Sind Insekten die Nahrungsquelle der Zukunft?

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Rund zwei Milliarden Menschen weltweit ernähren sich bereits von Insekten. Vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika stehen die Krabbeltiere auf dem Speiseplan. Zur Wahl stehen etwa 1.900 essbare Arten, von denen man manche inzwischen auch hierzulande kaufen kann. Aber ist der Konsum von Insekten wirklich empfehlenswert?

Etwa 300 Gramm Insekten isst jede Familie im Kongo durchschnittlich pro Woche. Was anderswo völlig normal ist, genießt hier bisher noch keinen allzu guten Ruf. Dabei essen wir bereits Insekten: Beispielsweise besteht der rote Farbstoff Karmin – der vor allem in vielen Süßigkeiten, Joghurts, aber auch Lippenstiften enthalten ist – aus Schildläusen.

Als beliebte Delikatesse gelten Insekten deshalb aber noch lange nicht. Verschiedene Start-ups und Lebensmittelproduzenten wollen das aber zukünftig ändern.

Der Insektenburger als Vorreiter

Während in der Schweiz in den großen Supermärkten „Coop“ und „Migros“ bereits 2017 das große Krabbeln ausgebrochen ist – hat nun auch vor Kurzem „Rewe“ als einer der ersten deutschen Supermärkte einen Insektenburger ins Sortiment aufgenommen.

Bisher gibt es diesen besonderen Burger, der aus Buffalowürmern, Bio-Soja und weiteren Zutaten besteht, nur in ausgewählten Filialen. Die extra für den Burger gezüchteten Würmer stammen nach Angaben des Osnabrücker Start-ups „Bugfoundation“ aus artgerechter Haltung und wurden nachhaltig und ohne Antibiotika produziert.

Geschmacklich beschreibt die „Berliner Zeitung“ ihn als „herzhaft-umami, aber nicht zu intensiv, nussig, leicht fleischig, aber ohne penetranten Nachgeschmack“. Eine wichtige Hürde hat der Insektenburger damit schon einmal genommen.

Aber haben Insekten wirklich das Potenzial als Alternative zu Wurst & Co. in Deutschland durchzustarten? Ab Juni soll der Insektenburger bundesweit vor allem Flexitarier begeistern und eine bessere Alternative zu herkömmlichem Fleisch bieten.

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Warum hoher Fleischkonsum problematisch is(s)t

Fleisch- und Wurstwaren sind in Deutschland seit jeher sehr beliebt. Im Jahr 2017 wurden pro Kopf knapp 60 Kilogramm Fleisch verzehrt. Rein rechnerisch sind das etwa 164 Gramm pro Tag.

Immer mehr Studien bestätigen inzwischen, dass ein hoher Fleischkonsum mit einem höheren Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einer geringeren Lebenserwartung in Verbindung gebracht wird. „Vor allem das Darmkrebsrisiko steigt mit vermehrtem Fleischkonsum“, erklärt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des „Krebsinformationsdienstes“ (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum gegenüber „T-Online“. Als Grund dafür nennt die Expertin unter anderem die lange Verweildauer im Dickdarm, eine größere Ausschüttung von Gallensäure, die Nitratbelastung von gepökelten Fleischwaren, den hohen Eisengehalt und ungünstige Zubereitungsmethoden, wie zu scharfes Anbraten. Ein geringerer Konsum von Fleisch wird daher angeraten.

Darüber hinaus kann durch reduzierten Fleischkonsum das Klima geschont werden, da weniger Platz und Energie für die Produktion von Futtermitteln und Nutztieren benötigt und weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. Nicht nur die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ spricht sich daher für einen reduzierten Fleischverzehr aus.

Verpacktes Fleisch

Insektenfleisch: Vor- und Nachteile

Ob und inwieweit Insekten als Fleischersatz angenommen werden, wird sich zeigen müssen. Doch immer mehr werden die Vorteile der „neuen“ Nahrungsquelle hervorgehoben.

Insekten liefern neben Vitamin A und B wichtige Mineralstoffe wie Eisen, Zink, Kalium und Kalzium. Außerdem werden immer wieder der hohe Proteingehalt von beispielsweise Mehlwürmern und die enthaltenen ungesättigten Fettsäuren positiv hervorgehoben.

Auch soll die harte Chitin-Hülle von Insekten weitere Vorteile mit sich bringen. Wie Ernährungsexperte Dr. Dr. Stefan Hillejan gegenüber dem „Focus“ erklärt, liefert sie wichtige Ballaststoffe, die die Muskelaktivität der Darmwand anregen und sich somit positiv auf eine gesunde Verdauung auswirken. Demgegenüber steht allerdings, dass Chitin auch die Aufnahme einiger Nährstoffe hemmen kann.

