Hormonelle Verhütung und Folgen für die Umwelt

Antibabypille schadet dem Ökosystem

08. Juli 2023 von

Die Pille gehört zu den beliebtesten Verhütungsmitteln. Doch hast Du gewusst, dass die Hormone nicht nur auf den weiblichen Körper wirken, sondern auch weitreichende Folgen fürs Ökosystem haben?

Hormone gelangen ins Wasser

Wer die Antibabypille einnimmt, scheidet die Rückstände der enthaltenen Stoffe über den Urin wieder aus. Dies ist übrigens bei all Deinen Medikamenten der Fall! Kläranlagen können solche Verunreinigungen nur unzureichend aus dem Abwasser herausfiltern. Deshalb landet der Chemikaliencocktail schließlich in Flüssen, Seen und Meeren und gelangt über diese auch ins Grundwasser.

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Gefährliches Östrogen EE2

Besonders problematisch an der Verhütungspille ist der Wirkstoff 17α-Ethinylestradiol (EE2). Bei diesem handelt es sich um ein synthetisches Östrogen, das in der Umwelt natürlicherweise nicht vorkommt. Sogar in den geringsten Konzentrationen beeinträchtigt er die Reproduktion von Fischen langfristig. Da sehr viele Frauen die Pille täglich einnehmen, werden große Mengen des Östrogens in die Gewässer geschwemmt — mit gravierenden Folgen. Östrogene gelten als endokrine Disruptoren und Karzinogene.

Amphibien und Fische leiden als erste an dem steigenden Hormoncocktail. Wie extrem die Auswirkungen sind, haben Forscher:innen des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin gemeinsam mit Forscher:innen der Universität Wroclaw bereits 2016 herausgefunden. Sie testeten die Wirkungen von EE2 an drei verschiedenen Amphibienarten.

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Geschlechtsumwandlung bei Amphibien

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass bei allen drei Amphibienarten, die mit EE2 in Kontakt kamen, eine Geschlechtsumkehr von genetisch männlichen zu weiblichen Tieren stattfindet. Bei jeder Art waren zwischen 15 bis zu 100 Prozent der Tiere von der Verweiblichung betroffen.

Neben anderen schädigenden Hormonwirkungen könne die Verweiblichung von Populationen zum Aussterben von Amphibienarten beitragen, warnte Studienleiter Matthias Stöck vom IGB. Auch Missbildungen an Fortpflanzungsorganen von Wasserlebewesen, die zu sinkender Fruchtbarkeit führen, beobachteten die Wissenschaftler:innen mehrfach.

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Östrogene werden in der Natur nicht abgebaut

Die Verwendung von Hormonen in der Verhütungspille und in der Tierhaltung hat noch weitreichendere Folgen. Das Geographische Institut der Ruhr Uni Bochum (RUB) hat den Abbau und Transport von Hormonen im Boden untersucht und festgestellt: Besonders Östrogene sind hartnäckig und werden nicht abgebaut.

Dabei zeigte sich, dass das männliche Sexualhormon Testosteron im Boden schnell Abbauprozessen unterliegt, während die Östrogene als weibliche Sexualhormone stabile Verbindungen im Boden darstellen. Vor allem das synthetische Östrogen Ethinylestradiol, der Hauptbestandteil der Antibabypille, hat sich als sehr abbauresistent erwiesen. Zudem dringen besonders die Östrogene in die Tiefe des Bodens ein und können dadurch eine Gefahr für Grund- und Oberflächengewässer darstellen.

Quellen

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