Weißt Du woher die Daunen in Deiner Jacke kommen?

Auf Zertifierungen achten

Weißt Du woher die Daunen in Deiner Jacke kommen? - Auf Zertifierungen achten

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Daunenfedern sind ein äußerst beliebtes Füllmaterial für warme Winterjacken und kuschelige Federbetten. Die Art und Weise der Daunengewinnung ist aber extrem problematisch. Obwohl das Rupfen lebendiger Gänse eigentlich europaweit verboten ist, nutzen manche Betriebe gesetzliche Schlupflöcher und wenden dieses grausame Prozedere teilweise immer noch an.

Gütesiegel und Zertifikate, die einen nachhaltigen Herstellungsprozess nachvollziehbar machen sollen, sind außerdem nicht immer transparent und eindeutig. Es gibt dennoch einige Siegel, die halten, was sie versprechen!

Grausame Bedingungen bei der Daunenherstellung

Unter dem äußeren Gefieder der Gänse, meist an der Brust der Tiere, versteckt sich einer der beliebtesten Rohstoffe für die Herstellung von Schlafsäcken, Bettdecken oder Winterjacken – die Daunenfedern. Sie werden hauptsächlich wegen ihrer wärmenden Wirkung so gerne verwendet, haben aber auch gegenüber anderen Füllmaterialien den Vorteil, dass sie keinen Federkiel besitzen.

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Doch der behagliche Luxus der gemütlichen Daunenjacke oder des wohlig weichen Federbetts steht oftmals der teils brutalen Behandlung der Tiere bei der Gewinnung ihrer zarten Federn gegenüber. In Deutschland dürfen Gänsezuchtbetriebe ihre Tiere mittlerweile erst nach der Schlachtung rupfen. Den Tieren bei lebendigem Leibe die Federn herauszureißen, ist eigentlich europaweit verboten und wird durch die „European Food Safety Authority“ (EFSA) nur zu den individuellen Mauserzeitpunkten (regelmäßiger Abwurf bzw. Nachwachsen des Gefieders) der Vögel erlaubt, währenddessen die Federn behutsam „abgestreichelt“ werden können.

Doch selbst darauf wird in vielen Betrieben nicht geachtet. In Ländern wie China, Polen, Frankreich und Ungarn, aus denen jährlich etwa 16.000 Tonnen Daunen nach Deutschland importiert werden, gehört der „Lebendrupf“ sogar zur Tradition. Wie diverse Videobeispiele zeigen, spielen sich dabei grausame Szenen ab. Oft werden die Tiere achtlos kopfüber zwischen die Beine der Arbeiter geklemmt. Unter extremen Schmerzen und Stress werden ihnen dann hektisch ganze Büschel von Federn herausgerissen.

Dieses brutale Prozedere zieht häufig Verletzungen wie Flügelbrüche oder herausgerissene Hautlappen mit sich, die oftmals nicht ordnungsgemäß versorgt werden. Manche Tiere sterben auch an den Folgen des „Lebendrupfs“. Für viele Zucht- und Masthaltungsbetriebe, die sich eigentlich auf die Fleisch- oder Stopfleberproduktion spezialisiert haben, stellt er zusätzlich ein lukratives Geschäft dar, da die Tiere teilweise vier- bis siebenmal gerupft werden können. Nach Angaben der Tierschutzorganisation „PETA“ würden den Gänsen ab einem Alter von zehn Monaten bis zu vier Jahren im Abstand von sechs Wochen jeweils bis zu 150 Gramm Daunen und Federn ausgerupft.

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Die Herstellungsbedingungen sind oft nicht transparent

Viele Verbraucher lehnen sich bereits gegen die andauernden Tierquälereien in den Gänsezuchtbetrieben auf und wollen bewusst auf nachhaltige und tierfreundlich hergestellte Daunenprodukte umsteigen. Doch das ist oft gar nicht so leicht, da die Herstellungsbedingungen oft nicht eindeutig bis zu den Ursprüngen nachvollziehbar sind, trotz scheinbar qualitätszusichernder Gütesiegel.

