Nachhaltig online shoppen: Eine Guideline

Nicht nur zu Weihnachten

Nachhaltig online shoppen: Eine Guideline - Nicht nur zu Weihnachten

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72 Prozent der Deutschen kaufen Produkte und Dienstleistung online, meist verbunden mit hohen CO2-Emissionen und viel Verpackungsmüll. Nachhaltiger online shoppen – geht das überhaupt?

Drei Viertel aller Deutschen kaufen bereits viele Produkte und Dienstleistungen online – das fand eine Studie von Kantar TNS im Oktober 2017 heraus. Im Auftrag des Internethändler Otto untersuchte sie das Online-Einkaufsverhalten der Deutschen. Und fand heraus: 74 Prozent lassen sich dabei durch Stimmungen zu Spontankäufen verleiten. Der typische Onlineshopper kommt dabei trotz zahlreicher Einkaufsmöglichkeiten vermehrt aus der Großstadt. Das Problem: durch den Transport direkt vor die Haustür fallen zusätzliche Emissionen an. Ganz zu schweigen von dem ganzen Verpackungsmüll, der beim Onlineshopping entsteht, denn Produkte sind zusätzlich in Übermengen in Schutzfolien, Styropor und Plastik verpackt. Und nicht nur das: Deutschland ist zudem auch noch Rekordmeister in der Retour. Über die Hälfte aller Produkte wird wieder zurückgeschickt.

Aber auf den das bequeme Onlineshoppen von der Couch aus statt in den überfüllten Geschäften – gerade in der stressigen Weihnachtszeit – will man wohl kaum verzichten. Wie kann man also dem Weihnachtsstress online entkommen ohne die Umwelt zu belasten?

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Transport

Als erstes sollte man darauf achten, mit welchem Paketdienst ein Onlineshop seine Pakete ausliefert. DPD ist im klimaneutralen Versand vorne mit dabei – und das sogar ohne Aufpreis für den Konsumenten. Für den Transport von Kleidung & Co. werden umweltfreundliche Fahrzeuge wie Fahrräder, Elektro- oder Erdgasautos eingesetzt. Routenoptimierung und eine ständige Steigerung der erfolgreichen Erstzustellungen senken die Emissionen zusätzlich. Bis 2020 wollte DPD den eigenen CO2-Ausstoß um 10 Prozent im Vergleich zu 2013 zu reduzieren – und hat dieses Ziel 2016 bereits erreicht.

Auch DHL transportiert Pakete für den Privatkunden klimaneutral. Deutschlandweit ganz kostenlos und für Auslandssendungen stellt der Aufkleber „Go Green“ einen umweltfreundlichen Transport sicher – für einen Aufpreis von unter einem Euro, das in Projekte für Energieeffizienz, erneuerbarer Energien und Aufforstung fließt. DHLs Ziel: die CO2-Effizienz soll im Vergleich zu 2007 bis 2025 um 50 Prozent verbessert werden. Bis zum Jahr 2050 will das Unternehmen sogar komplett emissionsfrei sein. Dabei sollen ihm auch selbst produzierte Elektroautos helfen – die Streetscooter, die sich gerade zu einer echten Erfolgsstory entwickeln. Am besten beim Onlineshopping ist – wie beim stationären Handel auch – auf die Regionalität der Produkte zu achten und so kurze Transportwege zu unterstützen. Wer also als Großstädter Ware innerhalb der Stadt zu sich liefern möchte, kann auf Velogista für den Versand zurückgreifen. Die Logistik-Lösung für die Großstadt transportiert mit elektrisch unterstützten Lastenfahrrädern mit einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometer. Mit bis zu 250 kg Gewicht umgehen die Drei-Räder jeden Stau, Angestellte werden zudem fair bezahlt.

Innenverpackung

Packt man bisher seine zugestellten Pakete aus, kommt einem erst einmal eine ganze Welle an Styropor, Plastik und sonstigem Verpackungsmaterial entgegen. Manchmal muss man sogar richtig graben, um das eigentliche Produkt zu finden. Ordentlich verpackt – okay. Aber so viel schädlicher Verpackungsmüll? Nein danke.

