So wirst Du zum Umweltschützer

Praktische Tipps

So wirst Du zum Umweltschützer - Praktische Tipps

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Tiere schützen, ihre Lebensräume sichern, die Umweltverschmutzung bekämpfen – es gibt viel zu tun. Mit diesen zwölf Tipps kann jeder etwas zum Naturschutz beitragen.

Dokumentieren

Wie viele Luchse und Seeadler gibt es noch in Deutschland? Mittels solcher Zahlen kann entschieden wer- den, ob bestimmte Arten Schutz brauchen. Doch dafür müssen die Tiere gezählt werden. Das ist ziemlich aufwendig, aber ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz, und jeder kann mitmachen: Eine Möglichkeit ist, vom 3. bis 12. August 2018 an der bundesweiten Nabu-Aktion „Insektensommer“ teilzunehmen: Einfach alle Kleintiere, die man innerhalb einer Stunde sieht, zählen und mit der Nabu-App übermitteln. Menschen, die gerne durch die Natur wandern, können zudem das ganze Jahr über etwas für heimische Vögel tun. Während sie durch Wald und Wiesen schlendern, tragen sie dazu in die App „NaturaList“ ein, welche Vogelarten sie gesehen haben. Die Daten erweitern das jährliche Vogelmonitoring des Bundesamtes für Naturschutz.

Doch Moment mal: Wie heißt der Vogel überhaupt, der eben auf der Ulme gelandet ist? Wer Schwierigkeiten bei der Zuordnung der Vögel hat, dem hilft die „Naturblick“-App. Ähnlich wie bei automatischer Musikerkennung gleicht das Programm die aufgezeichneten Vogelstimmen ab und zeigt, welchem Piepmatz man begegnet ist. Ein ähnliches Angebot gibt es auch für Pflanzen: Wer eine schöne Blume entdeckt, kann mit der App „Flora Incognita“ digital Blumen sammeln. Dafür fotografiert man die Pflanze mit dem Programm, das sie automatisch in einen Katalog einsortiert. Und auch Nachtschwärmer können herausfinden, wer über den Köpfen gerade durch die Luft flattert: mit der App „BatLib“. Sie vermittelt Wissen über Fledermäuse und spielt Ultraschall-Rufe ab. Der dazugehörige „Batscanner“ nimmt die Tierrufe auf, macht sie hörbar und vergleicht sie.

Kompostieren

Salatreste, Teeblätter, Obstschalen – bei den meisten landet dieser Müll im Bioabfall. Menschen, die stattdessen einen Komposthaufen im Garten anlegen, stellen damit nicht nur wertvollen Humus her, sondern bieten auch Lebensraum für Würmer, Larven und Käfer. Diese werden wiederum zur Nahrungsquelle für Vögel oder Igel. Aufwendig ist das Unterhalten eines Komposthaufens nicht: einfach Essensreste, Gartenabfälle und Ähnliches stapeln, und im Laufe der Zeit wird daraus frische Erde. Der Haufen braucht nur genug Luft und gut durchmischte Schichten. Behälter gibt es dafür schon ab etwa 15 Euro im Baumarkt. Städter ohne Garten können übrigens auch kompostieren: in der Küche mit sogenannten Bokashi-Eimern. In diesen werden Essensreste mit Hilfe von Mikroorganismen sehr schnell zu Humus. Starterset ab etwa 45 Euro auf www.em-kaufhaus.de

kompost

Die Natur auf Friedhöfen schützen

Das wissen die wenigsten: Friedhöfe stellen gerade in großen Städten wichtige Ökosysteme dar. Hier gibt es viel Raum für Natur und nur wenige Besucher – ein perfekter Ort also für Tiere zum Brüten oder Überwintern. Aber auch seltene Gewächse finden hier einen Lebensraum: Ganze zehn Prozent der Wildpflanzen auf Friedhöfen stehen nach Angaben der Stiftung Naturschutz auf der Roten Liste für gefährdete Arten. Damit sie geschützt werden, kann jeder etwas tun: Wer bei der Grabpflege darauf achtet, wilde Pflanzen und Moose wachsen zu lassen und den Blick offen hält für Vogelnester, schützt den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen.

Eine Auszeit für den Naturschutz nutzen

Ist es mal wieder Zeit für ein Wochenende zum „Rauskommen“, zwei Wochen Urlaub oder sogar ein Sabbatical? Statt nach Mallorca zu fliegen oder All-inclusive-Urlaub in Italien zu buchen, bietet sich diese Auszeit auch für einen Beitrag zum Naturschutz an. Zum Beispiel mit einem Besuch auf der ersten klimafreundlichen Insel Deutschlands: der autofreien Nordseeinsel Juist. Bekannt ist sie auch als Pferdeinsel, hier fährt sogar die Müllabfuhr mit Kutschen. Besucher verbessern während des Urlaubs auf Juist nicht nur ihren CO2- Fußabdruck, bei Wattwanderungen durch das Weltnaturerbe lernen sie auch einiges Neues über Naturschutz.

