Babykekse mit 25% Zucker? „Alete“ distanziert sich vom Begriff „babygerecht“

Nach „foodwatch“-Kritik

Babykekse mit 25% Zucker? „Alete“ distanziert sich vom Begriff „babygerecht“ - Nach „foodwatch“-Kritik

Zucker und Übergewicht push

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Der Babynahrungshersteller „Alete“ hat angekündigt, seinen „Kinderkeks“ nicht mehr als „babygerecht“ zu vermarkten. Damit reagiert das Unternehmen auf die Kritik der Verbraucherschutzorganisation „foodwatch“, die den Keks als Zuckerbombe bloßstellte.

In diesem Jahr wird „foodwatch“ ihren Negativpreis „Goldener Windbeutel“ für die „dreisteste Werbelüge“ aus dem Lebensmittelbereich zum siebten Mal vergeben. Mit dieser Wahl, bei der sich Verbraucher online beteiligen können, macht die Organisation regelmäßig auf die kleinen Tricks und Etikettenschwindel der Hersteller aufmerksam, die Kunden zum Kauf eines Produkts verführen sollen.

Unter den Nominierten: „Alete“

Unter den aktuell Nominierten findet sich der „Kinderkeks“ von „Alete“, den der Großproduzent auf der Vorderseite der Verpackung mit einer eigen(willig)en Definition als „babygerecht“ bewirbt.

Das erweckt den Eindruck, die Knabbereien enthielten ausschließlich unbedenkliche Inhaltsstoffe. Erst im Kleingedruckten wird deutlich, dass Alete „babygerecht“ mit „für die kleine Hand zum Selberessen“ gleichsetzt. Die Eigenschaft bezieht sich also lediglich auf Form und Größe der Kekse.

Knabberei mit 25 % Zuckeranteil

Wer sich für die Rezeptur interessiert, muss erst die Zutatenliste lesen. Dort verrät „Alete“, dass für die Herstellung von 100 Gramm Keks 25 Gramm Zucker verwendet werden – das heißt, jedes Stück Gebäck besteht zu einem Viertel aus Zucker.

Dabei empfehlen sowohl die „Weltgesundheitsorganisation“ (WHO) wie auch die „Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin“ (DGKJ) ausdrücklich, Babynahrung keinen Zucker zuzuführen. Eine zuckerreiche, frühkindliche Beikost steigere nämlich das Karies- sowie Übergewichtsrisiko und gewöhne die Kleinkinder an den süßen Geschmack.

Würfelzucker

Erste reaktion von „Alete“

Nachdem „foodwatch“ im Vorfeld der Nominierung zum „Goldener Windbeutel“ bei „Alete“ nachfragte, warum sie ihren „Kinderkeks“ entgegen gängiger Richtlinien als Babynahrung bewerben, rechtfertigte sich der Konzern in einer E-Mail unter anderem mit der Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte sowie der Vorgabe von Verzehrempfehlungen.

Die Antworten bestärkte „foodwatch“ in ihrer Meinung, „Alete“ wolle mit ihren oberflächlichen Angaben die Verbraucher täuschen und veröffentlichte die Nominierung Ende Oktober. Die Vorwürfe gegen die namhafte Marke rief ein breites Echo in den Medien und im Netz hervor. Binnen kürzester Zeit wurde der Druck offensichtlich so groß, dass sich „Alete“ zum Handeln gezwungen sah.

Entschuldigung und Reaktion nach öffentlichem Druck

In einer zweiten Stellungnahme, die „foodwatch“ am 7. November erhielt, räumt „Alete“ nun ein, „dass die Angabe 'babygerecht' offenbar falsch verstanden werden kann.“ Deshalb werde das Unternehmen das Etikett überarbeiten und die Angabe entfernen. Der Mitteilung zufolge arbeite das Unternehmen zudem bereits an einer „verbesserten Rezeptur“.

Von der Nominiertenliste wird „foodwatch“ die Kekse dennoch nicht streichen. „Wieviel Zucker der Keks künftig enthalten soll und ab wann die veränderte Rezeptur in den Regalen zu finden sein wird, blieb unklar.

Dem Schreiben nach zu urteilen hält „Alete“ an der Empfehlung „ab 8. Monat“ fest und empfiehlt damit weiterhin eine Süßigkeit für Säuglinge, heißt es auf der Webseite von „foodwatch“.

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