Elektro-Autos: Was tun, wenn die Batterie leer ist

Durchgängig umweltfreundlich?

Elektro-Autos: Was tun, wenn die Batterie leer ist - Durchgängig umweltfreundlich?

elektroauto

von

Der Auto-Hersteller Volvo will ab 2019 nur noch elektronische oder Hybrid-Autos verkaufen und Großbritannien und Frankreich wollen bis 2040 den Verkauf von benzin- und dieselbetriebenen Wagen gleich ganz verbieten. Der E-Auto-Markt boomt. Doch sind die durch Strom angetriebenen Autos wirklich eine umweltschonende Alternative?

Elektro-Autos sind der neue Trend. 2016 wurden weltweit zwei Millionen E-Autos gezählt. Die „International Energy Agency“ schätzt, dass es 2030 schon 140 Millionen sein werden. Tendenz steigend. Immer mehr umweltbewusste Autofahrer möchten auf die grünere Alternative umsteigen. Doch eine grundlegende Frage bleibt offen:

Wohin mit den Batterien?

Elektro-Autos werden durch Lithium-Ionen-Batterien betrieben, die sich auch in Smartphones, Laptop und Tablets wiederfinden. Das Problem dabei: Diese Batterien bestehen unter anderem aus den Rohstoffen Lithium und Kobalt, deren Abbau nicht nur eine große Menge an Energie kostet, sondern auch zu Umweltverschmutzung führen kann. Hinzu kommt, dass diese Materialien endlich sind.

Recycling-Unmut

Durch die Endlichkeit der Rohstoffe ist es umso wichtiger, die Batterien zu recyceln, um die Materialien wiederverwenden zu können und so keinen Raubbau an der Natur zu betreiben. In der Europäischen Union werden aber nur weniger als fünf Prozent der gebrauchten Batterien auch recycelt. Die restlichen 95 Prozent werden nicht gesammelt und danach recycelt und landen schlimmstenfalls sogar im normalen Hausmüll.

Hierbei handelt es sich zwar um Batterien, die zum Großteil für Unterhaltungselektronik und somit bei Verbrauchern Zuhause eingesetzt werden, doch ist die Angst groß, dass dieser Recycling-Unmut auch nicht vor Automobil-Herstellern Halt macht.

elektroauto2

Autohersteller in der Pflicht

Dagegen möchte die EU vorgehen. Es sind bereits erste Regulierungen angestrebt, die die Batteriehersteller dazu verpflichten, die Kosten für das Sammeln und Recyceln der E-Batterien zu tragen. Der Teufel liegt hier allerdings im Detail. Denn bisher erfolgt der Recycelvorgang durch das Schmelzen der Batterien, wodurch wertvolle Metalle wie Kobalt und Nickel wiedergewonnen werden. Das wichtige Lithium kann so jedoch nicht in reiner Form wieder extrahiert werden, sondern nur als gemischtes Nebenprodukt, das so nicht für Batterien wiederverwendet werden kann.

Versteckte Kosten

Lithium kann nur durch einen weiteren Prozess in kompletter Form extrahiert werden, doch dieser Vorgang ist kostenintensiv. Bisher kostet das Recyceln einer Elektro-Auto-Batterie in vollständiger Form, also inklusive dem zweiten Extrahieren von Lithium, ein Euro pro Kilogramm. Der Wert, der daraus wiedergewonnenen Rohstoffe, beträgt allerdings nur ein Drittel davon. Das rentiert sich für die Hersteller nicht und so investieren sie lieber in die Gewinnung neuer, statt in das Recyceln bereits vorhandener Rohstoffe.

tesla

Neue Technologie

Dagegen möchte unter anderem das kanadische Technologie-Start-Up „Li-Cycle“ vorgehen. Sie arbeiten an einer neuen Recycel-Methode, bei der alle wichtigen Metalle direkt extrahiert werden. Der Auto-Hersteller Nissan hingegen glaubt daran, den Batterien eine zweite Lebensspanne zu geben. Denn die E-Auto-Batterien können immer noch 70 Prozent ihrer Kapazität erreichen, selbst wenn sie für das Autofahren nicht mehr ausreichen. So könnten sie, nach der entsprechenden Aufarbeitung, als Energiespeicher für Zuhause fungieren.

