Diese Medikamente wurden durch Zufall entdeckt

Antibiotika, Penicillin, Lithium, Botox, Viagra & Co.

Diese Medikamente wurden durch Zufall entdeckt - Antibiotika, Penicillin, Lithium, Botox, Viagra & Co.

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Den Anfang machten Abenteurer wie die Spanier, die in Peru zufällig eine Medizinalpflanze entdeckten: Um 1630 berichteten sie, dass die China-Rinde wohl Fieber senke.

Und Goethe schrieb dazu: „Da sucht man nun mit Macht mir neues Leben und neuen Mut und neue Kraft zu geben, drum reichet mir mein Doktor medicinae Extrakte aus der Cortex Chinae“.

Nicht nur um 1630, sondern auch 1928 spielte eine gehörige Portion Zufall mit, als Alexander Fleming ahnungslos Penizillin entdeckte.

Manchmal erfordert es Abenteuerlust und eine gehörige Portion Zufall, damit ein lebensrettendes Medikament entsteht.

Penicillin

Zurück in Flemings Labor. Es ist ein heißer Sommer Ende der Zwanziger Jahre und der schottische Bakteriologe lässt während eines Sommerurlaubs das Fenster seines Labors offen. Die Eitererreger, die Fleming auf seinen Versuchsplatten aufgetragen hatte, liegen offen da. Durch das Fenster fliegen Pilzsporen herein und landen auf den Eitererregern. Die Folge ist keine Gammelmischung, sondern die Entdeckung eines der wichtigsten Arzneiwirkstoffe des letzten Jahrtausends: das Penicillin.

Denn als Fleming den Pilz züchtete, fand er heraus, dass er ein Gift beinhaltete, das Krankheitserreger tötete: Streptokokken, Meningokokken und das Diphteriebakterium. Wie man weiß, benannte der Bakteriologe die Substanz nach dem Pilz Penicillium notatum. Es dauerte allerdings noch mehr als zehn Jahre, bis die Wissenschaftler Howard Florey und Ernst Chain das Antibiotikum Penicillin produzieren konnten – für den zweiten Weltkrieg.

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Botox

Es geht um die Wurst – und Botox: 1817 beschrieb Amtsarzt Justinus Christian Kerner, dass nach dem Verzehr von schlecht gewordenen Würsten Vergiftungserscheinungen auftreten können. Das Gift der Würste nannte man Botulinum (lateinisch für Wurst). Das involvierte Bakterium benannte man später Clostridium botulinum. Damit war die Wurst auch gegessen, ganze 174 Jahre lang.

Dann 1981 spritzte der amerikanische Mediziner Alan Scott seinen schielenden Patienten das Gift in bestimmte Augenmuskeln, nachdem er den therapeutischen Nutzen der Substanz entdeckt hatte. Nach der Spritze entspannten sich die Muskeln und das Schielen verschwand. Das frühe Botox wurde bald als Krampflöser in Gesichtsmuskeln, bei Schiefhals oder anderen spastischen Erkrankungen eingesetzt.

Die weibliche Kundschaft war über einen Nebeneffekt entzückt: Die Falten im Gesicht verschwanden, wenn auch nur kurzzeitig. Dass Schönheitschirurgen inzwischen Botox als Standard-Faltenglätter weltweit einsetzen, ist auch kein Geheimnis mehr. Kürzlich wurde das Botox-Hersteller-Unternehmen Allergan vom Konkurrenten Actavis für 66 Milliarden Dollar übernommen.

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Viagra

Mehr Stehvermögen hat auch die Geschichte von Viagra. Normalerweise sind Menschen ja über Nebenwirkungen eines Medikaments nicht gerade glücklich. Im Falle von Viagra kann Mann das allerdings nicht behaupten. Das Mittel entwickelte man ursprünglich gegen die koronare Herzerkrankung – der Wirkstoff Sildenafil sollte die Gefäße im Herz entspannen und so die Beschwerden der Angina Pecrotis mindern oder als Mittel gegen Bluthochdruck helfen.

Die Studie verlief für diese Krankheiten allerdings mehr oder weniger erfolglos – dafür berichteten mehrere Probanden, dass sie leichter Erektionen bekamen als noch vor der Studie. Das Mittel war am Ende der Studienperiode so beliebt, dass so manche Probanden ihre Restmedikamente nach Ablauf der Beobachtungszeit nicht mehr hergeben wollten.

Daraufhin wurde der Wirkstoff gegen Erektionsstörungen getestet – und 1998 als Potenzmittel Viagra auf den Markt gebracht. Auch in Deutschland bekommen seitdem Millionen Männer die blaue Pille verschrieben.

