kühlschrankfach, das in herkömmliche Kühlschranke integriert und an dessen Stromversorgung gekoppelt werden kann. Allerdings ist die Glasfläche mit Drucksensoren, Zählern und einem energie-effizienten LED Modul ausgestattet.

Sobald man ein Lebensmittel auf der Platte stellt, erkennen es die Drucksensoren. Daraufhin startet automatisch ein Zähler. Nimmt man das Produkt nach einer gewissen Anzahl an Türöffnungen nicht vom Regal, macht es auf sich aufmerksam: die LEDs beginnen zu leuchten und das unabhängig von Mindesthaltbarkeits-oder Verbrauchsdatum. Der Lichtimpuls bleibt solange, bis jemand sich dem ignorierten Produkt annimmt und es aus dem Kühlschrank holt.

Weil jeder seinen Kühlschrank unterschiedlich intensiv nutzt, soll das Lightshelf individuell verstellbar sein. Ein eingebautes Programm ermittelt die durchschnittliche Anzahl von Türöffnungen in einem Haushalt und kombiniert diese mit persönlichen Angaben des Verbrauchers (Alter, Anzahl der Kühlschranknutzer, Einkäufe pro Woche). So soll das Leuchten möglichst effizient für mehr Durchblick im Kühlschrank sorgen und dem Vergessen und Verschwenden von Lebensmitteln entgegenwirken.

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Design soll Menschen zu nachhaltigem Verhalten bewegen

Für ihre Idee und die Entwicklung des Prototyps wurde Jule Bols mit dem Förderpreis des MehrWert Wettbewerbs ausgezeichnet. Noch ist das Lightshelf jedoch nicht im Handel erhältlich.„Die Resonanz ist sehr positiv, weshalb ich grundsätzlich die Umsetzung eines funktionierenden Prototypen erziele.”, sagt Bols. Allerdings stößt sie aktuell an die Grenzen ihrer technischen Fähigkeiten und sucht deswegen nach Unterstützern mit Tüftler-Expertise.

Auch abgesehen von der Entwicklung des Lightshelfs hat die junge Studentin auf dem Gebiet des Produktdesigns noch viel vor. Sie will Menschen zu einem dauerhaft nachhaltigen Verhalten ihren Produkten gegenüber bewegen: „ Produkte sind unumgänglich. Wir produzieren, nutzen, verschwenden und entsorgen sie jeden Tag. Jeder wird mit ihnen konfrontiert. In meinen Augen gibt es ein riesiges Potential, etwas zu verändern - man muss es nur tun”.

Wer heute schon etwas gegen Lebensmittelverschwendung in der eigenen Küche tun will, kann zum Beispiel mithilfe des Kühlschrankguides von Utopia für eine geschicktere Lagerung sorgen – und damit hoffentlich die ein oder andere böse Überraschung verhindern.

Dieser Artikel von Pia Wagner erschien zuerst im „enorm Magazin“.

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