FAZIT

Strombetriebene Autos sind die Fahrzeuge der Zukunft. Die durch Batterien mit Energie versorgten Wagen stoßen weitaus weniger Emissionen aus, als normale benzin- oder dieselbetriebene Autos und sind somit eine umweltfreundliche Alternative zu normalen Pkws.

Ein großes Fragezeichen wirft allerdings noch der Umgang mit den gebrauchten E-Auto-Batterien auf. Die Batterien sollen recycelt werden, um so die wichtigen und endlichen Rohstoffe wiederzuverwenden. Der Prozess zur Wiedergewinnung der Materialien ist allerdings teuer, sodass viele Hersteller lieber in den erneuten Abbau von Rohstoffen, als in das Recyceln der Batterien investieren.

Diesen Vorgang wollen Tech-Start-Ups nun revolutionieren und ihn rentabel gestalten, damit auch der Herstellungsprozess der Elektro-Autos nachhaltig umweltfreundlich wird.

Ich möchte den Codecheck-Newsletter abonnieren und keine News mehr verpassen

Codecheck.info
5/5 6 Stimmen

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

tüten
Bioplastik, Einwegtasche oder Papiertüte –
toilettenpapier2
Kein Griff ins Klo –
müll3
Mülltrennung –

Der Gewinner ist...

Kochen
Anzeige

Plastik vs. Holz: Was ist das bessere Schneidebrett?

Das Schneidebrett ist wohl eines der wichtigsten Küchenutensilien. Die Wahl des Materials ist dabei nicht unerheblich. Durch den direkten Kontakt mit Lebensmitteln sollte es möglichst keimfrei sein, aber auch Gerüchen und Verfärbungen standhalten. Aber welches Material ist denn nun am besten – Holz oder Kunststoff?

4 Meinungen

mode2

Warum wird kaum faire Mode gekauft?

Fehlende politische Initiative, schlechtes Design – oder alles gar nicht so schlimm? Wir haben bei verschiedenen Akteuren nachgefragt, wieso immer noch so wenig faire Mode gekauft wird.

Faltenfrei durch Tierversuche

botox4

Warum Botox unethisch ist

Botox ist weltweit ein Riesengeschäft. Dass es sich bei Botulinumtoxin um eine hochgiftige Substanz handelt, scheinen Schönheitssüchtige jedoch zu verdrängen. Und es gibt noch ein weiteres Problem: die damit verbundenen Tierversuche. 2015 mussten allein in Europa 350.000 bis 400.000 Mäuse für Botox-Spritzen qualvoll sterben.

Teilweise verboten

Creme Haut

In Duschgel, Shampoo und Creme: Problemstoff Methylisothiazolinon

Du kaufst bewusst ein und versuchst, bedenkliche Inhaltsstoffe zu vermeiden? Du machst einen großen Bogen um aluminiumhaltiges Deo, Shampoo mit Silikonen oder Cremes mit Parabenen? Auch die Hersteller haben diesen Trend erkannt und werben mit Versprechen wie „frei von Duftstoffen“ oder “ohne Silikone”. Jedoch sind viele weitere bedenkliche Inhaltsstoffe im Umlauf, deren Namen Du kennen solltest: zum Beispiel Methylisothiazolinon.

Umwelt

autos

Stickstoffdioxid: Hier ist die Luft besonders belastet

Die Luftqualität in vielen deutschen Städten ist besorgniserregend. Neben Feinstaub spielt dabei vor allem Stickstoffdioxid eine große Rolle. Woher die hohe Belastung kommt, was sie für Probleme mit sich bringt und welche Gegenden besonders stark betroffen sind, erfährst Du hier.