Blei im Trinkwasser macht Kinder aggressiv

Gefahr aus dem Wasserhahn

Blei im Trinkwasser macht Kinder aggressiv - Gefahr aus dem Wasserhahn

Blei im Blut - Aggressives Kind

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Ein hoher Bleigehalt im Blut kann böse Folgen für die Gesundheit haben — aber nicht nur: Laut US-Studien korreliert sich die Bleibelastung auch mit der Anzahl Gewaltverbrechen.

Dass ein hoher Bleigehalt im Körper schwere gesundheitliche Folgen hat, ist nichts Neues. Überraschend dürfte jedoch sein, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen einem gesteigerten Bleiwert im Blut von Kleinkindern und der Anzahl der Gewaltverbrechen — allerdings mit einem Abstand von etwa 20 Jahren - gibt.

Einer der ersten, der sich mit dem Thema befasste, war der US-Kinderarzt Herbert Needleman: Bereits vor Jahrzehnten hatte der Mediziner festgestellt, dass erhöhte Bleiwerte bei seinen Patienten zu erhöhter Aggressivität, gestörter Aufmerksamkeit und Delinquenz führten. Needleman veröffentlichte seine Studien und warnte vor den Folgen einer chronischen Bleibelastung. Nicht nur wurde der Pädiater von der wissenschaftlichen Gemeinde ignoriert, auch die Blei-Firmen fielen über ihn her.

Doch eine Statistik des FBI sollte dem Doktor im Laufe der Jahre Recht geben. Die Kriminologen der US-Bundespolizei bemerkten, dass bis zum Jahr 1990 die Zahl der Verbrechen kontinuierlich angestiegen war, jedoch von da an sich wieder in gleicher Weise vermindert hatte.

Blei - in Abfalltonnen

Eine Erklärung dafür war in den Blutbleiwerten der Kinder zu suchen. Bis 1970 war der Gehalt des Schwermetalls in Trinkwasser, Wandfarben oder im Benzin kontinuierlich angestiegen. Erst dann wurden die Grenzwerte von Blei gesetzlich schrittweise gesenkt. Gleichzeitig sanken auch die Bleiwerte bei US-Kleinkindern von durchschnittlich 25 Mikrogramm pro Deziliter Blut auf weniger als 5 Mikrogramm. Mit anderen Worten: Die Spitzenwerte von Blei im Blut der Kinder im Jahr 1970 korrelierte mit dem Höchststand der Kriminalität im Jahr 1990.

Blei-Grenzwert wurden stufenweise herabgesenkt

Noch heute lauert die größte Gefahr für einen erhöhten Bleigehalt im Trinkwasser. Alte Leitungen aus Blei vergiften in tausenden europäischen Haushalten das Hahnenwasser. Auch Heißwasserboiler, Wasserkocher und Armaturen können eine Schadstoffquelle sein.

Die Bleimengen, die sich aus den Röhren ins Wasser lösen, sind zwar gering, aus toxikologischer Sicht dennoch besorgniserregend. Denn im Körper wird das Metall in das hochtoxische Nervengift Triethylblei umgewandelt.

Neben der erhöhten Aggressivität, kann Blei auch schwere Folgen auf die Entwicklung der Kinder haben. So ergab eine Studie aus den USA mit 172 Kindern im Alter von drei und fünf Jahren, dass der Intelligenzquotient (IQ) mit zunehmender Bleibelastung sinkt. Ein zehnfach erhöhter Bleigehalt im Blut hatte im Durchschnitt einen um 7,4 Punkte reduzierten IQ zur Folge. Das Schwer­metall schädigt nicht nur kleine Kinder, sondern auch Ungeborene und Schwangere.

In Deutschland wurde ab 1. Dezember 2013 der erlaubte Blei­gehalt von 25 auf 10 Mikrogramm je Liter festgesetzt. Vor Dezember 2003 lag der Wert noch bei 40 Mikrogramm pro Liter. Die Konzentration von Blei müsse aber nicht zwingend bei 0 liegen, wie es bei verschiedenen Keimen im Wasser der Fall sein soll, schreibt die deutsche Trinkwasserverordnung vor.

So kann man herausfinden, ob man Bleirohre hat

Wer in seinem Haus noch alte Bleirohre hat, sollte diese so rasch wie möglich ersetzen. Am besten durch Leitungen aus Kupfer, Edelstahl, feuerverzinktem Stahl oder Kunststoff, raten Trinkwasserexperte des deutschen Umwelt Bundesamts. Für die Installation im Haus ist der Eigentümer verantwort­lich.

Bleirohr

Wie viele giftige Rohre es noch in deutschen Haushalten gibt, kann die Behörde allerdings nicht sagen. Vielen bleibt daher nichts anderes übrig, als die Sache selber anzupacken. Dabei lässt sich in drei einfachen Schritten herausfinden, ob Blei das Trinkwasser belastet:

1. Nachfragen:

Ist das Gebäude alt, so sollte sich der Vermieter beim Eigentümer erkundigen, ob die Hausan­schluss­lei­tung noch aus Blei sind. Der Eigentümer kann sich mit der Frage direkt beim Wasserversorgungsunternehmen melden.

2. Selbst nachschauen:

Ein Blick auf die Installation lohnt sich immer. Bleirohre sind meistens etwas dicker und haben einen grauen Schimmer. Im Unterschied zu Kupfer- und Stahlleitungen sind Bleirohre oft leicht gebogen. Man kann sie zudem einfach mit dem Kugelschreiber einritzen. Beim Draufklopfen mit einem Schraubenzieher klingen Bleirohre dumpf.

Sie treten meist bei Anschlüssen aus der Wand aus, zum Beispiel an Eckventilen unter der Spüle, wo die Armatur angeschraubt wird. Im Keller sind die Wasserrohre meist nicht verputzt und deshalb oft gut zu erkennen.

3. Wasser analysieren lassen:

Bei einem Verdacht, dass der Bleiwert in einer hohen Konzentration vorliegt, empfehlen Experten eine Trinkwasseranalyse. Der grosse Vorteil dabei ist, dass nicht nur die Präsenz von Blei, sondern auch von anderen Schwermetallen wie Zink, Kupfer, Kadmium entdeckt werden kann.

Im Allgemeinen gilt:

Trinkwasser, das länger als vier Stunden in der Trinkwasserinstallation gestanden hat, sollte weder getrunken noch zum Kochen verwendet werden.

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