Greenpeace findet gefährliche Chemikalien in Outdoor-Stoffen

The North Face, Mammut oder Jack Wolfskin

Greenpeace findet gefährliche Chemikalien in Outdoor-Stoffen - The North Face, Mammut oder Jack Wolfskin

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Die Outdoor-Branche ist gar nicht so grün, wie es immer den Anschein hat: Greenpeace findet erneut Gift in Regenjacken, Zelten & Co.

Sie schützen uns immer besser vor Regen, Kälte und Schnee oder sorgen dafür, dass wir auch in den kalten Bergen oder bei strömendem Regen trocken und warm nächtigen können: Wetterfeste Outdoor-Kleidung, Schlafsäcke oder Zelte. Doch eine Studie von Greenpeace hat nun wieder aufgedeckt, dass viele Hersteller noch immer giftige Chemikalien einsetzen. Beim Test mit 40 Produkten fand die Umweltschutzorganisation auch diesmal bei 36 der 40 getesteten Artikel per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Das teilte die Umweltschutzorganisation auf der Sportmesse Ispo in München mit.

Problematisch ist der Einsatz der Chemikalien, weil die Stoffe die Umwelt belasten (genaueres dazu weiter unten im Artikel), genau so aber im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Greenpeace warnt schon seit Jahren vor dem Einsatz dieser Chemikalien.

Einige namhafte Hersteller zeigen sich unbeeindruckt

Auf merkur.de ist nachzulesen, dass Greenpeace die Hersteller dazu auffordert, nach umweltfreundlichen Alternativen für die Risikochemikalien zu suchen. Das Problem ist nicht neu: PFC wie die verbotene Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und Imprägniermittel hat Greenpeace schon in den Studien „Chemie für jedes Wetter“ (2012) und „Chemie für Gipfelstürmer“ (2013) in Outdoor-Artikeln nachgewiesen. PFOS und einige Chemikalien in Imprägniermitteln verdunsten zusätzlich im Laufe der Zeit und können sich so negativ auf unsere Gesundheit auswirken.

Manfred Santen, Chemieexperte von Greenpeace bemängelt: „Dennoch rüsten die Marktführer Northface und Patagonia Kleidung und Schuhe weiter mit PFC auf. Die Outdoor-Branche wirbt zwar mit unberührter Natur, verbreitet aber mutwillig umweltschädliche Chemie.“

Das geht nicht mehr auf. Greenpeace kann in Sachen Chemiekeulen allerdings auch Erfolge verbuchen, denn mit ihrer Detox-Kampagne hat die Umweltorganisation bereits mehr als 30 Modemarken und auch Discounter dazu gebracht, keine PFC oder andere Risiko-Chemikalien mehr zu verwenden.

Die großen Discounter wie Lidl, Rewe und Aldi haben PFC bereits Regenkleidung für Kinder aus dem Sortiment entfernt. Bei einigen Marken sind immerhin Teilerfolge verbucht worden: Adidas und Puma haben versichert, bis Ende 2017 PFC-freie Alternativen in ihre Kollektionen einzubauen und zu verkaufen.

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Regenjacken im Test: Wie Imprägniermittel schadet

Auch das deutsche Umweltbundesamt (UBA) hat sich der Thematik angenommen. Mit dem Titel „Wetterschutz schädigt die Gewässer“, eine Studie über wetterfeste Funktionsjacken, trägt das UBA zur Aufklärung der Outdoor-Sportler auf.

Die Ergebnisse des Tests sind natürlich ebenfalls ernüchternd: „In allen 15 getesteten Jacken wurden PFC nachgewiesen, die durch Waschprozesse und Ausgasung in die Umwelt freigesetzt werden. Dort verbleiben sie eine lange Zeit, werden weltweit in der Umwelt verteilt und reichern sich in Organismen an“, teilt nachhaltigleben.ch mit. Besonders dreist: Es konnte nachgewiesen werden, dass einige der PFC die Fortpflanzung von Tieren negativ beeinflusst.

Momentan kann weder eine Kläranlage noch Mutter Natur die Schadstoffe abbauen. Deshalb sind sie überall dort nachweisbar, wo sie in die Natur gelangen – und sogar noch weiter in die Erde hinein: Man kann sie vom Grundwasser bis in die Tiefsee finden, ja sogar in menschlichem Blut oder jenem von Eisbären in der Arktis nachweisen.

Fragst du dich gerade, wie die Schadstoffe in dein Blut kommen? Einerseits durch die Nahrungskette, andererseits reicht es bereits, die vergifteten Regenjacken zu tragen.

Chemie in unberührter Natur

Die Schadstoffe in Kleidung sind aber nicht das einzige Problem: Auch in Schnee- und Wasserproben aus acht unberührten Gebirgsregionen hat Greenpeace 2015 PFC festgestellt, die auch aus der Outdoor-Branche stammen. Anscheinend hinterlassen wir mit Outdoor-Stoffen einen chemischen Fußabdruck in entlegenen Naturparadiesen von China über die Schweiz bis nach Patagonien.

Für den Report „Chemie in unberührter Natur“ haben im Mai und Juni 2015 acht Greenpeace-Teams Schnee- und Wasserproben auf drei Kontinenten in Chile, China sowie Italien, Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, Türkei, Slowakei und Schweiz genommen. In Proben aller Expeditionen konnte ein Labor Spuren von PFC nachweisen. Dabei sind die in Europa festgestellten Konzentrationen etwas höher als in Asien oder den Anden. Die geringsten Mengen fanden sich auf 5000 Höhenmetern in China.

Regenjacken im Test: Es geht auch ohne PFC

Gibt es denn Alternativen zu giftigen Textilien? Ja! Kleinere Outdoor-Marken wie Paramo, Pyua, Rotauf und R'adys setzen schon lange auf „frei von giftiger Chemie“: Sie verwenden fluorfreie, teilweise sogar recycelte Membranen aus Polyester und fluorfreien Imprägnierungen. Auch Fjäll Räven verwendet weder PFC noch PFOA. Hersteller Mammut ließ ebenfalls verlauten, alle giftigen Stoffe verbannen zu wollen. Die deutsche Firma Maier-Sports bietet ebenfalls funktionale Schutzkleidung, die ohne PFC auskommt.

Als besonderes Vorbild in Sachen ungiftig gilt der deutsche Outdoor-Ausrüster Puya. Ein Jungunternehmen, dass auf „Ecorrect Outerwear“ setzt: Die gesamte Kollektion kann zu jeder Zeit recycelt werden – natürlich und garantiert sind die Textilien ohne PFC hergestellt. Gemäß Hersteller sind die Artikel trotzdem für kalten Wind und nasskaltes Wetter geeignet, da sie sich besonders auf den Wintersport konzentrieren. Kaufen kann man die Jacken beispielsweise im Onlineshop Blue-Tomato.com.

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