Wer mehr Zeit hat: Für Schulabgänger oder Studenten bis zum Alter von 27 Jahren gibt es auch das Freiwillige Ökologische Jahr. Das Besondere: Die Teilnehmer engagieren sich und können in der Natur so richtig abschalten – beispielsweise als Betreuer von Naturschutzgebieten auf Sylt oder bei Ausbauarbeiten eines Walderlebniszentrums in den Alpen. Wen es weiter in die Ferne zieht, für den gibt es ebenfalls eine Vielzahl an Angeboten: zum Beispiel Laien-Forschungsreisen, bei denen Walgesänge in Portugal aufgenommen werden oder Expeditionen zur Erforschung von Tiere im Amazonasgebiet.

An Umweltgruppen teilnehmen

In fast jeder Stadt gibt es mehrere Umweltgruppen, in denen man sich engagieren kann. Das muss nicht immer viel Zeit beanspruchen. Greenpeace, BUND, Nabu und viele lokale Initiativen bieten zahlreiche Diskussionsrunden oder Arbeitsgruppen, die in der Regel für alle offen stehen. In den Gruppen kann man zum Beispiel die Abfallpolitik seiner Stadt kritisch hinterfragen und der Politik Verbesserungsvorschläge unterbreiten. In anderen Teams bekommt man die Möglichkeit, sich für die Gewässer in der Umgebung einzusetzen oder an spannenden Vorträgen zu aktuellen Naturschutzthemen teilzunehmen.

Besser pflanzen

Trotz allen Engagements für Insekten gibt es unter ihnen auch einige, die man lieber nicht auf seinen Pflanzen haben will – Blattläuse können beispielsweise sehr lästig werden. Um sie fernzuhalten muss man aber keineswegs zu Insektiziden greifen. Eine wieder entdeckte Alternative heißt Permakultur: Einfach Basilikum neben die Tomate pflanzen und die Läuse werden durch den intensiven Geruch ferngehalten. Eine Übersicht über Permakulturprojekte in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern bietet www.permakultur-info.de

Leben im Wasser schützen

Unsere Gewässer sind Lebensquelle für viele Tierarten – darunter auch einige, die auf der Roten Liste stehen: Steinkrebse und Edelkrebse sind beispielsweise deutschlandweit vom Aussterben bedroht. In Nordrhein- Westfalen bietet ein Projekt deshalb Schulungen an, um die Bestände zu prüfen und einen Beitrag zur Wiederansiedlung zu leisten. Dafür werden Online-Formulare zur Kartierung bereitgestellt. Ebenso brauchen aber auch andere Süßwasser-Bewohner Hilfe: Amphibien sind deutschlandweit bedroht, allein in Bayern sind es 10 von 19 Arten. Damit es in bayerischen Teichen und Seen weiterhin quakt, ruft der Bund Naturschutz Bayern deshalb die Bevölkerung auf, aktiv zu unterstützen: Beispielsweise kann man mitmachen, wenn an Straßen Zäune für den Amphibienschutz aufgestellt werden oder helfen, Kröten sicher über die Straße zu tragen – jährlich rettet der Bund Naturschutz so rund eine halbe Millionen Kröten. Bei Interesse, E-Mail an: amphibien@bund-naturschutz.de

Ein Zuhause bauen

Rund die Hälfte der heimischen Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht – zu den Gründen zählt unter anderem der Rückgang an natürlichen Lebensräumen. Denn Wildbienen leben hauptsächlich in Erdböden und Hohlräumen, solche geschützten Umgebungen gibt es allerdings immer weniger. Man bietet ihnen einen kleinen Ersatz, indem man im eigenen Garten oder Balkon ein Insektenhotel eröffnet. Für den Bau gibt es kostenlose Anleitungen auf der Website vom Nabu. Wer dann für das Schreinern bereits Hammer und Säge in der Hand hält, kann mit etwas Holz und Nägeln außerdem gleich ein paar Nistkästen zimmern. Denn auch zahlreiche Vogelarten finden für den Nestbau und die Aufzucht ihrer Jungen immer seltener geschützte Büsche und Bäume. Daher freuen sie sich im Frühling, wenn man ihnen Vogelhäuschen im Garten aufgehängt hat. Menschen, die sich handwerklich eher unbegabt fühlen, finden die Nistkästen fertig zusammengebaut in Baumärkten.

