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Nahrungsergänzungsmittel: Nehmen oder nicht?

Was macht Sinn und was nicht?

Nahrungsergänzungsmittel: Nehmen oder nicht? - Was macht Sinn und was nicht?

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Einst wurden Vitaminpillen gehypt, dann pauschal verdammt. Doch richtig dosiert und eingesetzt können Nahrungsergänzungsmittel durchaus sinnvoll sein.

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Für viele gehören Nahrungsergänzungsmittel zu einem täglichen Ritual: das Röhrchen aufploppen, die Brausetablette mit der Tagesration Vitamine und Mineralien in ein großes Glas Wasser plumpsen lassen, dem meditativ wirkenden Sprudeln zusehen und schließlich die nach Orange schmeckende Flüssigkeit in einem Zug trinken. Mit so einem Rundum-sorglos-Paket fühlte man sich auf der sicheren Seite – auch dann, wenn die Ernährung sonst nicht gerade optimal war.

Gemüse ist besser als Nahrungsergänzungsmittel

Solchen Illusionen gibt sich heute wohl kaum noch jemand hin. Nur gestrandet auf einer einsamen Insel hätte man den Negativmeldungen über künstliche Nährstoffe aus dem Weg gehen können. Sie seien in vielen Fällen gefährlich, hieß es, und bestenfalls nutzlos. Eine Ernährung mit frischen Nahrungsmitteln liefere alles, was man brauche – nicht nur das ABC der Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, sondern zudem eine niemals kopierbare Vielfalt sekundärer Pflanzenstoffe und die für die Darmflora so wichtigen Fasern und Ballaststoffe.

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Manchmal reicht es nicht

Inzwischen hat sich herausgestellt: Diese Einschätzung ist zwar nicht falsch, aber auch zu stark vereinfacht. So meint Dr. Volker Schmiedel, Autor des auch für Laien verständlichen Fachbuches „Quickstart Nährstofftherapie“ (Verlag Hippokrates): „Echte Lebensmittel sind immer zu bevorzugen, wenn das möglich ist – aber es gibt eben viele Situationen, in denen das nicht geht oder nicht reicht.“

Gerade dann kommt man allerdings mit Multipräparaten nicht weiter: „Aus Sicherheitsgründen sind sie meist viel zu gering dosiert, um ein echtes Defizit beheben zu können.“ Das heißt: Bei vielen Kombiprodukten hat man von einem Großteil des Inhalts gar nichts – während eine Unterversorgung mit einzelnen Nährstoffen allenfalls gemildert, aber nicht effektiv ausgeglichen wird.

Gezielter Einsatz statt Gießkanne

Statt nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen, sollten Nahrungsergänzungsmittel also gezielt eingesetzt werden, um ein Nährstoffloch zu füllen oder bestimmte therapeutische Zwecke zu erreichen. „So kann ein Arzt, der in der sogenannten orthomolekularen Medizin erfahren ist, zum Beispiel Vitamin B2 in sehr hoher Dosis als Anfallsprophylaxe bei Migräne einsetzen“, sagt Schmiedel, der in seiner Praxis im schweizerischen Baar und als Chefarzt in der Kasseler Habichtswald-Klinik seine Patienten häufig mit Nährstoffpräparaten behandelt hat. Seiner Erfahrung nach kennen sich eher Heilpraktiker als Ärzte mit diesem Thema aus, weil es im Medizinstudium kaum gelehrt wird. „Manche belächeln es sogar nur und verordnen zugleich routinemäßig Eisen bei Blutarmut und Folsäure bei Kinderwunsch – beides ist klassische orthomolekulare Medizin.“

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Unklare Symptome

Gerade diese beiden Beispiele zeigen aber auch, dass eine Unterversorgung lange unentdeckt bleiben kann. So werden beim Eisen zuerst die Speicher geplündert, bevor es zunächst meist nur zu sehr unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit kommt, die ja tausend Gründe haben kann. Erst bei einem deutlichen und länger anhaltenden Eisen-Tief entstehen stärker auffallende Veränderungen, wie eingerissene Mundwinkel und Atemnot bei körperlicher Anstrengung.

Ein Folsäuredefizit führt sogar nur äußerst selten zu klaren Beschwerden wie etwa Durchfall. Bei einer Schwangerschaft kann sich dafür umso dramatischer zeigen, wie wichtig das für die Zellteilung nötige Vitamin ist: Der Mangel birgt die Gefahr, dass das Kind im Mutterleib stirbt oder fehlgebildet zur Welt kommt.

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Vorsicht, Nährstoffräuber!

Doch wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Nährstoffversorgung ausreicht, sollten Sie diese lieber mithilfe eines Therapeuten und der richtigen Diagnostik systematisch überprüfen lassen, als einfach irgendwas einzuwerfen (und viel Geld dafür auszugeben).

Das kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn Sie sich eher einseitig ernähren, wegen Unverträglichkeiten oder persönlichen Abneigungen bestimmte Lebensmittel meiden oder möglicherweise grundsätzlich einen höheren Bedarf haben. „Genussmittel, Medikamente und chronische Erkrankungen können echte Nährstoffräuber sein“, sagt Volker Schmiedel. Doch gerade bei Kranken sind Selbstversuche riskant, denn Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen, wie etwa Eisen, das die Aufnahme bestimmter Antibiotika erschwert.

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Die Kassen zahlen nur selten

Wer auf Verdacht die eigene Nährstoffversorgung checken lassen will, stößt beim Hausarzt allerdings mitunter auf Gegenwind. Der Grund: Selbst wenn die Krankenkassen die Kosten für die Tests übernehmen (was sie ohnehin nur tun, wenn der Arzt diese für wirklich nötig hält), belasten sie sein Budget.

Falls Sie die gewünschten Untersuchungen – meist sind es Bluttests – selbst bezahlen wollen, müssen Sie mit etwa 200 Euro für die Analyse von fünf bis zehn Substanzen rechnen. Das ist viel Geld, klar. Andererseits, so Schmiedel: „Eine Autoinspektion ist teurer.“

Dieser Text von Kirsten Segler erschien zuerst bei „so gesund“.

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