Überflüssige Hygiene

Überflüssige Hygiene -

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Hausputz, Wäschewaschen, Sauberkeit im Haushalt – banal, alltäglich und dennoch immer wieder Stoff für Diskussionen.

Derzeit locken die Hersteller von Haushaltsreinigungsprodukten mit solch vielversprechenden Formeln wie „antibakteriell“, „desinfizierend“, „total hygienisch“, „keimvernichtend“ etc.

Beim Blick auf die deklarierten Inhaltsstoffe wird klar, dass viele Reinigungsmittel vor allem eins sind: aggressiv, zum Teil sogar ätzend und folgenschwer für die Gesundheit (Hautirritationen und oft auch so genannte Kontaktallergien). Dabei sind nicht nur „Chemiekeulen“ bedenklich wie beispielsweise Chlorbleichlauge, Quaternäre Ammonium-Basen, Formaldehyd, Glyoxal, Triclosan etc. Auch so genannte „Natur“-Stoffe wie Limonen und Geraniol können allergen wirken (wie überhaupt Duftstoffe sehr oft allergen, das heißt allergieprovozierend sind).

Beim normalen Hausputz ist es absolut unnötig, neben harmlosen und wirksamen Reinigern wie Essig oder Neutralseife schärfere Mittel und Desinfizierer einzusetzen. Da sie nicht halten, was unter wissenschaftlich-hygienischen, das heißt infektionspräventiven Gesichtspunkten Ziel wäre, nämlich Schaffung von absoluter Sterilität wie im Krankenhaus, braucht man sie im Haushalt auch nicht.

Diese Produkte reduzieren allenfalls die Keimbildung und das ist überflüssig beziehungsweise sogar schädlich, weil das Immunsystem, vor allem von Kindern, somit nicht trainiert werden kann und damit anfällig wird für Infekte und Allergien.

Allergien sind in den letzten Jahrzehnten überdurchschnittlich angestiegen. Meist manifestieren sie sich an Haut oder Schleimhaut mit Krankheiten wie Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis, Unverträglichkeitsreaktionen, Ekzemen (Kontaktallergie) etc. Das Immunsystem reagiert auf so genannte Allergene (Konservierungsstoffe in Nahrungsmitteln, Chemikalien, Pollen, Hausstaub, Impfstoffe etc.) mit der Ausbildung einer Allergie. Die Ursache dafür ist meist eine Kombination verschiedener Faktoren wie Ernährung, Veranlagung, Kontakt mit entsprechenden Substanzen, schlechter Allgemeinzustand der körpereigenen Abwehr etc.

Allergien sind meist nicht heilbar, sondern bei entsprechender Therapie nur zu lindern. Die Wissenschaft und Medizin setzt daher stark auf die Prävention von Allergien, besonders bei Kindern.

Eine derzeit vieldiskutierte Theorie, die so genannte Dschungeltheorie, besagt, dass Kinder aus „unsaubereren“ Umfeldern weniger Allergien entwickeln als Kinder aus besonders sterilem Umfeld. Zurückgeführt wird das darauf, dass bei ausreichend Kontakt zu Bakterien und Keimen in anfallendem Haushaltsdreck das Immunsystem der Kinder trainiert und gestärkt wird. Auch viele Infektionskrankheiten im Kleinkindalter härten demnach ab und mindern die Allergieneigung. Dabei geschieht Folgendes: Im Hausstaub vorhandene Bakterien produzieren im menschlichen Organismus bestimmte Gifte, so genannte Endotoxine. Diese wiederum regen das menschliche Immunsystem an, vermehrt Stoffe wie Interferon und Interleukin herzustellen. Diese blockieren dann die Ausbildung von Allergien bei Kindern, so auch die Meinung der von uns befragten Hygieneexperten.

Fazit: Zuviel Müll und Schmutz machen krank, aber Sauberkeitswahn im Haushalt und bei der Körperpflege ebenso.

Von Judith Levold

Quelle: hr-online.de

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