Da die Nährwerte bei Insekten ohnehin sehr stark schwanken, ist es schwer genau einschätzen zu können, wie viele Vitamine und Mineralstoffe wir beim Verzehr tatsächlich aufnehmen können.

Hinzu kommt, dass Insekten Krankheitserreger und Schadstoffe wie zum Beispiel Schwermetalle enthalten können. Daher ist es sehr wichtig, dass die Tiere unter guten hygienischen Bedingungen gezüchtet und nur gegart verzehrt werden. Insekten aus dem Zoohandel oder gar aus freier Wildbahn sollte man keinesfalls verzehren. Vorsicht ist außerdem geboten, wenn Du eine Allergie gegen Hausstaubmilben oder Schalen- und Krustentiere hast, da sich eine Kreuzallergie gegen Insekten entwickeln kann.

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Des Weiteren ist die Zucht vom neuen Superfood deutlich weniger aufwendig als bei anderen Nutztieren des Menschen. Das liegt unter anderem daran, dass Insekten viel weniger Platz und Futter benötigen.

Während für ein Kilogramm Rindfleisch in etwa 25 Kilogramm Futter eingesetzt werden, sind es bei Grillen nur rund zwei Kilogramm. Auch sind viel weniger Landflächen und Wasser nötig. Dadurch können Ressourcen eingespart werden, zumal die Aufzucht von Insekten auch nur wenige Wochen statt Monate oder Jahre dauert. Insekten verursachen zudem auch geringere Treibhausgase. Auch als Futtermittelersatz könnten Insektenmehle zukünftig das in großen Mengen eingesetzte Soja ersetzen.

Ethisch bedenklich könnte außerdem der Import von Insekten aus asiatischen Ländern sein. Durch eine erhöhte Nachfrage könnte der Preis drastisch ansteigen, sodass sich die einheimische Bevölkerung Insekten als Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten kann. Dasselbe und viele weitere Probleme gibt es bereits durch den großen Boom von Quinoa, Chia-Samen und anderen Foodtrends.

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Der Weg in den Supermarkt

Damit Insekten als Lebensmittel verkauft werden können, müssen zunächst die Risiken erforscht und bewertet werden. Für jede Insektenart ist daher eine gesundheitliche Risikobewertung notwendig, die klären soll, ob toxikologische, mikrobiologische oder allergene Risiken bestehen. Da Insekten bisher als Nahrungsmittel in Europa nicht üblich waren, war die Rechtslage für lange Zeit schwierig. Der Insektenburger der „Bugfoundation“ wurde 2015 schon in Belgien und 2017 in den Niederlanden verkauft. Bereits seit Mai 2017 werden auch in der Schweiz Insekten als Futtermittel verkauft. In Deutschland war dies für lange Zeit rechtlich nicht möglich.

Seit dem 1. Januar 2018 gibt es in Deutschland nun eine neue Verordnung, die den Verkauf von ganzen Insekten als Lebensmittel erlaubt. Diese müssen allerdings vorab überprüft und zugelassen werden. Dann steht den Insekten-Burgern, Mehlwurm-Nudeln und Riegeln mit Insekten-Protein, die vor allem für Sportler interessant sein dürften, nichts mehr im Wege. Außer vielleicht der Ekel mancher Menschen.

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Fazit: Es bleibt spannend!

Ob die Zulassung von Insekten tatsächlich bewirken kann, dass die Krabbeltiere bald häufiger als Fleisch- und Wurstwaren verzehrt werden, bleibt ungewiss. Immerhin bemüht sich beispielsweise die „Verbraucherzentrale Hamburg“ Vorurteile abzubauen und den Bürgern die Insekten-Burger schmackhaft zu machen, indem sie ausführlich über das neue Superfood informiert.

Am Ende muss aber jeder für sich selbst entscheiden, ob er mit auf der Welle der neuen Fleisch-Revolution reiten möchte. Schließlich sind Insekten auch lebende Wesen, und obwohl derzeit noch unklar ist, ob sie Schmerz empfinden oder nicht, bleibt es eine moralische Frage, ob wir Tiere als Nahrung ansehen wollen.

Wer Fleisch reduzieren oder ganz darauf verzichten möchte, findet auch in einer vegetarischen oder veganen Ernährung viele Alternativen, um genügend Proteine und Nährstoffe zu sich zu nehmen und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.

Wem es schwerfällt ganz auf Fleisch zu verzichten, für den könnten Insekten-Produkte hilfreich sein, um gewisse gesundheitliche Risiken und den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Ob Mehlwurm-Nudeln und Insekten-Proteinriegel wirklich ein Kassenschlager werden, wird aber schlussendlich nur die Zeit zeigen.

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