Wie viel Tierschutz steckt hinter dem Fleisch-Label „Initiative Tierwohl“?

Verbraucherschutzzentrale NRW kritisiert

Wie viel Tierschutz steckt hinter dem Fleisch-Label „Initiative Tierwohl“? - Verbraucherschutzzentrale NRW kritisiert

Fleischware

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Seit April 2016 finden sich vermehrt Fleischprodukte im deutschen Einzelhandel, die mit einem Etikett der „Initiative Tierwohl“ bedruckt sind. Versprochen wird dem Kunden mit dem Kauf dieses Produkts den Wandel hin zu einer tiergerechteren Haltung zu unterstützen. Jetzt schlägt die Verbraucherschutzzentrale NRW Alarm!

Diese warnt: „Kunden haben keine Gewähr, dass das Fleisch aus einem Betrieb der Initiative stammt.“

Das Problem: In großer, fettgedruckter Schrift wird auf den Produkten für die Initiative geworben: „Mit dem Kauf von Fleisch und Wurst von Schwein, Pute und Hähnchen aus unserem Sortiment unterstützen Sie den Wandel zu einer tiergerechteren Haltung.“ Deutlich kleiner dann jedoch dadrunter der Hinweis: „Diese Information bedeutet nicht, dass die erworbenen Produkte bereits vollständig aus teilnehmenden Betrieben der Initiative stammen.“

Klartext: Das gekaufte Produkt kann unter Bedingungen hergestellt sein, die eben nicht den Richtlinien der Initiative entsprechen! Hier sieht die Verbraucherschutzzentrale die Gefahr, dass Verbraucher dennoch zu den beworbenen Produkten kaufen und dabei denken, sie würden ein Produkt aus tiergerechter Haltung kaufen.

Tierhaltung

Weitere Probleme prangert die Verbraucherschutz bei den Richtlinien zur tiergerechten Haltung selbst an: statt 20 Masthühnern pro Quadratmeter schreibt die „Initiative Tierwohl“ 18 vor; bei Mastschweinen 10% mehr Platz. Immer noch zu wenig und eben nicht tiergerecht, so die Verbraucherschützer. Den Betrieben steht es nämlich teilweise frei, bestimmte Kriterien zu erfüllen oder nicht. Auf der Seite der Initiative heißen sie „Wahl-/ Wahlpflichtkriterien“.

Für das Platzangebot in der Schweinemast schreibt die Initiative beispielsweise vor: „Den Tieren von teilnehmenden Betrieben stehen mindestens 10% mehr Platz zur Verfügung als gesetzlich vorgeschrieben. Die Tierhalter, die sich für dieses Kriterium entscheiden, verringern entsprechend die Besatzdichte im Stall. Neben der Mindestanforderung von 10% mehr Platz können sie sich außerdem für 20% oder 40% mehr entscheiden.“ Können – nicht müssen.

Die Verbraucherschutzzentrale schätzt, dass nur gerade einmal 10 Prozent der hierzulande geschlachteten Schweine aus der Initiative stammen – fraglich scheint, ob es im teilnehmenden Supermarkt in der Nähe also überhaupt ein Produkt aus dieser „tiergerechteren“ Haltung zu kaufen gibt.

Wer steckt hinter der „Initiative Tierwohl“?

Finanziert wird die „Initiative Tierwohl“ vom Lebensmitteleinzelhandel, unter anderem von ALDI, EDEKA, Penny, Netto, REWE und Lidl. Pro verkauftem Kilogramm Schweine- oder Geflügelfleisch (bzw. auch Wurst), geben die Unternehmen 4 Cent an die Initiative ab.

Wer tatsächlich mehr Tierschutz haben will, dem emfpiehlt die Verbraucherschutzzentrale NRW die Tierschutzlabel „Für mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes oder „Tierschutz-Kontrolliert“ der Organisation „Vier Pfoten“.

Bilder-Quelle: Shutterstock

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