Max Thinius von dem Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel plädiert auf clevere Außenverpackung, um ganz auf die Innenverpackung zu verzichten. Bei einigen Produkten ist das aber nicht möglich. Das bayerische Start-up Landpack findet deshalb ökologische Alternativen: Stroh statt Styropor ist dessen Motto. Die Isolierungsverpackungen aus den pflanzlichen Fasern sind für Dämmung, Feuchtigkeitsregulierung und Rückstellkraft perfekt geeignet. Dabei verwendet Landpack keine Zusatzstoffe, keine Klebstoffe und keine Bindemittel. Das ist einerseits gut für die Umwelt, da die Verpackung einfach im Biomüll entsorgt werden kann. Andererseits ist das Produkt so auch preislich wettbewerbsfähig mit Styropor. Wer allerdings besonders gerne in den Styroporchips wühlt, findet bei Biobiene die perfekte nachhaltige Alternative: Füllmaterial aus Pflanzenstärke. Hohl- und Zwischenräume werden durch die kleinen Chips gefüllt – in den Farben rot, rosa, grün, gelb und blau macht das sogar besonders Spaß. Außerdem guter Styroporersatz seit vielen Jahren: Innenverpackungen aus 100 Prozent Recyclingpapier. Nur durch Zugabe von Wasser – also ohne weitere Bindemittel oder sonstige Chemikalien – entsteht aus einer Papiermasse fast jede dreidimensionale Form, die einen optimalen Polsterschutz für die Produkte bietet. Besonderer Vorteil: Die Verpackung ist wiederverwendbar, recycelbar und biologisch abbaubar.

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Außenverpackung

Nicht nur die Innenverpackung kann durch Papier nachhaltig gestaltet werden: Auch Pakete aus Recyclingpapier ist viel umweltfreundlicher als Frischfaserpapier. Bei der Herstellung werden weniger Energie und Wasserzufuhr benötigt. Papier zertifiziert mit dem „Blauen Engel“ ist dabei besonders empfehlenswert. Auch mit dem Nachhaltigkeits-Siegel zertifiziert ist die „Memo Box“, die Außenverpackung durch ein Mehrweg-Versandsystem ganz neu denkt. Die grünen Boxen sind aus umweltfreundlichem und recyclingsfähigen Polypropylen. Sie sind stabil, stoßfest und unempflichlich gegen Nässe – und eignen sich damit optimal für ein Kreislaufsystem: Nach Warenentnahme gibt der Kunde innerhalb von 14 Tagen die Box einfach dem Zusteller zurück oder in einem Paketshop in der Nähe ab. Das spart den Abfall vieler hunderttausenden Versandkartons und kostet den Kunden keinen Cent extra.

Und wenn es nicht gleich in einer großen Box kommen soll, sind die kleineren Polypropylen-Verpackungen von RePack aus Finnland eine sinnvolle Alternative, sagt Max Thinius von dem Bundesverband für E-Commerce. Nach Erhalt des Päckchens wirft der Kunde die Verpackung einfach in den nächsten Briefkasten und schickt sie damit an Repack zurück. Und für die gute Tat wird man auch noch mit einem Gutscheinen belohnt.

Retouren

Ein weiterer Faktor der Umweltbelastung des Onlineshoppings sind die Retouren. In Europa ist Deutschland Spitzenreiter mit einer Quote von 51 Prozent zurückgesendeter Waren im Jahr 2017. Dabei ist die zusätzliche Emission durch eine gut ausgebaute Logistik meist noch das geringere Übel. Schlimmer ist mitunter die unbrauchbare Ware, die nur einmal anprobiert und zurückgeschickt wurde. Wie kann man Retouren also reduzieren? Zuerst sollte man Spontan-Käufe umgehen und nur das, was man auch wirklich braucht, kaufen. Denn die Gefahr: sich von Gefühlen zum Kauf verleiten lassen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Produkt bei Ankunft dann doch als unbrauchbar entpuppt. Was außerdem vor Enttäuschungen beim Auspacken der Produkte hilft: sich vorher genauestens über das Produkt informieren. Besonders die Meinungen anderer Kunden können dabei helfen. Meist ist es allerdings Kleidung, die wieder zurückgeschickt wird, „Größe passt nicht“ als Hauptgrund. Wie man dem vorbeugen kann? Die meisten Shops bieten zu jedem Produkt eine dazugehörige Größentabelle. Die Maße von Brust, Taille und Becken sind dort genau angegeben.

Es gibt also einiges an Potenzial, um die Online-Weihnachtseinkäufe nicht zu einem Desaster für Umwelt und Klima werden zu lassen. Ein bisschen Mehraufwand gibt es schon – aber er lohnt sich.

Dieser Artikel von Vanessa Giersdorf erschien zuerst im „enorm Magazin“.

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