„Einige Händler machen sich sogar das zunehmende Bewusstsein der zahlungsbereiten Kundschaft zu Nutze und scheuen sich nicht, sowohl höhere Preise zu verlangen als auch Siegel und Zertifikate auszustellen, die bei Überprüfung jedoch selten halten, was sie versprechen“, schreibt die „Hamburger Verbraucherzentrale“ auf ihrer Website.

Ernüchternde Befunde liefert eine Untersuchung der „Stiftung Warentest“: Von zehn überprüften Anbietern für Daunendecken konnte kein einziger genau belegen, wo die verarbeiteten Daunen herkommen, geschweige denn, ob sie auch wirklich aus dem „Todrupf“ stammen, da sie mit den Verarbeitungsstellen meist gar nicht in direktem Kontakt stehen. Da für Daunenfedern offiziell kein unabhängiges Zertifikat mit Kontroll-, Sanktions- oder Bußgeldmöglichkeiten existiert und der Preis ebenfalls schon lange kein zuverlässiges Qualitätsmerkmal mehr darstellt, wird es für den Verbraucher schier unmöglich die Herstellungsbedingungen der Produkte bis hin zum Tier selbst zurückzuverfolgen.

Kritisch bleiben zum Schutz der Tiere!

Unzuverlässige Siegel und nicht ausreichend fundierte Aussagen der Händler fordern die Verbraucher dazu auf, sich selber zu informieren. Am besten fragt man immer ganz genau nach, für was ein Siegel genau steht und bis wohin es die Herstellungskette beschreibt. Da oft Federn aus Lebend- und Todrupfen miteinander vermischt werden, kann man auch hier vielen Mode- und Bettenherstellern, die mit angeblich „sauberen“ Daunen werben, nicht trauen.

Allein die Outdoorbranche scheint auf dem Vormarsch zu sein.

Die Aktion „Cruelty Free Down Challenge“ der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ stellt einige Outdoor-Marken vor, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, sicherzustellen, dass ihre Produkte aus tierleidfreien Betrieben stammen.

Die „Hamburger Verbraucherzentrale“ hat eine Liste bekannter Hersteller und deren Projekte, Methoden und Leitfäden zusammengestellt, darunter Marken wie „Fjällräven“, „Jack Wolfskin“ oder „Mammut“.

Beispielsweise steht das von „The North Face“ entwickelte Label „Responsible Down Standard“ (RDS) als erstes und einziges global umfassende Tierschutz-Zertifikat für Daunen, unter anderem für eine ethisch korrekte Behandlung von Tieren und „die Nachverfolgbarkeit soll durch die Zertifizierung einer unabhängigen Stelle in jedem Abschnitt der Zulieferkette gewährleistet werden“.

Außerdem versucht das Label auch das Leben der Tiere außerhalb der eigenen Zulieferkette zu verbessern. Es garantiert die Rückverfolgbarkeit vom Händler bis hin zum Tier, das laut Aussagen des Labels gut behandelt wird und keinerlei Schmerzen erleiden muss. Der „Global Traceable Down Standard“ (TDS) wurde von „Patagonia“ zusammen mit der internationalen Zertifizierungs-Organisation „NSF“ entwickelt und steht für eine hundertprozentige Nachverfolgung sowie keine Vermischung mit lebend gerupften Daunen.

Synthetische Stoffe als tierfreundliche Alternative

Wer jedoch auf Nummer sicher gehen will, muss wohl ganz auf das wärmende Federkleid verzichten. Glücklicherweise existieren bereits viele alternative Produkte aus synthetischen Stoffen, die zudem sogar preiswerter, feuchtigkeitsresistenter und strapazierfähiger sind, wohingegen Daunen bei Nässe oft ihre Dämmfähigkeit verlieren. Außerdem werden bei Kunstfaserjacken die Bildung von Schimmel, Moder und Allergie-auslösenden Bakterien gehemmt. Viele synthetische Produkte alternativer Anbieter wie „PrimaLoft“, „Thinsulate“ oder „Thermolite“ sind zudem recyclebar und halten oft länger als die aus Daunen hergestellten Materialien.

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