Dieses Haus baut sich selbst auf

Die Technik der Zukunft

Dieses Haus baut sich selbst auf - Die Technik der Zukunft

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Es muss nicht immer neueste Technik sein: Eine britische Firma besinnt sich auf alte Ingenieurskunst und hat ein System aus Stangen und Faltmechanismen entwickelt, das ganze Häuser innerhalb weniger Minuten aufbauen kann.

So ein eigenes Haus ist schon schön. Blöd nur, dass der Aufbau Jahre dauern kann. Es ist eine Vorstellung aus Comics und Science Fiction, dass man nur eine kleine Kugel irgendwo hinwirft und – puff – steht da ein Haus. Was die britische Firma Ten Fold im Angebot hat, kommt dem aber schon sehr nah. Die Ingenieure von der Insel versprechen ein Haus, das sich innerhalb von zehn Minuten fast komplett selbst aufbaut.

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Die „kleine Kugel“, die man dafür braucht, misst allerdings 9 Meter in der Länge, fast 2,50 Meter in der Breite und ist knapp 3 Meter hoch. Ein handelsüblicher Container also, der sich bequem per LKW transportieren lässt – mit über 20 Tonnen allerdings auch einiges wiegt. Aber: Daraus soll fast von selbst ein Haus mit einer Wohnfläche von 64 Quadratmetern entstehen. Ein Video des Unternehmens zeigt, wie das später aussehen soll.

Laut Ten Fold braucht es dafür nur einen handelsüblichen Akkubohrer. Das Geheimnis der Firma ist ein patentiertes Faltsystem, das auf eine Kombination aus Gewichten, Winden, Stangen und Hebeln setzt – im Kern also simple Physik. Ein Gegengewicht bringt beispielsweise die Decke an ihre Position, was wiederum dafür sorgt, dass die Seitenverlängerungen ausgefahren werden, wodurch im nächsten Schritt Leitern und der Boden nach außen gebracht werden – und so weiter und so fort.

Fast ebenso leicht soll auch der Abbau funktionieren. Innenausstattung, Fußbodenbelag und Grundriss sind recht frei wählbar, dazu gibt es eine Reihe möglicher Upgrades, die das Haus sogar vollkommen energieautark machen, wie man das von anderen Projekten wie einem autarken Minihaus von Wohnwagon kennt.

haus innen

Unzählige Einsatzmöglichkeiten für das Haus – und die Technik

Nun lautet eine berechtigte Frage: Wer braucht das? Immerhin ist der Jahrtausende alte Sinn eines Hauses, sich irgendwo dauerhaft niederzulassen. Man muss sagen, dass Ten Folds sein System natürlich nicht nur bei Häusern einsetzt – obwohl das am beeindruckendsten aussieht. Auf der Website sind einige Beispiele genannt, wo die Technik ebenso ihre Stärken ausspielen kann: Antennen, Bühnen, Tribünen, Pop-up-Stores die diesen Namen wirklich verdienen, Brücken, Stützkonstruktionen, Dächer, Eventräume, alles scheint möglich.

Ausgewachsene Häuser können aber ebenso vielfältig eingesetzt werden. Bei Bedarf lassen sich mehrere Teile modular zusammenstecken oder übereinanderstapeln. Der Begriff „Containerdorf“ bekommt da völlig neue Ausmaße. Daneben lassen sich die Bauten aber ganz praktisch im Katastrophenfall schnell als medizinische Stationen oder Notunterkünfte aufstellen. Der Preis für die minimale Basisversion eines solchen Hauses soll etwas über 100.000 Euro liegen.

Das klingt alles zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch – noch. Denn bislang hat Ten Fold lediglich eine Reihe Prototypen vorgestellt. Noch dieses Jahr soll das voll funktionstüchtige, erste Vorführmodell fertig sein. Eine erste Version davon – zu sehen oben in den Bildern – wurde in Zusammenarbeit mit G3 Industry gebaut, womit sich auch ein entscheidender Baustein in der Strategie von Ten Fold zeigt: Die Falttechnik soll nämlich auch lizensiert und so in die Breite getragen werden. Ob die Firma dennoch ihre hoch gesteckten Ansprüche halten kann, müssen wir dennoch erst abwarten. Ein zweites, finales Vorführmodell will Ten Fold nämlich komplett selbst fertigen.

Dieser Artikel von Vincent Halang erschien zuerst beim „enorm Magazin“.

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