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Lithium

Die Medizin hat einen Ausdruck für solche Zufallsentdeckungen: Es handelt sich um Serendipität. Genau so verhielt es sich auch mit Lithium, das bis heute wirksamste Medikament gegen bipolare Störungen. Bipolare Patienten durchlaufen Phasen mit Stimmungsschwankungen – von zu Tode betrübt bis hin zu himmelhochjauchzend.

Lithium, ein Salz eines Alkalimetalls, hilft etwa einem Drittel aller Patienten, ein gemäßigteres und glücklicheres Leben zu führen. Entdecker der therapeutischen Wirkung von Lithium ist der australische Psychiater John Cade. Er wirkte in den 1940-er Jahren. Er vertrat die Theorie, dass die bipolare Störung auf einer Vergiftung beruht, die in Substanzen im Harn des Patienten zu finden sind.

Er überprüfte seine Theorie, indem er Meerschweinchen Urin von Menschen spritze. Dabei stellte er fest, dass der Harn von bipolaren Patienten giftiger war als der von gesunden Menschen. Er schloss darauf, dass man zur genaueren Untersuchung den Harn in seine Bestandteile auflösen sollte. Da sich Harnsäure als schwer löslich herausstellte, setzte er Lithiumurat ein. Als Cade den Meerschweinchen die Lithium-Harn-Mischung spritzte, verstarben rund 50 Prozent weniger Tiere – dies brachte ihn darauf, dass Lithium den Patienten schützen könnte.

Homöopathie

Die in der Einleitung erwähnten abenteuerlustigen Spanier halfen Samuel Hahnemann 1790 die Homöopathie zu entwickeln. Damals führte er nämlich einen Selbstversuch mit der China-Rinde durch. Während diesem Versuch bekam er Fieber, das in Intervallen auftauchte. Er schloss daraus, dass man „Gleiches mit Gleichem“ heilen kann – dies ist der Grundsatz der Homöopathie.

Die Ergebnisse des Selbstversuches konnten allerdings nicht bestätigt werden, was darauf hinweist, dass Homöopathie ebenfalls durch Zufall entdeckt wurde.

Süßstoff

1934 war ein US-Chemiker auf der Suche nach einer antibiotisch wirkenden Substanz. Dabei stieß er auf einen süßlich schmeckenden Stoff, welches man Cyclamat nennt – bis heute eine der wichtigsten künstlichen Süßstoffe.

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Chinin

1912 sank die Titanic – und durch Zufall entdeckte der Wiener Internist Prof. Wenckebach das erste Medikament gegen Herzrhythmusstörungen. Ein Patient bereitete ihm Kopfzerbrechen, da seine Herzarrhythmien nicht unter Kontrolle zu bringen waren. Der Patient war allerdings weit weniger verzweifelt und erklärte dem Arzt, dass er seine Rhytmusstörung innerhalb einer halben Stunde stoppen kann – mit der Einnahme von einem Gramm Chinin. Auf diese Weise entdeckte die Ärzteschaft den antiarrhythmischen Effekt von Chinin.

Antibiotika

Des Weiteren verdankt man die Entdeckung von Sulfonamiden – antibakteriell und antiparasitär wirksame Antibiotika – einem Zufall. Gerhard Domagk, deutscher Wissenschaftler und Nobelpreisträger untersuchte die Möglichkeiten zur Behandlung der Blutvergiftung mit Streptokokken. 1932 fand er mittels Versuchen heraus, dass eine Verdünnung des Azofarbstoff „Prontosil“ bei Mäusen wirkte. Dafür erhielt er 1939 den Nobelpreis für Medizin.

Schlafmittel

Benzodiazepine (Gruppe von Schlaf- und Beruhigungsmitteln) wurden entdeckt, weil mach Antiinfektiva (Arzneimittel zur Behandlung von Infektionen) suchte. Ziel des Österreichers Dr. Max Berger war es 1943, ein Antibiotikum vor den Abbaueffekten von Enzymen bestimmter Bakterien (Penicillinasen) zu schützen.

Während der Tests an Mäusen entdeckte das Ärzteteam, dass bestimmte Substanzen Muskelkrämpfe auflösen können. Die Mäuse waren immer dann besonders zahm, wenn eine bestimmte Substanzgruppe eingesetzt wurde. Es handelte sich dabei um den Wirkstoff Chlordiazepoxid, welches später in ein Medikament namens Librium floss.

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