Ratgeber zum Bienenschutz: www.deutschland-summt.de

Bienenstock

Protestieren

Lauten Protest kennt man heute oft nur noch von Kindern, die sich im Supermarkt schreiend auf den Boden schmeißen und nach Süßigkeiten verlangen. Dabei sind Demonstrationen angesichts der globalen Herausforderungen im Naturschutz nötiger denn je. Warum also nicht einfach mal gegen die Zustände in der Massentierhaltung auf die Straße gehen? Alternativ kann man auch bei Aktionen wie „Plastic Attacks“ mitmachen, bei denen sich Konsumenten verabreden, sämtliche Plastikverpackungen in den Supermärkten zu lassen.

Durch die entstehenden Müllberge sollen die Lebensmittelgeschäfte zu einem reflektierten Umgang mit Verpackungen bewegt werden. In Großbritannien haben solche Aktionen erste Wirkungen gezeigt: Die Supermarktkette Tesco sucht bereits den Dialog mit den Aktivisten. Wer es dagegen lieber digital mag, kann natürlich auch über das Internet Einfluss nehmen: etwa durch das Unterzeichnen von einer der zahlreichen Petitionen von Naturschutzorganisationen. Einen wichtigen Beitrag leistet man aber auch schon, wenn man mit Social-Media-Posts von interessanten Artikeln oder Videos in seinem Freundeskreis das Bewusstsein zum Thema Naturschutz vergrößert.

Zum Protestieren: www.openpetition.de, www.change.org, www.bund.net/mitmachen

Müll sammeln

Zu den größten Herausforderungen für den Naturschutz zählt der Plastikmüll, der Land und Meere verschmutzt. Eine Antwort ist der „World-Cleanup-Day“ am 15. September 2018, an dem rund um den Globus Müll gesammelt wird. Zusätzlich unterstützen Apps den Abfallkampf: Mit „World-Cleanup“ und „Litterati“ lassen sich über Aktionskarten illegale Müllhalden markieren. Ziel ist es, dass die lokalen Behörden den Müll entfernen. Alternativ bieten die Apps aber auch die Möglichkeit, Gruppen zum Aufsammeln zu organisieren. Wer dabei gern Sport macht: Wie wär es mit „Plogging“? Die Idee stammt aus Schweden. Gruppen verabreden sich dabei zum Müllsammeln und Joggen.

müll

Einen Film drehen

Hobbyfilmer können sich auch mit ihrem Talent als Naturschützer engagieren: Das deutschlandweite Umwelt- und Bildungsprojekt „GreenCut“ ermöglicht jungen Leuten Videos zu biologischer Vielfalt zu drehen. Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz setzen Jugendliche eigene Projekte um. Zunächst erfolgt die Themenrecherche, dann die Drehphase und am Ende werden die Ergebnisse über eine multimediale Wanderausstellung veröffentlicht. Das Ziel: in der Gesellschaft ein besseres Bewusstsein für die heimische Flora und Fauna zu schaffen.

So wurden beispielsweise schon das Wattenmeer und der Nationalpark Bayerischer Wald porträtiert. Filmer, die ohne Förderung auskommen, können natürlich ebenso gut auf eigene Faust losziehen: Dazu produzieren sie einen Clip über ihren Lieblingsort in der Natur, teilen das Video auf Plattformen wie Vimeo, Youtube oder Facebook und stoßen auch so spannende Diskussionen über Naturschutz an.

Einen Baum pflanzen

Bäume pflanzen können sogar schon die Kleinsten – das hat das Projekt „Plant for the Planet“ bewiesen: Weltweit haben Schüler damit mittlerweile über 15 Milliarden Bäume in den Boden gebracht. Warum also nicht diesem Beispiel folgen und selbst pflanzen? Jeder Baum ist ein wichtiger Beitrag gegen das weltweite Waldsterben und hält die Luft sauber: Eine ausgewachsene Eiche deckt beispielsweise im Schnitt den täglichen Sauerstoffbedarf von etwa 10 bis 20 Menschen. Ein paar Regeln sind beim Pflanzen allerdings zu beachten. Welche genau, erfährt man unter „I Plant A Tree“ und auf dem „Baumpflege-Portal“.

So sind Standort, Baumsorte und Zeitpunkt beispielsweise wichtig. Frühling oder Herbst sind die besten Jahreszeiten zum Pflanzen. Außerdem ist es ratsam, heimische Sorten auszuwählen, da sie gut an das Klima angepasst sind. Und noch ein wichtiger Hinweis: Jenseits des eigenen Gartens muss man eine Genehmigung beim Umweltamt einholen. Wer es sich einfacher machen will, kann auch an verschiedenen Orten Engagements für grünere Städte unterstützen – zum Beispiel die Initiative „Stadtbäume für Berlin“ oder die Leipziger Spendenaktion „Baumstarke Stadt“.

Dieser Artikel von Merle Hansen/Theresa Kost/Xenia von Polier stammt vom „enorm Magazin“.

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